Ilsenburg l Paris mit dem Eiffelturm, Notre Dame und Sacre Coeur, dazu der Freizeitpark von Futuroscope und die Kathedrale von Chartres – eine „einmalige Erfahrung“ sind die vergangenen drei Monate für Franziska Mänz gewesen. Die 14-jährige Ilsenburgerin und ihre Freundin Nina Harting (15) sind gerade aus Frankreich an die Goetheschule in der Ilsestadt zurückgekehrt. „Wir haben neue Freunde gewonnen“, sagt Nina. Den Kontakt zu den Jugendlichen aus dem französischen Anet – eine Autostunde westlich von Paris gelegen – halten die beiden Neuntklässlerinnen per WhatsApp, schreiben aber auch Briefe.

Doch während ihrer Zeit im südwestlichen Nachbarland Deutschlands haben Nina und Franziska auch schwere Momente erlebt. „Am Abend der Terroranschläge in Paris war Nina bei meiner Gastfamilie zu Besuch, wir hatten einen Streit mit meinen Gastschwestern Clémentine und Morgane“, sagt Franziska. Der Zoff sei sofort vergessen gewesen, als die Familie die Nachricht von den dramatischen Ereignissen aus Paris erreichte.

Familien und Freunde besorgt

„Wir waren alle betroffen und hatten Angst, schließlich liegt Anet nicht weit entfernt“, erinnert sich Nina. In der Nacht habe sie auf dem Handy „gefühlt tausende Nachrichten“ von Verwandten und Freunden empfangen, so die Abbenröderin. „Alle haben sich Sorgen gemacht und wollten wissen, ob es mir gut geht.“ Franziska habe mit ihren Gasteltern viel über die Anschläge gesprochen. „Das hat mir geholfen, das Ganze zu verstehen und zu verarbeiten.“ So waren sowohl die französischen Gasteltern als auch die echten im Harz erleichtert, als die beiden Mädchen wieder sicher in Deutschland landeten.

Bilder

„Respekt vor dem Mut von Nina und Franziska, diesen Schritt zu gehen und sich drei Monate lang ins Ausland zu wagen“, hat Simone Wegner. Die Lehrerin der Ilsenburger Europaschule organisiert gemeisam mit Patricia Collin von der französischen Partnerschule, dem Collège Mozart in Anet, den Schüleraustausch. Den Wunsch, nach Frankreich zu reisen, entwickelte Franziska Mänz, als im April 25 Jugendliche zu Besuch in der Goethe-Schule waren. Damals habe Clémentine bei ihrer Familie übernachtet, nun sei sie zu ihrer Freundin und deren Eltern gereist.

Schulstunden zehn Minuten länger

Wie sehr sich der Schulalltag in Frankreich von dem in Deutschland unterscheidet, haben Nina und Franziska schnell bemerkt. „Eine Unterrichtsstunde dauert 55, nicht 45 Minuten wie bei uns“, sagt Nina. Außerdem sind die Jugendlichen den ganzen Tag – von 8.30 bis 17 Uhr – im Schulgebäude.

Wie die zwei jungen Harzerinnen feststellten, trifft ein Klischee über die Franzosen tatsächlich zu: Sie sind begnadete Künstler. „Wir haben im Kunstunterricht gestaunt, wie gut alle unsere Mitschüler malen und zeichnen können“, sagt Franziska. „Da war es uns daneben fast peinlich, unsere Bilder vorzuzeigen“, ergänzt Nina mit einem Schmunzeln.

Doch die Austauschkoordinatorin Patricia Collin und der „Principal“, also der Direktor der französischen Schule, hätten Tränen in den Augen gehabt, als ihnen die beiden Harzerinnen ein Ständchen vorsangen.

„Bon Vivre“ – die schönen Seiten des Lebens – hat Franziska ebenfalls erlebt. „Einmal war eine Tante zu Besuch bei meiner Gastfamilie.“ Alle hätten zusammen am Esstisch gesessen, geschlemmt und geschwatzt – fünf Stunden lang. Mit der Sprache habe es dabei kaum Probleme gegeben. „Die Familienmitglieder haben oft nachgefragt, ob ich alles verstehe und extra langsam und ordentlich für mich gesprochen, sagt Franziska.

Durch die Monate, die sie in der Ilsenburger Sekundarschule gefehlt haben, sind die beiden Neuntklässlerinnen jetzt mächtig im Stress. „Wir müssen nun jede Menge Unterrichtsstoff nachholen – vor allem das, was wir in Mathematik verpasst haben“, seufzt Nina Harting. „Wenn sich noch einmal die Chance zu einem Austausch im Ausland ergibt, würde ich sie dennoch sofort wieder nutzen“, sagt Franziska Mänz. Im Januar sollen die nächsten Ilsenburger Schüler nach Frankreich reisen.