Magdeburg l Sachsen-Anhalt liegt bei der Finanzbelastung der Eltern durch Kitabeiträge im Mittelfeld der Bundesländer, ergab die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. Deutlich weniger zahlen die Berliner, da dort die Stadt für Kinder ab dem ersten Geburtstag fast alle Kosten übernimmt. Beitragsfreie Jahre haben auch Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Für die Studie wurden deutschlandweit fast 10.500 Eltern befragt - darunter waren 327 aus Sachsen-Anhalt.

Haushaltsnetto-Einkommen

Im Mittel geben die Eltern im Bundesland knapp 7 Prozent ihres Haushaltsnetto-Einkommens für die Betreuung ihrer Kleinsten aus. Allerdings ist die Spreizung groß, da es hier viele Geringverdiener gibt. Bei manchen gehen bis zu 16 Prozent des Einkommens drauf.

Ähnliche Unwuchten spiegeln sich auch im Bundesmittel wider: Geringverdiener müssen etwa 10 Prozent ihres Einkommens für die Kinderbetreuung aufwenden - die anderen fünf Prozent. Sachsen-Anhalts Koalition hat sich geeinigt, zunächst Mehrkindfamilien zu entlasten.

Ab 2019 sollen Eltern nur noch für ein Kind zahlen, wenn die Geschwister in die Kita gehen. Sobald der Bund seine Kita-Millionen an die Länder überweist, sollen zudem Geringverdiener weiter entlastet werden.

Familien mit Hartz-IV-Leistungen

Zwar bekommen derzeit Familien mit Hartz-IV-Leistungen die Beiträge voll oder zum Teil erstattet - jene, die aber trotz ihrer geringen Verdienste knapp über der Hilfsgrenze liegen, müssen meist voll zahlen. „Genau denen wollen wir helfen“, sagte CDU-Sozialpolitiker Tobias Krull.

Trotz der in den letzten Jahren stark gestiegenen Kita-Gebühren in Sachsen-Anhalt sind jedoch 68 Prozent der befragten Eltern bereit, für mehr Qualität mehr Geld zu bezahlen. Eine ähnlich hohe Zustimmung für mehr Personal und eine bessere Ausstattung wurde in den anderen Bundesländern ermittelt.

Gebührenbelastung am niedrigsten

In Berlin, wo die Gebührenbelastung am niedrigsten ist, scheinen die Qualitätsprobleme am größten zu sein. Dort zeigten sich sogar 83 Prozent der Befragten bereit, für eine bessere Kita auch mehr zu zahlen.

Die Bertelsmann- Fachleute raten daher, nur gezielt Einkommensschwache von Beiträgen zu befreien, ansonsten aber mehr Geld aufzuwenden, um den Erziehermangel zu beseitigen. „Jetzt alle Eltern zu entlasten, würde den politischen Handlungsspielraum für den Qualitätsausbau unnötig verengen“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

8 Milliarden Euro für Qualitätsausbau

Bundesweit wären 8 Milliarden Euro für den Qualitätsausbau nötig, gut 7 Milliarden Euro würde die völlige Beitragsfreiheit kosten. Der Bund stellt den Ländern bis 2021 aber nur 3,5 Milliarden Euro in Aussicht. Bertelsmann empfiehlt in Krippen einen Schlüssel von einer Erzieherin auf drei Kinder und in der Kita ein Verhältnis von 1 zu 7,5.

In Sachsen-Anhalt liegt der Wert in der Krippe bei 1 zu 6 und in der Kita bei 1 zu 11,5. Das Land will zwar mehr fürs Personal tun, müsste aber für die Idealbesetzung die Zahl der Erzieherinnen von 16.000 auf 24.000 aufstocken. „Das ist un-realistisch“, sagte Krull. Nicht nur finanziell. „Woher sollten wir die vielen Fachkräfte nehmen?“