Landeskirchenrat

Kirche lässt Bischöfin Junkermann fallen

Wegen eines Ost-West-Konflikts und einer Stasi-Debatte zwingt Mitteldeutschlands Kirche die Bischöfin Ilse Junkermann zum Aufhören.

Magdeburg l Die Kirchenfusion hatte 2009 auch viel Ärger unter Pfarrern und Gläubigen in Sachsen-Anhalt und Thüringen hinterlassen. Ganz bewusst hatte sich die Synode daher für einen Kopf „von außen“ entschieden: Ilse Junkermann aus Baden-Württemberg wurde die erste Bischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM). Sie sollte, unbeeinflusst vom Fusionsgezerre, die neue vereinigte Kirche formen. Acht Jahre später scheint das Vertrauen aufgezehrt. Der Landeskirchenrat verlängert ihre Amtszeit nicht. Bischöfin Junkermann muss 2019 den Stuhl räumen. Sie ist enttäuscht, hätte gerne weitergemacht. „Insofern schmerzt mich die Entscheidung.“ In den offiziellen Erklärungen ist von neuen Impulsen die Rede, die man setzen will. Intern aber hatte sich offenbar auch einiger Ärger aufgestaut.

Fragt man Gemeinderäte oder Pfarrer, fällt zuerst das Thema Stasi. 2010 regte die Bischöfin an, auch mit den Tätern zu reden und ihnen zu vergeben. So, wie es das Vaterunser lehrt: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Doch die biblische Sicht kam bei den Opfern von Bespitzelung und Geheimdienstdrangsal gar nicht gut an. Opferverbände sprachen von einer „schallenden Ohrfeige für Verfolgte“ – zumal viele Täter von einst selten Einsicht zeigten oder gar um Vergebung baten. „Eine Westdeutsche braucht gute ostdeutsche Berater, um nicht in Fettnäpfchen zu treten“, sagt ein Pfarrer. „Die hatte sie offenbar nicht.“

Auch im Luther-Jahr ließ die Bischöfin viele Gemeinden ratlos zurück: Sie wollte, dass alle Kirchen täglich ihre Türen für Besucher öffnen. Nur: Im Gegensatz zum Westen sind die oft kleinen Gemeinden im nahezu konfessionsfreien Osten personell gar nicht in der Lage, das zu ermöglichen. Manche Pfarrer betreuen bis zu 18 Dörfer allein. Vor allem: Diese überbordende Offenheit stand im krassen Gegensatz zum Kirchentag in Magdeburg, wo hohe Eintrittspreise (26 Euro für Tageskarte) nun alles andere als einladend wirkten. Die Veranstaltung blieb denn auch schwach besucht.

Bis 2019 bleibt Ilse Junkermann Bischöfin, erst dann läuft ihre Amtszeit aus. Sie hatte gehofft, bis zu ihrem Ruhestand 2023 weitermachen zu können. Die EKM aber lehnte eine Verlängerung ab und will ab 2020 einen neuen Mann oder eine neue Frau an der Spitze. „Es braucht jemanden, der einen anderen Blick hat“, sagt Landeskirchenrat-Vize Diethard Kamm. Ob es jemand von hier sein muss? „Dafür gibt es keine Festlegung.“

In der Politik waren viele von der Personalie überrascht. „Ich bedaure das sehr“, sagt Wulf Gallert von der Linken. „Ich fand ihre Positionen abseits des Mainstreams sehr erfrischend.“

Die EKM hat derzeit 730.000 Mitglieder. Im Gründungsjahr 2009 waren es noch 1,1 Millionen.

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