Magdeburg l Der Ärzte-Song „Deine Schuld“ dröhnt aus den Boxen, grüne Flaggen flattern durch die Luft und Hunderte Jugendiche skandieren „Alerta, alerta, antfasicsta“ („Achtung, Achtung, hier kommen die Antifaschisten“): Rund 450 Menschen, darunter zahlreiche Jugendliche aus 25 Ortsgruppen der Fridays-for-Future-Bewegung, haben sich an diesem Freitag vor dem Hauptbahnhof Magdeburg versammelt, um zu demonstrieren. Für den Klimaschutz - und gegen Rechts. So wollen die Organisatoren mit der Demo, die am Nachmittag am Hauptbahnhof begonnen hatte, auch ein Zeichen in Richtung des am Abend angekündigten Gedenkmarsches setzen. In den letzten Jahren waren hier mehrere Hundert Neonazis mitgelaufen.

Hintergrund: Am 16. Januar 1945 hatten britische Bomber bis zu 90 Prozent der Innenstadt Magdeburgs zerstört, rund 2000 Menschen wurden dabei getötet. Und was hat das mit dem Klima zu tun?  „Der Klimawandel verschärft soziale Ungerechtigkeiten und untergräbt den sozialen Zusammenhalt“, sagte die Schülerin und Sprecherin der Magdeburger Fridays-for-Future-Bewegung, Leonie Szameitat.

Und der Aufruf, dem Jugendliche aus mehreren Bundesländern gefolgt sind, hat sein Ziel nicht verfehlt.
Es ist alles ein bisschen lauter, ein bisschen größer an diesem Freitag. Auch Julian Zabel hat daran seinen Anteil. Der 18-Jährige ist mit Freunden extra aus Jena angereist und macht in seinem Redebeitrag unter anderem deutlich: „Klimaschutz ist, war und bleibt immer auch antifaschistisch. Viele sagen immer: Ihr streikt fürs Klima, ihr dürft euch doch nicht so äußern. Ich sage: Ein Kampf fürs Klima ist immer auch ein Kampf gegen Rechts.“

Und das sehen anscheinend viele Demonstranten so. Längst nicht mehr nur Schüler, auch viele Senioren sind an diesem Freitag gekommen. Erst seit einigen Wochen gibt es auch in Magdeburg offiziell eine Ortsgruppe der "Oldies for Future". Eine ältere Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, sagt: "Ich bin gekommen, weil ich ein Zeichen gegen Rechts setzen möchte. Das ist meine Motivation."

Eines der Hauptthemen bei der Demo in Magdeburg: Der von Bund, Ländern und Unternehmen beschlossene Fahrplan für den Kohleausstieg. Erst in dieser Woche hatten sich die Bundesregierung und Bundesländer mit Braunkohleregionen darauf geeinigt, dass Deutschland bis spätestens 2038 komplett aus der Stromgewinnung durch Kohle aussteigt - für Fridays For Future zu spät.

Kohleausstieg bis 2030 gefordert

Die Bewegung fordert weiter vehement den Kohleausstieg bis 2030. Das sieht auch Fabian P. so. Der 18-Jährige ist zusammen mit 50 anderen Schülern aus Leipzig angereist. Seine Meinung zum geplanten Fahrplan für den Kohelausstieg? „Es ist gut, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind, aber 2038 ist noch immer viel zu spät.“

Zwei Haupt-Forderungen der Klimabewegung: der Kohleausstieg soll bis spätestens 2030 erfolgen und bis 2035 soll in Deutschland Strom ausschließlich aus erneuerbarne Energien gewonnen werden. Dafür will die Bewegung in diesem Jahr verstärkt Unternehmen ins Visier nehmen, wie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer am Donnerstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten sagte. „Wir haben uns im letzten Jahr sehr auf die Bundesregierung, die Landesregierungen und auch auf Kommunen konzentriert. Dieses Jahr wollen wir uns deutlich mehr auf wirtschaftliche Akteure fokussieren“, führte sie aus.