Iden (dpa) l Rund ein Jahr nach dem Start des Wolfskompetenzzentrums in Iden in der Altmark ist die Arbeit der Experten gefragt. Bislang wurden bei 27 Tierhaltern Beratungen durchgeführt, um den Schutz der Herden zu verbessern. Zudem gab es 74 Informationsveranstaltungen, wie der Leiter der Einrichtung, Andreas Berbig, berichtete. Das Angebot werde von der Bevölkerung und den Nutztierhaltern immer besser angenommen und die Arbeit zunehmend geschätzt. Das zeige sich auch daran, dass immer mehr Menschen bereit seien, die Fachleute beispielsweise zu unterstützen, sagte Berbig. Dabei gehe es beispielsweise um Informationen, wo sich Wölfe zeigen.

Das Wolfskompetenzzentrum wurde im Februar 2017 als Reaktion auf Angriffe von Wölfen auf Nutztiere eingerichtet. Fünf Mitarbeiter kümmern sich um Beratung, Aufklärung und die Begutachtung bei dem Verdacht, dass Wölge Nutztiere rissen. Im vergangenen Jahr untersuchten die Experten 102 solcher Fälle – 71 Mal konnte der Wolf als Verursacher bestätigt oder zumindest nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt wurden 2017 182 Nutztiere von Wölfen getötet. Verglichen mit der Zahl der Nutztiere seien Wolfangriffe zwar nach wie vor eher selten, sagte Berbig. Der Experte betonte dennoch: "Für die Tierhalter ist jeder Vorfall einer zu viel."

Entscheidend sei, die Herden wirksam vor dem Wolf zu schützen. Berbig verwies auf gut funktionierende Zäune oder auch den Einsatz von Herdenschutzhunden. Häufig seien die Vorbehalte der Tierhalter aber groß – Hunde etwa sind in Anschaffung und Unterhalt teuer und ihr Umgang mit Schafen und Rindern muss trainiert werden. Noch immer gebe es Unverständnis über die Rückkehr des Wolfes und warum man ihn nicht wieder ganz vertreiben könne, sagte Berbig.

Während Tierhalter für den Schutz von Schafen, Ziegen und Gehegewild eine Förderung vom Land bekommen können, ist das bei der Rinderhaltung noch nicht möglich. Das Wolfskompetenzzentrum testet derzeit bei zwei Agrargenossenschaften im Jerichower Land die Wirksamkeit neuer Zaunsysteme. Vor allem Kälber geraten zunehmend in den Fokus von Wölfen. "Der Wolf ist lernfähig, er schlägt da zu, wo er leichte Beute machen kann", sagte Berbig. Einfache Zäune, die lediglich die Rinderherden am Weglaufen hinderten, seien zu wenig.

Regelmäßig führen die Experten auch Gespräche in Kitas und Schulen. Eltern und Lehrer äußerten immer wieder die Sorge um die Sicherheit der Kinder. Die Experten versuchten, durch Aufklärung diese Ängste abzubauen, sagte Berbig. "Es hat noch keinerlei Gefährdung von Menschen gegeben." Die Sorge der Menschen, dass es einmal passieren könnte, müsse man aber sehr ernst nehmen. Es werde noch eine ganze Zeit dauern, bis sich die Menschen wieder an das Leben mit dem Wolf gewöhnt haben. Berbig ist jedoch sicher: "Irgendwann wird es Normalität sein."