Magdeburg l „Wenn wir nachts jeden jungen Mann auf dem Magdeburger Hasselbachplatz kontrollieren würden“, so ein Schutzpolizist, „dann würden wir wohl bei jedem Zweiten feststellen, dass er ein Messer mit sich führt.“

Zwar gibt es offiziell gar keine Statistik, wie das Innenministerium Sachsen-Anhalts mitteilt, „da eine bundeseinheitliche Erfassung des Tatmittels Messer in der polizeilichen Kriminalstatistik bislang nicht existiert“.

Männer ab 21 Jahren sind Haupttäter

Der Volksstimme liegen allerdings Zahlen der Jahre 2013 bis 2017 vor, die für die Beantwortung einer Anfrage extra zusammengetragen wurden und ein erhellendes Licht auf das Phänomen werfen. Für das Jahr 2018 gibt es keine Eckwerte. Eine grobe Übersicht zeigt jedoch, dass der Pfeil im zurückliegenden Jahr erneut nach oben zeigte.

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Die Haupttätergruppe waren danach Männer ab 21 Jahre. Die Zahl dieser Messerstecher stieg von 425 (2013) auf 462 (2017). 2013 wurden 24 Menschen durch Messerstiche getötet und 60 mal erlitten Opfer auf offener Straße schwere Verletzungen. 2017 starben 23 Menschen durch den Einsatz von Messern, schwer verletzt wurden 113.

Allerdings ist der Anstieg von Messerattacken kein Phänomen, das nur Sachsen-Anhalt betrifft.

Auch andere Länder wollen handeln

Niedersachsen und Bremen wollen mit einer Bundesratsinistiative das Waffenrecht verschärfen. Danach soll es künftig verboten sein, in Einkaufszentren, Fußgängerzonen, an Bahnhöfen, in der Nähe von Schulen und bei Großveranstaltungen Springmesser und Messer mit langen Klingen bei sich zu tragen.

„Bisher kann die Polizei nur Waffenverbotszonen an ,kriminalitätsbelasteten Orten‘ einrichten“, sagt der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Rüdiger Erben. Er setzt sich dafür ein, dass Sachsen-Anhalt die Initiative unterstützt. „Weniger Messer heißt geringere Gefahr“, sagt er. Messer würden als Tatwaffe oft im Affekt benutzt. „Wer kein Messer trägt, ist die Gefahr, dass etwas Schlimmes passiert, bereits geringer.“

Messerattacken beeinträchtigten mehr und mehr das Sicherheitsgefühl der Sachsen-Anhalter. Und auch Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) meint, dass „Messerattacken besonders gefährlich" seien. „Sie können schnell zu lebensgefährlichen Verletzungen führen. Hinzu kommt ein erhebliches Drohpotenzial allein schon durch das Zeigen eines Messers.“

Strafrecht soll überprüft werden

Deshalb forderten die Landes-Justizminister vom Bund, eine Verschärfung des Strafrechts zu prüfen. Dabei gehe es nicht darum zu verbietent, ein kleines rotes Taschenmesser in der Handtasche bei sich zu haben.

Wolfgang Ladebeck, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, nennt einen Grund für das Ansteigen der Messerangriffe, die steigende Ausländerzahl. „Diese Menschen haben eine andere Mentalität und eine andere Kultur. Für sie gehört es einfach dazu, ein Messer zu tragen.“ Er selbst kenne diesen Umstand noch aus seiner Polizistenzeit in der DDR: „Die Algerier, die in Schönebeck gearbeitet haben, hatten alle ein Messer im Stiefel.“

Allerdings sind an vielen Messerattacken auch Deutsche beteiligt. Ladebeck hält Messerverbotszonen für ein geeignetes Mittel der Prävention. Die Sicherheit von Polizeibeamten werde dadurch ebenfalls erhöht. Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es „Richtlinien zur Erfassung des Tatmittels Messer“. Ein erster Schritt, um eine belastbare Statistik zu bekommmen, durch die Brennpunkte und polizeiliche Schwerpunkte erkannt und wirksam bekämpft werden können

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