Halle (dpa) l  Die Corona-Krise setzt auch den Museen in Sachsen-Anhalt zu – aber das Sommergeschäft ist vielerorts trotzdem gut verlaufen. "Die Menschen gehen jetzt nicht in Spanien oder in Italien ins Museum, sondern sie entdecken ihre Region wieder neu, davon profitieren auch die kleineren Häuser", sagte der Vorsitzende des Museumsverbands Sachsen-Anhalt, Ulf Dräger. "Rund 90 Prozent der Museen im Land werden von Kommunen getragen. Die haben bislang keine Probleme gehabt."

Anders sehe es bei einer privaten Trägerschaft aus: "Diese Einrichtungen sind auf Eintrittsgelder und Gelder aus Veranstaltungen angewiesen, die haben Probleme." Hier müsse bei einer erneuten Schließung das Land wie im Frühjahr mit einem Nothilfeprogramm einspringen, forderte Dräger.

"Wir sind äußerst zufrieden. Wenn es gut geht, dann kommen in diesem Jahr rund 16 000 Besucher, soviel wie im letzten Jahr", sagte Archäologe und Leiter des Freilichtmuseums Königspfalz Tilleda (Landkreis Mansfeld-Südharz), Michael Dapper. "Es sind eben weniger Menschen ins Ausland gefahren. Außerdem ist die Königspfalz ein Freilichtmuseum. Keiner muss eine Tür anfassen oder eine Maske tragen."

Ebenso bestätigt das Museum Schloss Wernigerode eine gute Auslastung im Sommer. "Im Sommer waren die Besucherzahlen so gut wie seit 20 Jahren nicht", sagte der Leiter Christian Juranek. "Dennoch, insgesamt ist dieses Jahr nicht wieder aufzuholen. Vielleicht werden es in diesem Jahr 175 000 Besucher, 2019 hatten wir 220 000 Besucher."

Gesamtes Rahmenprogramm zurückgefahren

Der Kunstverein Talstrasse in Halle hofft, gut über den Winter zu kommen. "Wir meiden natürlich Veranstaltungen, haben auch das gesamte Rahmenprogramm zurückgefahren", sagte der Leiter Matthias Rataiczyk. "Staatliche Mittel bekommen wir nicht. Da müsste ein Programm neu aufgelegt werden, ansonsten können wir nur hoffen, dass die Besucher uns weiterhin treu bleiben. Wir leben ja von den Eintrittsgeldern."

Derzeit sind es 900 Besucher im Monat, voriges Jahr lag der Monatsdurchschnitt bei 1100 Gästen."Solange staatliche Maßnahmen nicht verbieten, Gäste ins Haus zu lassen, solange werden wir irgendwie hinkommen",sagte Rataiczyk.

"Tatsächlich haben sich die Zahlen seit dem Lockdown stabilisiert", sagte der zuständige Kulturamtsleiter für das Museum Schloss Weißenfels, Robert Brückner. "Der Saale-Radwanderweg hat uns viele Touristen nach Weißenfels gebracht."

Rund 500 Besucher mehr dieses Jahr

Beispielsweise im August kamen ihm zufolge 1514 Besucher, rund 500 mehr als im Vorjahr, in das Museum. "Aber das kann sich natürlich alles mit steigenden Corona-Zahlen ändern." Wenn es jetzt noch mal einbreche, dann bezahle die Stadt Weißenfels die finanziellen Ausfälle.