Burg/Havelberg l Zweieinhalb Jahre nach dem Ende der Bundesgartenschau (Buga) in der Havelregion ist das Ausmaß des Abrechnungsdesasters noch unbekannt. Erhard Skupch, Geschäftsführer der Landesgartenschau 2018 in Burg, will ein ähnliches Debakel wie bei der Buga vermeiden. Dazu bedarf es vor allem vieler Besucher.

450.000 Menschen will Burg ab April 2018 ins Jerichower Land locken. 170 Tage wird die Landesgartenschau (Laga) geöffnet sein. Nach langer Pause ist es die vierte Laga nach Zeitz (2004), Wernigerode (2006) und Aschersleben (2010).

Havelberg sorgte für Aufsehen

Für das größte Aufsehen hat in Sachsen-Anhalt jedoch ein anderer Ort gesorgt. Vor drei Jahren war Havelberg Teil der Bundesgartenschau, die in fünf Orten entlang der Havel stattfand. Endergebnis: 500.000 Besucher zu wenig, ein Minus von mindestens zwölf Millionen Euro. Geschäftsführer damals: Erhard Skupch.

„Untergekrochen“ sei er bei der Laga nach dem Abrechnungsdesaster bei der Buga, schreibt die Märkische Allgemeine in einem Bericht despektierlich. In Brandenburg, wo die vier anderen Buga-Orte lagen, ist er nicht gut weggekommen. Medien und Politiker machen den Ex-Geschäftsführer und den Buga-Zweckverband für das Finanzloch verantwortlich.

Buga-Städte müssen draufzahlen

Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Ausmaß der Misere: Ursprünglich hatte das Buga-Budget am Anfang bei 28 Millionen Euro gelegen. Schon bevor die Schau im Frühjahr 2015 eröffnete, war ein zusätzlicher Puffer von sieben Millionen Euro ausgeschöpft. Am Ende hat das Projekt mindestens weitere zwölf Millionen Euro verschlungen. Das brandenburgische Innenministerium teilte auf Anfrage der Volksstimme sogar mit, dass man nicht ausschließen könne, „dass weitere Verluste verzeichnet werden“. Die fünf Buga-Städte müssen also kräftig draufzahlen.

Das ist bei Gartenschauen oft der Fall. Bundesweit verzeichnen die Ausrichter im Nachgang häufig ein Minus: Ob Bamberg oder Bayreuth, ob Zeitz oder Aschersleben. An der Stadt im Salzlandkreis blieben bei der Laga 2010 zwei Millionen Euro hängen. Doch das hohe Buga-Minus und die Vorwürfe fehlerhafter Buchführung sind eine andere Hausnummer.

Budget von Anfang an zu niedrig

Vom Vorwurf der Misswirtschaft will Erhard Skupch jedoch nichts wissen. Schließlich seien der Durchführungsetat und die erwarteten Besucherzahlen schon vor seinem Amtsantritt festgelegt worden. „Das Budget wurde von Anfang an zu niedrig angesetzt“, sagt der Geschäftsführer.

Bei früheren Bugas lag das Budget bei rund 50 Millionen Euro. Der Ansatz in der Havelregion, nur mit 35 Millionen Euro zu planen, und das bei weiteren Wegen im ländlichen Raum, sei ein Fehler gewesen, argumentiert Skupch. Er sieht vor allem die zu geringen Besucherzahlen – die auch durch die extreme Hitze 2015 und einige Sturmschäden beeinflusst wurden – als Hauptproblem.

Kritik vom Bund der Steuerzahler

Doch dieses Bild zeichnen längst nicht alle. Der Bund der Steuerzahler kritisiert in seinem Schwarzbuch, die Buga sei „nicht mehr als ein teures Prestigeprojekt“ gewesen. Im Buga-Umfeld heißt es, Skupch habe viele strategische Fehlentscheidungen getroffen, er sei überfordert gewesen. Beim sich abzeichnenden Besucherminus habe er nicht gegengesteuert, sagt einer. Zudem bestand er bei einem mobilen Aussichtsturm, der besonders an den großen Buga-Standorten Plus erwirtschaftete, auf eine gleichlange Nutzung auch in den kleineren Städten.

Das Chaos hat dazu geführt, dass die SPD-Politikerin Britta Kornmesser den Vorstand des Zweckverbands aus Protest verließ. Sie sei „systematisch von Informationen ausgeschlossen“ worden, sagt sie und wirft Skupch Intransparenz vor. Dieser will sich dazu nicht äußern. Er sagt: „Das war eine politische Angelegenheit.“

Motor der Stadtentwicklung

Droht Burg mit Skupch ein ähnliches Chaos? Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) stärkt dem Geschäftsführer den Rücken. „Er verfügt über viel Erfahrung und ein großes Netzwerk“, sagt er. Etwa 7,5 Millionen Euro beträgt der Laga-Durchführungsetat. Der Kartenverkauf läuft gut, sagt Skupch. „Bisher liegen wir absolut im Plan.“

In Burg verweist man auf die Vorteile, die eine Gartenschau mit sich bringt. „Wir haben von einem Investitionsschub profitiert, den wir ohne die Laga in zehn Jahren nicht erreicht hätten“, sagt er. Bis zu 40 Millionen Euro sind in die Vorbereitung und Infrastruktur geflossen, ein Großteil davon Fördergelder.

Nachhaltig positive Effekte

Wegen dieser Begleiterscheinungen ziehen auch die Städte an der Havel eine positive Buga-Bilanz – trotz der Querelen. Der Brandenburger Oberbürgermeister Steffen Scheller spricht von „nachhaltig positiven Effekten“. Auch sein Havelberger Kollege Bernd Poloski lobt, dass massiv in die Infrastruktur investiert, städtebauliche Missstände beseitigt und vorhandene Frei- und Grünflächen aufgewertet worden sind. „All das verbesserte spürbar die Wohn- und Lebensqualität für die Bewohner“, sagt Poloski. „Davon dürften zweifellos die touristischen Dienstleister nachhaltig profitieren.“ Gartenschauen seien im ländlichen Raum „ein geeigneter Motor der Stadtentwicklung“.

Mehr Informationen rund um die Landesgartenschau 2018 in Burg gibt es hier.