Debatte über Universitätsstädte

Bleibt Magdeburg auf der Strecke?

Magdeburgs Uni-Rektor Jens Strackeljan warnt zu Beginn des Wintersemesters vor einem Ungleichgewicht zwischen den Universitätsstädten Magdeburg und Halle. Anlass: Die verstärkte Ansiedlung von Großeinrichtungen im Landessüden, vor allem im Rahmen des Kohleausstiegs. Ministerpräsident Reiner Haseloff widerspricht.

Von Alexander Walter 04.10.2021, 21:42
Fahne mit dem Konterfei des Namensgebers der Otto-von-Guericke-Universität vor dem Campus-Tower am Magdeburger Universitätsplatz. In  Sachsen-Anhalt beginnt das Wintersemester. Die Uni Mageburg rechnet erneut mit weniger Studienanfängern als erhofft.
Fahne mit dem Konterfei des Namensgebers der Otto-von-Guericke-Universität vor dem Campus-Tower am Magdeburger Universitätsplatz. In Sachsen-Anhalt beginnt das Wintersemester. Die Uni Mageburg rechnet erneut mit weniger Studienanfängern als erhofft. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Magdeburg - Großes Lob von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am vergangenen Wochenende für Halle: Die Ausrichterstadt des Tags der Deutschen Einheit sei als Sitz der Nationalen Akademie der Wissenschaften großartiger Gastgeber, bilde mit Leipzig den zweitwichtigsten Wirtschaftsraum im Osten.

Zumindest mit Blick auf die Wissenschaftslandschaft im Land beobachtet mancher in Magdeburg aktuelle Weichenstellungen indes mit Sorge: „Es fehlt mir an der einen oder anderen Stelle schon ein deutliches Bekenntnis des Landes zu Magdeburg“, sagte Magdeburgs Uni-Rektor Jens Strackeljan im Volksstimme-Interview vor Beginn des Wintersemesters. So werde als Ausgleich für den Kohleausstieg ein Fraunhofer-Institut zur Erforschung grünen Wasserstoffs in Merseburg geplant – „ein Thema, das sehr anschlussfähig ist zu unserem Profil“. Im Koalitionsvertrag sei beim Thema Exzellenzforschung ausdrücklich nur vom Landessüden die Rede.

Anlass sind auch rückläufige Studentenzahlen. Von knapp 2100 zum Winter 2016/17 war die Zahl der Studienanfänger an der Uni vor allem coronabedingt zuletzt auf 1750 gesunken. Strackeljan rechnet zum Semesterstart noch nicht mit einer Erholung.

Gerade die Uni, mit vom Land gewollt ingenieurwissenschaftlich-technischem Profil, könnte nach Ansicht des Rektors von zusätzlichen Forschungsinstituten in der Nähe aber profitieren. Rückendeckung kommt von Oberbürgermeister Lutz Trümper: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden“, sagte der SPD-Politiker.

Zwei unterschiedliche Zentren

Magdeburg und Halle besitzen insgesamt sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Länderübergreifend betrachtet leben im Raum Halle-Leipzig deutlich mehr Menschen. Es gibt einen ICE-Anschluss, einen Flughafen und zwei große Universitäten. Zuletzt hatte der Bund seine Cyberagentur hier angesiedelt.

Mirko Titze, Experte für regionale Wirtschaftsentwicklung am IWH Halle, hält noch nicht für entschieden, ob der aktuelle Kohleausgleich eher positive oder negative Effekte auf den Raum Magdeburg haben wird: „Das Engagement im Süden könnte eine Verschiebung der Gewichte zu Ungunsten Magdeburgs bedeuten“, sagte er. Magdeburg könnte wegen relativ kurzer Fahrtzeiten zwischen beiden Städten über Ausstrahleffekte andererseits aber genauso gut profitieren.

Haseloff: Land zusammen denken

Haseloff zeigte Verständnis für Sorgen, wies Kritik aber zurück: „Die Ausgleichsmittel für den Kohleausstieg bis 2038 sind per Bundesgesetz kreisscharf an das Mitteldeutsche Revier gebunden“, sagte er. Dennoch habe er etwa durchgesetzt, dass das Drohnenforschungszentrum Cochstedt aus dem 4,8 Milliarden Euro großen Topf unterstützt wird. In Hohenmölsen (Burgenlandkreis) entstehe ein Zentrum für Agrartechnologie – in Zusammenarbeit mit dem Magdeburger Fraunhofer-Institut. „Das Land muss zusammen gedacht und entwickelt werden“, betonte der MP. Den Norden habe er ebenso im Blick wie den Süden.

Für die Hochschulen gebe es dabei seit Längerem den Auftrag, stärker zu kooperieren.