Kriminalität

Deutschlandweit fallen bei Straftaten in Sachsen-Anhalt die meisten Schüsse

In keinem anderen Land ist 2020 bei Straftaten so oft geschossen worden wie in Sachsen-Anhalt. Laut BKA kommen zehn Fälle auf 100.000 Einwohner, in Berlin waren es (8,6).

Von Matthias Fricke
Eine Pistole mit dazugehöriger Munition.
Eine Pistole mit dazugehöriger Munition. Foto: dpa

Magdeburg - Ein 73-Jähriger wird mitten in Quedlinburg im August 2020 auf offener Straße erschossen. Im gleichen Monat sind 90 Beamte in Magdeburg an einem Wohnheim der Fachhochschule im Einsatz, weil drei Männer mit einem Luftgewehr auf dem Dach herumballern. Im Dezember beobachtet ein Autofahrer auf der A14, wie ein Mann aus dem Beifahrerfenster Schüsse mit einer Pistole abgibt. Die Polizei stellt später bei ihm eine Schreckschusswaffe und Patronen sicher.

Das sind nur drei der 220 von der Polizei registrierten Schussabgaben im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt. Während deutschlandweit diese Fälle von 4639 auf 4454 zurückgingen, sind sie in Sachsen-Anhalt von 191 auf 220 gestiegen. Damit führt das Land nach einem Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) mit zehn Fällen auf 100.000 Einwohner berechnet die deutschlandweite Statistik an. Es folgen Berlin (8,6), Niedersachsen (7,3) und Nordrhein-Westfalen (6,9).

Bei den Bedrohungen mit Schusswaffen liegt Sachsen-Anhalt in Relation zur Einwohnerzahl auf Platz sieben. In absoluten Zahlen stiegen diese Fälle von 112 auf 147. Deutschlandweit gingen sie um 3,1 Prozent auf 4370 zurück. Insgesamt stiegen die Schusswaffenanwendungen im Land von 303 auf 367 im vergangenen Jahr.

Laut Michael Klocke vom Landeskriminalamt (LKA) wurden dabei in Sachsen-Anhalt „nicht selten“ Schreckschusspistolen und Luftgewehre verwendet.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Uwe Bachmann: „Es ist schockierend und höchst problematisch, wenn die Zahlen so hoch sind, dass wir als kleines Land an der Spitze stehen. Selbst, wenn es sich vielleicht oft um erlaubnisfreie Waffen handelt, bleibt die Verwechslungsgefahr sehr groß. Für uns ist das ein ernstes Problem.“ Sein Kollege Alexander Meißner vom Bund Deutscher Kriminalbeamter: „Eine solche Entwicklung ist nicht hinnehmbar. Die Ursache muss gefunden und das Problem bekämpft werden.“

Laut LKA nahmen auch die Verstöße gegen das Waffengesetz zu. Sie stiegen um 13 Prozent auf 1185 Fälle. Das sind so viele wie seit mindestens acht Jahren nicht mehr.