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Halbleiterproduktion MagdeburgIntel-Vertriebschef Christoph Schell: „Das ist ein gesunder Druck“

Intel baut in Magdeburg - der Konkurrent TSMC aus Taiwan  in Dresden. Drückt der US-Konzern jetzt auf mehr Tempo? Die Volksstimme fragte Vertriebschef Christoph Schell.

Von Jens Schmidt Aktualisiert: 01.09.2023, 17:47
Intel-Vertriebschef Christoph Schell während des Gesprächs in der Volksstimme-Redaktion.Schell spricht derzeit mit ersten potenziellen Kunden
Intel-Vertriebschef Christoph Schell während des Gesprächs in der Volksstimme-Redaktion.Schell spricht derzeit mit ersten potenziellen Kunden Foto: Uli Lücke

MagdeburgIntel-Vertriebschef Christoph Schell spricht derzeit mit ersten potenziellen Kunden - dazu zählen Autohersteller und weitere Industrie-Unternehmen. Der US-Konzern will in Magdeburg Halbleiter der modernsten Generation produzieren. Wir haben nachgefragt.

Volksstimme: Herr Schell, wann legt Intel in Magdeburg los?

Christoph Schell: Wir sind aktiv in der Planungsphase, außerdem laufen die archäologischen Grabungen vor Ort in Magdeburg – und ich spreche mit potenziellen Kunden.

Volksstimme: Wann erfolgt der erste Spatenstich für die beiden Fabriken? 2024?

Schell: Die EU Genehmigung ist noch ausstehend und üblicherweise dauert der Bau vier bis fünf Jahre bei neuen Fabrikstandorten.

Volksstimme: Sie sagen, Sie seien schon auf Kundensuche. Gehören deutsche Autobauer dazu?

Schell: Die Autobranche in Europa ist ein interessantes Segment – aber auch andere europäische Unternehmen gehören dazu. Das Interesse ist groß, denn die Industrie hat in den vergangenen Jahren leidvoll erfahren, wie schwierig es wird, wenn es an Halbleitern mangelt.

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Volksstimme: Welche Halbleiter sollen die Magdeburger Fabriken produzieren?

Schell: Wir haben uns entschieden, in Magdeburg mit den fortschrittlichsten Technologien die modernsten Halbleiter herzustellen. Wir sehen einen wachsenden Bedarf angefeuert durch Künstliche Intelligenz. Mein Team und ich sprechen mit unseren Kunden über die Einsatzmöglichkeiten und das Potenzial von KI in den unterschiedlichsten Branchen.

Volksstimme: Nun will TSMC aus Taiwan in Dresden ebenfalls eine Chip-Fabrik bauen. Wie bewerten sie das?

Schell: Wir finden das hervorragend, denn unsere Industrie erweitert das Ökosystem und es ist ein wichtiges Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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Volksstimme: Aber TSMC ist auch Ihr Konkurrent: Setzt diese Ansiedlung Intel unter Druck?

Schell: Das ist wie im Sport: Wettbewerb macht einen besser. Das ist ein guter, gesunder Druck. Aber wir haben auch Vorteile: Intel bietet Produkte, die weltweit nur wenige anbieten können. Intel stellt seine eigenen Wafer her und nutzt diese, um daraus eigene, passgenaue Halbleiterprodukte zu produzieren: für die Cloud, für Großrechner sowie für den PC. Wir haben Konkurrenten, die entweder das eine oder das andere anbieten. Intel operiert in allen Segmenten.

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Volksstimme: Viele Unternehmen ziehen an einer viel zu kurzen Personal-Decke. Woher will Intel Tausende Fachkräfte bekommen?

Schell: Wir haben uns bewusst für Deutschland und für Magdeburg entschieden, weil es hier ein hohes Potenzial an Talenten gibt. Die Stadt hat hervorragende Hochschulen. Intel ist in intensiven Gesprächen mit den Hochschulen in Sachsen-Anhalt und plant größere Investitionen, um die nächste Generation von Fachkräften auszubilden.

Außerdem bietet Deutschland eine weltweit nahezu einzigartige duale Berufsausbildung mit einer klassischen Lehre an, die es ermöglicht, hochqualifizierte Fachleute auszubilden. Das ist für uns wichtig, weil es in Magdeburg viele Jobs geben wird, die auf einer Lehre basieren – nämlich der Ausbildung zum Mikrotechnologen. Daneben benötigen wir Fertigungstechniker sowie Prozess-Ingenieure, wofür eine Hochschulausbildung beziehungsweise ein Uni-Studium nötig sind.

Aber ich gebe Ihnen recht: Personalgewinnung ist eine große Aufgabe. Das ist nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa so, da es hier bislang ja nur wenig Halbleiterindustrie gab. Wir gehen davon aus, dass Deutschland, dass Europa die Kraft hat, die Fachkräfte-Ausbildung zu stemmen.