Wimpelketten für kranke Herzen

Knackt Magdeburg den Weltrekord?

Von Janette Beck

Magdeburg . Der 5. Mai ist der Tag des herzkranken Kindes. An diesem Tag wird es auch in Magdeburg und der Region Aktionen geben, um auf die Situation vieler Herzkranker und ihrer Familien aufmerksam zu machen, wie Steffi Sänger erklärt. Sie ist selbst betroffene Mutter und 1. Vorsitzende vom deutschlandweit aktiven Verein für Kinder und Erwachsene mit halbem Herz mit Sitz in Magdeburg. „Obwohl noch immer jedes 100. Baby mit einem Herzfehler geboren wird, und circa 300000 Menschen in Deutschland mit einem angeborenem Defekt leben, sind Herzfehler nicht präsent.“

Das liege größtenteils daran, dass man beispielsweise Fontan-Patienten, die wie ihre 16-jährige Tochter Lara mit diesem „verflixten halben Herz“ leben, die Erkrankung nicht unbedingt ansieht. „Dadurch fehlt oft das Verständnis für die Ängste und Sorgen im Umfeld der Familien und auch lebenslang schwer herzkranken Kindern.“ Meist helfe nur der Austausch unter Betroffenen. Sie können nachvollziehen, „wie fürchterlich es ist, sein Baby an der OP-Schleuse abzugeben und nicht zu wissen, ob es die Operation am offenen Herzen übersteht. Und wie schwer die Zeiten sind, wenn man nur das Händchen halten kann, während das Baby oder Kleinkind an piependen Geräten angeschlossen um sein Leben kämpft“. Die Familien durchleben viele schwere Zeiten und besonders die Geschwisterkinder leiden sehr.

Um in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, initiierte Fontanherzen e. V. eine bundesweite Herz-Wimpelketten-Challenge mit dem Ziel, am 2. Juli den Guinness-Weltrekord nach Magdeburg zu holen (siehe Infokasten). Dafür basteln seit Wochen viele - mit und für herzkranke Kinder - bunte Herzen und verbinden sie zu langen Herzketten. Ein Großteil soll zum ersten Mal morgen zum Tag des herzkranken Kindes (5. Mai) in Magdeburg in Kindertagesstätten, Vereinen und Schulen flattern.

Hintergrund der öffentlich wirksamen Aktionen sind Aufmerksamkeit und der Wunsch nach Solidarität - ähnlich wie bei Krebskranken zu Kindern mit Krebs, so Sänger, die sich zudem eine engere Verbundenheit von herzkranken Erwachsenen zu herzkrank geborenen Kindern wünscht: „In Deutschland leben mehrere Millionen herzkranke Menschen. Wenn nur wenige von ihnen uns unterstützen, dann wäre unseren Kindern sehr geholfen.“

Da weder Krankenkassen, noch Kliniken, noch Pharmaindustrie in Forschung für nicht lukrative Kindermedizin investieren, geschweige für seltene, lebensgefährliche Erkrankungen, die durch den palliativ operierten Fontankreislauf entstehen, sammelt Fontanherzen e. V. Spenden für ein eigenes Projekt. „Die Forschung für unsere halben Herzen ist lebenswichtig und hat großes Potenzial, die Lebensqualität vieler Menschen zu verbessern und auch Leben zu retten.“ Das zeige sich beim Thema Lymphsystem und dem brandaktuellen „Herzpflaster“, das der Göttinger Prof. Wolfram-Hubertus Zimmermann beim 1. interdisziplinären Internationalen Fontan-Symposium am 5. September in Magdeburg vorstellen wird.

Sänger ist sich sicher, dass die Herz-Wimpel-Challenge viele Herzen öffnet, „in einer Zeit, wo alle ein bisschen Farbe und Herzenswärme gut gebrauchen können“. Die Magdeburgerin weiß nur zu gut, wovon sie spricht, denn ihrer Tochter Lara geht es seit Anfang des Jahres sehr schlecht. Umso mehr wünscht sie sich von ganzem (halbem) Herzen, dass der Wimpelketten-Weltrekord geknackt wird.

Der Weltrekordversuch "Längste Wimpelkette der Welt" am 2. Juli in Magdeburg
Der Weltrekordversuch "Längste Wimpelkette der Welt" am 2. Juli in Magdeburg
Steffi Sänger/Fontanherzen