Städtewettbewerb um 200-Millionen-Projekt

Magdeburg hofft auf Zuschlag für „Zukunftszentrum Deutsche Einheit“

Am Freitag könnte sich entscheiden, welche Stadt Sachsen-Anhalt im Rennen um das 200-Millionen-Euro-Projekt unterstützt. Wirft nach Magdeburg, Halle und Wittenberg auch Dessau-Roßlau seinen Hut in den Ring?

Von Alexander Walter 12.05.2022, 17:25
Blick auf Stadthalle, Hyparschale und Dom in Magdeburg. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt hat - wie wenige andere Städte - zahlreiche Umbrüche hinter sich. Ein Argument das für die Bewerbung Stadt an der Elbe um das geplante "Zukunftszentrum" des Bundes spricht.
Blick auf Stadthalle, Hyparschale und Dom in Magdeburg. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt hat - wie wenige andere Städte - zahlreiche Umbrüche hinter sich. Ein Argument das für die Bewerbung Stadt an der Elbe um das geplante "Zukunftszentrum" des Bundes spricht. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Nach der Intel-Ansiedlung wäre es für Magdeburg der nächste Coup: Der Aussschuss für Bundes-, Europaangelegenheiten im Magdeburger Landtag beschäftigt sich am Freitag mit der Frage, welche Stadt Sachsen-Anhalt bei der Bewerbung um das vom Bund geplante „Zukunftszentrum Europäische Transformation und Deutsche Einheit“ unterstützen will.

Magdeburg, Halle und Wittenberg sind bereits im Rennen - folgt Dessau?

Neben Magdeburg haben bisher Halle und Wittenberg ihren Hut in den Ring geworfen. Mehrere Abgeordnete berichten nun: Auch Dessau/Roßlau wolle sich bewerben. Auf Volksstimme-Anfrage teilte die Stadt am Donnerstag mit: „Eine Beantwortung heute ist leider nicht möglich.“

Ein Antrag der Grünen sieht die Unterstützung von Bewerber-Städten mit bis zu 50.000 Euro durch das Land vor. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sich der Ausschuss auf Hilfen für nur eine Bewerbung beschränken wird. „Die Überlegung gibt es“, bestätigte Markus Kurze für die CDU. Angesichts der Konkurrenz müsse man schauen, „dass man auf ein starkes Pferd setzt“. Ähnlich äußerte sich Holger Hövelmann für die SPD. Auf welche Stadt es hinauslaufen könnte, ließen beide aber offen.

Standortentscheidung in der zweiten Jahreshälfte

Ob eine Empfehlung bereits am Freitag erfolgt, ist allerdings ohnehin offen. Denn anders als im Fall von Magdeburg, Halle und Wittenberg sind Vertreter aus Dessau offenbar noch nicht im Ausschuss zugegen, können also auch nicht vortragen.

Das Bundeskabinett hatte die Errichtung des Zentrums Anfang Mai beschlossen. Das 200-Millionen-Euro-Projekt soll bis 2028 in einer Stadt in Ostdeutschland mit Hochschulanbindung entstehen. Den Plänen nach soll das Haus mit 180 Mitarbeitern zugleich Wissenschaftliches Institut, Dialog- und Kulturstätte sein.

Die Auswahl erfolgt über einen Städtewettbewerb. Die Standortauswahl soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen, kündigte der Ostbeauftragte der Bundesregierung Carsten Schneider (SPD) zuletzt an.

Abgeordnete aus Sachsen-Anhalt mahnen ergebnisoffenen Wettbewerb an

Gute Chancen werden vor allem Frankfurt/Oder eingeräumt, das von Berlin und Brandenburg unterstützt wird. Seit Monaten bereitet sich die Stadt auf die Bewerbung vor. Eine Kommission unter Vorsitz des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) hatte die Institution 2020 vorgeschlagen. Daneben bewerben sich etwa auch Leipzig, Jena, Plauen oder Eisenach. Mehrere Abgeordnete betonten gegenüber der Volksstimme vor allem mit Blick auf Frankfurt/Oder, man hoffe auf einen tatsächlich ergebnisoffenen Wettbewerb.

Magdeburg hat für die Bewerbung ein umfangreiches Konzept erarbeitet. Darin verweist die Stadt unter anderem auf vielfältige Transformationserfahrungen - so auf die Umbrüche infolge einer weitgehenden Deindustrialisierung nach der Wende oder auf den sozialistischen Wiederaufbau nach der Zerstörung der Innenstadt während des Zweiten Weltkriegs. Als weitere Stärke führt die Stadt ihre Wissenschaftslandschaft mit einer langen Forschungstradition zu Transformationsprozessen an.