Hochwasser in Rheinland-Pfalz

Sachsen-Anhalter berichten von Schreckensbildern im Flutgebiet

37 Kameraden des Deutschen Roten Kreuzes aus Sachsen-Anhalt sichern in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz die medizinische Versorgung.

Von Christoph Carsten
Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes helfen im Flutgebiet in Rheinland-Pfalz.
Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes helfen im Flutgebiet in Rheinland-Pfalz. Foto: DRK Landesverband Sachsen-Anhalt

Magdeburg - Die Nacht auf Samstag endet für Frank Hachmann früh: Um 3 Uhr geht der Anruf ein, der den Kreisbereitschaftsleiter und seine Kameraden vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in die Hochwassergebiete in Rheinland-Pfalz entsendet. In der Katastrophenregion sollen sich die Ehrenamtler aus dem Harz um die medizinische Versorgung kümmern.

Um 6 Uhr machen sich die sechs Kameraden der DRK-Kreisverbände Quedlinburg-Halberstadt und Wernigerode mit einem Rettungswagen und zwei Krankentransportwagen (KTW) auf den Weg, gegen 14 Uhr erreichen sie ihr Ziel: Den Nürburgring im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler, der den Rotkreuzlern und Tausenden anderen Helfern als Logistikzentrale dient.

Insgesamt 37 aktive DRK-Einsatzkräfte aus sieben Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt helfen aktuell in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz. Neben den sechs Kameraden aus dem Harz sind Helfer aus Mansfeld-Südharz (10), Burgenlandkreis (4), Altmarkkreis Salzwedel (4), Dessau (4), Landkreis Wittenberg (3) und dem Saalekreis (6) vor Ort.

Basislager am Nürburgring

Vom Nürburgring schwärmen die Einsatzkräfte in die Flutgebiete aus, oft wechselt der Einsatzort täglich. Für Frank Hachmann hießen die bisherigen Stationen: Bad Neuenahr-Ahrweiler, Schuld, Ahrbrück. Überall bietet sich den Helfern ein ähnliches Bild: „Das Ausmaß der Zerstörung ist erschreckend. Das können Fernsehbilder nicht wiedergeben“, sagt Hachmann, der in seiner Laufbahn schon einige Hochwasser erlebt hat.

Der 47-Jährige erzählt von zerstörten Brücken, haushohen Schuttbergen und fehlenden Funkverbindungen, von Anwohnern, die bis zur Erschöpfung mit anpacken, die Tote zu beklagen haben.

Nachdem die Bergungsarbeiten abgeschlossen sind, ist es nun Aufgabe der DRK-Kräfte, trotz der zerstörten Infrastruktur eine medizinische Absicherung auch in unzugänglicheren Gebieten aufrechtzuerhalten. „Reguläre Rettungskräfte kämen einfach nicht schnell genug durch, wenn jemand einen Herzinfarkt hat oder sich beim Aufräumen verletzt“, sagt Hachmann.

„Wir sind hier eine große Familie“, betont er. Gerade bei der hohen psychischen Belastung sei der Zusammenhalt unter den Kameraden wichtig. Für die Rotkreuzler aus Sachsen-Anhalt geht es bald zurück in die Heimat. Die Aufräumarbeiten im Flutgebiet werden sich wohl noch Monate hinziehen.