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Kampf gegen InfektionenSachsen-Anhalts Ärzte verschreiben wieder häufiger Antibiotika

Nach jahrelanger Zurückhaltung haben Mediziner im Land zuletzt wieder mehr Antibiotika verschrieben. Krankenkassen warnen vor der Entstehung resistenter Keime. Helfen soll ein Schnelltest beim Arzt.

Von Alexander Walter 08.02.2024, 16:50
680.000 mal haben Ärzte in Sachsen-Anhalt 2022 Antibiotika verschrieben. Längst nicht in jedem Fall ist das nötig - und zu häufige Antibiotika-Gabe birgt Risiken.
680.000 mal haben Ärzte in Sachsen-Anhalt 2022 Antibiotika verschrieben. Längst nicht in jedem Fall ist das nötig - und zu häufige Antibiotika-Gabe birgt Risiken. Foto: IMAGO

Magdeburg - In Sachsen-Anhalt wurden zuletzt wieder häufiger Antibiotika verschrieben. Rund 680.000 Verordnungen wurden 2022 über die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abgerechnet. Damit ist ein seit 2018 und auch während der Corona-Pandemie zu beobachtender Abwärtstrend vorerst beendet. 2020 waren noch 610.000 Verordnungen gezählt worden, 2021 sogar nur 570.000. Die Zahlen gehen aus einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor.

Ärzte in Sachsen-Anhalt verschreiben vergleichsweise selten Antibiotika

Dennoch gehörte Sachsen-Anhalt 2022 mit 152 Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherten nach Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu den Bundesländern mit den wenigsten Antibiotika-Verschreibungen. Einen Grund dafür sieht die Kasse im Einsatz des sogenannten CRP-Schnelltests. Der für AOK-Versicherte kostenlose Test zeigt Ärzten an, ob eine Erkrankung durch Bakterien verursacht wurde, Antibiotika also sinnvoll sind.

Nach Schnelltests verzichteten Mediziner in 60 Prozent der Fälle auf Antibiotika

Rund 105.000 mal sei der Test zwischen März 2018 und Sommer 2023 im Land eingesetzt worden, hieß es weiter. Im Ergebnis hätten Mediziner bei fast 60 Prozent der Getesteten auf Antibiotika verzichtet. „Das ist ein gutes Ergebnis, – aber es ist noch viel Luft nach oben“, sagte Kay Nitschke, Leiter ärztliche Versorgung der AOK.

Denn: Insgesamt seien im Zeitraum 1,4 Millionen Antibiotika verschrieben worden. Häufiges Verschreiben von Antibiotika gilt als problematisch, weil so das Risiko für die Entstehung resistenter Bakterienstämme steigt. Gegen resistente Bakterien stehen eigentlich Reserveantibiotika zur Verfügung. Mit einem Anteil von zuletzt 50 Prozent wurden Reserve-Antibiotika in Sachsen-Anhalt zuletzt allerdings besonders häufig eingesetzt (Bund: 42 %). Auch das steigert das Risiko für Resistenzen.

Bundesweit wurden laut AOK 2022 insgesamt 31 Verordnungen von Antibiotika abgerechnet. Das entsprach fast jeder 25. ambulanten Verordnung.