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Waldbrandgefahr in Sachsen-Anhalt - Wie ernst ist die Lage im Land? UPDATE: Niedersachsen fliegt Patrouille im Harz

Hoch Yona zieht über Sachsen-Anhalt und bringt heißes, trockenes Wetter mit sich. Damit steigt die Gefahr von Waldbränden. Wo ist die Gefahr am höchsten und wie geschult sind die Feuerwehren? UPDATE: Harz erreicht Waldbrandgefahrenstufe 4 - Flugzeuge aus Niedersachsen fliegen Patrouille.

Von Nico Esche 16.06.2021, 17:18 • Aktualisiert: 17.06.2021, 12:00
Waldbrände sind in Sachsen-Anhalt nicht selten. So wie hier 2018 im Landkreis Wittenberg.
Waldbrände sind in Sachsen-Anhalt nicht selten. So wie hier 2018 im Landkreis Wittenberg. Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Magdeburg/Burg/Salzwedel - Die Waldbrandgefahr in Sachsen-Anhalt befindet sich auf einem hohen Niveau. In manchen Regionen erreicht der Index die höchste Stufe 5 - die Gefahr eines Waldbrandes ist hier besonders hoch. In den kommenden Tagen werden in der Region Temperaturen von über 30 Grad erreicht. Wenig Niederschläge kommen hinzu. Die Wälder und Wiesen könnten zu idealem  Zunder werden.

Vor allem die Gebiete im Norden und Osten Sachsen-Anhalts sind in Gefahr. Der Altmarkkreis Salzwedel erreicht Stufe 4 ("hohe Waldbrandgefahr"). Ebenso der Kreis Stendal. Weite Wiesen, wie die Colbitz-Letzlinger Heide, neigten schon in der Vergangenheit zur Brandgefahr. In der Stadt Tangermünde in der Altmark brannte erst Anfang der Woche eine 30.000 Quadratmeter große Fläche.

Noch brisanter zeigt sich aktuell die Lage im Jerichower Land. Dort erreicht die Skala die Waldbrandwarnstufe 5. Auf der Seite der Region wird auf Waldbrände aufmerksam gemacht und aufgeklärt. 

Kampf Flamme gegen Mensch

"Im Jerichower Land gibt es viel Nadelwald, dort reden wir von 'hochgefährdeten Flächen'", sagt Kai-Uwe Lohse, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Sachsen-Anhalt. Dieser Tage, wenn die Sonne brennt und kaum Regen fällt, seien alle Feuerwehren auf Habacht, so Lohse. "Wir schauen einmal mehr, ob die Wasserpegel an den Fahrzeugen voll sind, halten noch mehr Kontakt zu Landwirten in der Umgebung." Diese, so Lohse, helfen immer wieder aus, wenn es zu Bränden käme; ihre mit Wasser gefüllten Anhänger können bei einem Flächenbrand auf dem Land Goldwert sein.

Denn: Ein Waldbrand ist eine andere Herausforderung als zum Beispiel ein Wohnungsbrand. Kai-Uwe Lohse macht deutlich: "Wenn ein Haus brennt, erfahren wir sehr früh, wo das brennende Gebäude steht. Meldet jemand einen Waldbrand, müssen wir oft mit weniger Informationen arbeiten."

Eine schwierige Aufgabe auch für diejenigen, die das Feuer löschen müssen. "Unsere Feuerwehrleute werden in ihrer Ausbildung gut auf Waldbrände vorbereitet", unterstreicht Lohse. Zusätzlich haben sich Sonderausbildungen etabliert, auch in der Region. Speziell geschulte Teams geben ihr Wissen zum Umgang mit dieser Art von Bränden an die Feuerwehren weiter. Der Verein "@fire" zum Beispiel. Solche Teams würden von Erfahrungen bei Waldbränden in Südeuropa profitieren - also Gegenden, wo das Feuer in Wäldern unrühmliche Tradition hat.

Die Lage in Sachsen-Anhalt

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang gewarnt. Die verschiedenen Waldbrandgefahrenstufen, sollen Menschen davon abhalten, feste Waldwege zu verlassen. Um Brände zu vermeiden. Doch wer kontrolliert dies?

"Die Polizei, im Rahmen ihres normalen Dienstes, schaut in gefährdeten Gebieten immer wieder genauer hin", sagt Andreas Goldschmidt vom Landeszentrum Wald in Sachsen-Anhalt. "Auch Förster sind dieser Tage wachsamer."

Wo der Mensch sich Mühe gibt, füllt moderne Technik die letzten Aufmerksamkeitslücken. In Sachsen-Anhalt kontrolliert ein Früherkennungssystem Wälder und Wiesen. Gemeinsam mit den fünf angrenzenden Bundesländern, wurde ein Netz aus Kameras gespannt, so Goldschmidt. Mit der sogenannten Kreuzpeilung werden in einem 15 Kilometer-Radius Bilder an die Zentrale geschickt. Taucht Rauch auf, werden angrenzende Kameras "angezapft", der Brandherd kann so schnell ausgemacht werden.

Menschgemachtes Unglück

Gerade einmal vier bis sechs Prozent der Waldbrände in Deutschland seien laut Goldschmidt natürlichen Ursprungs. Blitzeinschläge, zum Beispiel. Der Rest: menschengemacht. Brandstiftung, fahrlässiges Verhalten, heißgelaufene Maschinen, so Goldschmidt.

Er warnt: "Die Lage spitzt sich gerade in diesen Tagen zu." Gemeint: Die Corona-Pandemie, Home-Office, Isolation und Quarantäne. "Die Leute wollen raus, an den Badesee, stellen ihr Auto an einer Wiese ab und denken nicht groß darüber nach." Der heißgelaufene Katalysator des Autos setze im Nu das knochentrockene Gras in Flammen.

Die Tage sind lang, heiß und trocken. Die Lage verschärft sich in Sachsen-Anhalt. Melden Sie umgehend einen Brand, wenn Sie ihn entdecken und meiden unnötige Fahrten in Gegenden mit hoher Waldbrandgefahr. Hier können Sie für Ihre Region die Waldbrandgefahrenstufen einsehen.

+++UPDATE+++ (17. Juni, 10.45 Uhr) Die Harzregion wurde am Donnerstag, 17. Juni, höher eingestuft. Der Harz erreicht die Stufe 4 der Waldbrandgefahrenstufe. Wie Andreas Goldschmidt berichtet, sollen am Donnerstag zwischen 11 und 19 Uhr Flugzeuge aus Niedersachsen über die Region fliegen - auch über den sachsen-anhaltischen Teil des Mittelgebirges.

"Die leitenden Stellen im Harz sind informiert", sagt Goldschmidt. Der Einsatz aus Niedersachsen diene vor allem der Prävention. Das Land kontrolliere immer mit Hilfe aus der Luft, wenn eine hohe Gefahr von Waldbränden ausgehe. Sachsen-Anhalt profitiert davon, arbeitet seit vorigem Jahr gemeinsam mit dem Nachbarland in diese Richtung.