Magdeburg l Ein Geburtstagsständchen auf der Blockflöte ertönt in den Räumen des ehemaligen Pfarrhauses im Magdeburger Stadtteil Diesdorf. Lise F.* hat an diesem Tag Geburtstag, und der wird natürlich standesgemäß gefeiert: unter anderem mit einem ausgiebigen Frühstück.

Lise F. leidet unter Demenz und ist eine von rund 25 Gästen, die an bis zu fünf Tagen in der Woche in der Tagesstätte der Alzheimer-Gesellschaft Sachsen-Anhalt in Magdeburg betreut werden. Geführt wird die Einrichtung von Diana Bamme. Zusammen mit ihrer Kollegin Jeannette Böhm, Leiterin der Beratungs- und Betreuungsstätte, und ihrem Team, zu dem auch mehere ehrenamtliche Helfer gehören, gestaltet sie den Tag der an Demenz erkrankten Gäste. Und der spielt sich nicht selten auch an der frischen Luft ab. Denn gleich hinter dem alten Pfarrhaus erstreckt sich ein großer Garten – der sogenannte Demenz-Garten.

Bewohner bepflanzen Beet selbst

Umringt von alten Backsteinmauern, gibt es dort unter anderem Rasenflächen, eine Feuerstelle, ein Gerätehäuschen und auch ein Hochbeet sowie eine Kräuterschnecke. Bepflanzt werden sowohl Hochbeet als auch die Kräuterschnecke von den Bewohnern selbst. „Wir wollen unsere Gäste ihre Demenz nicht spüren lassen“, erklärt Diana Bamme, „und durch die Gartenarbeit können wir die vorhandenen Fährigkeiten der Tagesgäste fördern.“ Deshalb soll es auch nicht bei nur einem Hochbeet und der Kräuterschnecke bleiben. Im kommenden Frühjahr sollen weitere Hochbeete entstehen, Obststräucher gepflanzt, ein Gewächshaus eingerichtet und überdachte Sitzgelegenheiten geschaffen werden – finanziert mit Hilfe der Volksstimme Aktion „Leser helfen“.

„Unser Ziel ist es, den Garten aktiv zu nutzen“, sagt Diana Bamme. Aktiv beschränkt sich dabei allerdings nicht nur auf das Anpflanzen und Ernten von Kräutern, Obst und Gemüse. In der Küche dürfen die Tagesgäste die Ernte dann weiterverarbeiten, um – unter Anleitung – ein gemeinsames Essen zuzubereiten. Diana Bamme erklärt: „Es ist wichtig, Dementen eine Aufgabe zu geben.“

Gegründet wurde die Alzheimer-Gesellschaft Sachsen-Anhalt 1996. Seit 1997 betreibt der Verein die Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz. Das Ziel der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen: Nicht nur die verbliebenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Demenzpatienten fördern, sondern auch die Angehörigen durch die Betreuung an bis zu fünf Tagen pro Woche entlasten. Denn gerade der Alltag von Angehörigen dementer Personen verändert sich durch die Erkrankung. Meist sind sie es, die sich rund um die Uhr um Partner oder Eltern kümmern. Dabei bleibt das eigene Leben mit persönlichen Bedürfnissen und Aufgaben oft auf der Strecke. Dieses eigene Leben wollen Diana Bamme und ihr Team den Angehörrigen zumindest zeitweise zurückgeben.

Acht Tage Urlaub am Arendsee

So steht für 2019 nicht nur die Erweiterung des Gartens als Ort des Schaffens, sondern auch ein Urlaub an. Zusammen mit einem Angehörigen können sich die Tagesgäste für eine Fahrt im Sommer an den Arendsee anmelden. Geplant sind acht Tage, die die Gruppe betreut im Integrationsdorf Arendsee verbringt. Neben gemeinsamen Unternehmungen wie einer Dampferfahrt mit der Queen Arendsee, einer Führung durch eine Baumkuchenbäckerei in Salzwedel und einer Schnitzeljagd haben die Angehörigen auch hier die Möglichkeit, sich Zeit für sich zu nehmen. Auch der Austausch untereinander kommt bei so einer Fahrt nicht zu kurz. Damit der Urlaub für alle möglichst kostengünstig wird, will die Alzheimer-Gesellschaft Sachsen-Anhalt auch für dieses Vorhaben einen Teil der Spendengelder verwenden.

„Wir wollen auch die Angehörigen so gut wie möglich im Umgang mit der Demenz fördern, damit ein gemeinsames Leben in den eigenen vier Wänden so lang wie möglich funktioniert“, sagt Diana Bamme und freut sich schon jetzt auf das Frühjahr, wenn der Garten hinter dem Pfarrhaus wieder aktiv genutzt werden kann.

*Der Name wurde auf Wunsch geändert.

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