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Zucker mit langer Geschichte Beliebte Süßigkeit in der DDR: So kamen die Liebesperlen zu ihrem Namen

Die Liebesperlen, die in der DDR äußerst beliebt waren, können auf eine mehr als einhundertjährige Geschichte zurückblicken. Heute werden sie aus Sachsen in die ganze Welt exportiert.

Von Tanja Lauch 25.02.2026, 12:11
Die Liebesperlen der Firma Hoinkis gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren.
Die Liebesperlen der Firma Hoinkis gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren. (Foto: Imago/Sylvio Dittrich)

Magdeburg/Halle (Saale). – Welches DDR-Kind kennt sie nicht: die kleinen bunten Liebesperlen. Doch kaum jemand weiß, dass die Süßigkeit aus Sachsen auf eine über einhundertjährige Geschichte zurückblicken kann.

Zu verdanken sind die Liebesperlen Rudolf Hoinkis. Der Unternehmer legte 1896 in Görlitz mit der Gründung einer Süßwarenfabrik den Grundstein für den späteren Erfolg der Kult-Süßigkeit.

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Beliebte DDR-Süßigkeit: So kamen Liebesperlen zu ihrem Namen

Die Zuckerperlen erfand er am 3. April 1908. Jedoch fiel ihm zunächst kein Name dafür ein. Er soll eine Kostprobe mit zu seiner Frau Emilie und seinem Sohn Otto mitgenommen und gesagt haben: "Ich liebe euch wie diese Perlen, für die ich noch keinen Namen habe!"

"Dann nenn' sie doch Liebesperlen", soll seine Frau dann laut Angaben auf der Firmenwebseite geantwortet haben. Seitdem haben die Liebesperlen ihren Siegeszug in die ganze Welt angetreten. 

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Das Familienunternehmen überstand sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg, wurde in der DDR enteignet und nach der Wende wieder in die Hände der Familie gelegt. Inzwischen führt Mathias Hoinkis in fünfter Generation den Betrieb.

Liebesperlen von Hoinkis: Zu DDR-Zeiten ein Exportschlager

Weil die Liebesperlen bereits während der DDR-Zeit ins Ausland exportiert wurden, sind sie nicht nur in den ostdeutschen Bundesländern bekannt. Dabei hat sich die zuckrige Süßigkeit im Laufe der Zeit kaum verändert. Nur etwas größer sind die Liebesperlen heute.

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Und das war einem Missgeschick zuzuschreiben. "Anfang der 1990er Jahre war in einer Nachtschicht eine Maschine falsch eingestellt worden. Wir blieben dann bei der neuen Größe", erzählte Bernd-Christian Hoinkis schon 2006.

Unverändert geblieben sind aber sicherlich die Erinnerungen an die bunten Perlen in Glasfläschchen. So wurden sie zu DDR-Zeiten verkauft. Nach der Wende jedoch waren die Flaschen aus Glas ein Problem. Und auch die beigegrauen Kartons, in die sie verpackt waren, sahen nicht gerade ansprechend aus.

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Süßigkeit in Glasflaschen nach der Wende ein No-Go

"Liebesperlen in Glasfläschchen, das ging wegen der Kinder nicht. Unser Produkt war gefragt, aber sie wollten unsere Verpackung nicht. Das war ein Riesenproblem, das fast zu unserem Untergang geführt hätte", berichtete der damalige Senior-Chef Bernd-Christian Hoinkis der "Welt".

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Zum Glück wurde ein Weg gefunden, das Verpackungsdilemma zu beheben. Inzwischen exportiert die Firma die Liebesperlen eigenen Angaben zufolge in mehr als 22 Länder.

Und das inzwischen in verschiedenen Verpackungen – je nachdem, was gewünscht wird. So wird die bunte Perlenmischung nun in Behältnissen gefüllt, die wie Trompeten, Schirme, Malstifte oder Figuren aussehen.

Herstellung der Liebesperlen dauert einhundert Stunden

Der Herstellungsprozess der Perlen hat sich seit damals kaum geändert und ist immer noch sehr zeitintensiv. Aus dem kleinen Betrieb in Görlitz ist eine hochmoderne Firma geworden, die im Dreischichtbetrieb die Liebesperlen herstellt.

Das Gemisch aus Traubenzucker, Zucker und Wasser sowie natürlichen Färbemitteln verbringt circa 100 Stunden in einem rotierenden Kupferkessel.

Dabei muss die Mischung ständig befeuchtet werden. Nur so entstehen aus der pudrigen Masse die Zuckerkugeln.