Magdeburg l Klick - klick - klick: Drei Fotos schießt eine Mautsäule von jedem, der an ihr vorbeifährt: Egal, ob Auto, Motorrad, Traktor oder Laster. Ein Übersichtsfoto, ein weiteres von der Seite und - ganz wichtig - ein Drittes vom Kennzeichen. Dann gleicht ein Rechner in der Säule die Daten ab. Die „Kleinen“ werden aussortiert, die Bilder von Auto- und Motorradfahrern sofort gelöscht.

In Sachsen-Anhalt sind die ersten der 48 geplanten Maut-Kontrollsäulen aufgestellt. Die gerade aufgebaute Maut-Kontrollsäule an der B 71 bei Groß Ammensleben muss bereits ausgetauscht werden. Sie wurde mit Farbe besprüht.

Lkw ab 7,5 Tonnen werden geprüft

Die „Großen“ ab 7,5 Tonnen werden geprüft: Für sie müssen Fuhrunternehmen nämlich ab 1. Juli Geld bezahlen, wenn sie mit ihren Lastern über Bundesstraßen rollen. Bislang war die Maut allein auf Autobahnen und einigen Schnellstraßen fällig; nun kassiert der Bund ausnahmslos auf allen seiner Bundesstraßen. Im Schnitt sind 14 Cent je Kilometer fällig. Knapp 1,8 Milliarden Euro zusätzlicher Einnahmen erwartet der Bundesverkehrsminister. Das Geld geht in den Straßenbau.

Der Rechner erkennt, wer ordnungsgemäß gezahlt hat - sagt Toll Collect. Die Firma ist fürs Kassieren und Kontrollieren zuständig. „Die Bilder werden nach erfolgreicher Prüfung sofort im Gerät gelöscht“, sagt Unternehmenssprecherin Claudia Steen. An ein Kontrollzentrum weitergeleitet werden jedoch die Daten von jenen, die kein Ticket gebucht hatten. Mautpreller bekommen dann Post vom Bundesamt für Güterverkehr. Und müssen mit einer Buße von 120 bis 480 Euro rechnen.

17 Prozent Mehrkosten

Für viele Unternehmen kommen höhere Ausgaben zu. Ob Kies, Zement, Zucker oder Bauteile: Auch im regionalen Lieferverkehr rollen Tausende Laster über Bundesstraßen. Entweder zur nächsten Stadt oder zur nächsten Autobahn. Fachleute schätzen, dass bundesweit 30.000 Unternehmen betroffen sind. „Viele Fuhrunternehmen müssen hart nachverhandeln, nicht alle werden höhere Preise durchsetzen können“, sagt Michael Schollmeyer, Geschäftsführer von Sachsen-Anhalts Verkehrsgewerbeverband. In der Branche wird mit einer durchschnittlichen Kostensteigerung von 16 bis 17 Prozent gerechnet. Künftig kann es noch teurer werden. Ende des Jahres will die Bundesregierung die aktuellen Mautsätze vorlegen.

Werden die Laster künftig öfter über die kostenlosen Landstraßen rollen? Da gehen die Meinungen auseinander. Einige Spediteure rechnen mit verstopften Landes- und Kreisstraßen. Beispiel: Die L 63 von der A-14-Anschlussstelle Calbe nach Dessau. Die Straße ist gut ausgebaut. Die B 184 über Zerbst ist wesentlich voller und kostet künftig auch noch Maut. Und die wesentlich schnellere, dreispurige Bundesstraße B 6 nach Dessau ist erst 2019 fertig. Das Verkehrsministerium sieht es anders. „Wir rechnen nicht mit großen Verlagerungen“, sagt Sprecher Andreas Tempelhof. Die Umwege seien für viele einfach zu groß.

Zwei Wege fürs Bezahlen

Fürs Bezahlen gibt es zwei Wege: In die Laster werden Rechner eingebaut - so genannte On-Board-Units. Darin werden die Lkw-Daten wie Achszahl und Schadstoffklasse eingegeben und die Maut automatisch abgebucht. Die Geräte gibt Toll Collect gratis ab. Der Einbau kostet - je nach Aufwand - zwischen 200 und 400 Euro. Variante zwei: Fahrer buchen Tickets an einem der 3600 Terminals. Allerdings will Toll Collect künftig zwei Drittel der Automaten abbauen, da etliche kaum genutzt sind. „96 Prozent der Einnahmen kommen aus dem automatischen Verfahren“, sagt Unternehmenssprecherin Steen. Künftig gibt es fürs manuelle Buchen eine App auf Smartphone oder Tablett.