Magdeburg (dpa) l Seit neun Wochen sind Schulen, Kitas, Friseursalons und die meisten Geschäfte in Deutschland geschlossen. Angesichts sinkender Infektionszahlen und schwindender Rücklagen werden die Rufe des Handwerks nach Lockerungen der strengen Einschränkungen lauter – auch in Sachsen-Anhalt, das derzeit im Bundesvergleich viele Infektionen verzeichnet.

Hoffnungen machen sich vor allem die Branchen der körpernahen Dienstleistungen, etwa Friseure, Kosmetiker und Nagelstudios. Am Dienstag (9. Februar) hatten die Handwerkskammern aus Magdeburg und Halle die Landesregierung nochmals aufgerufen, sich für eine Öffnung stark zu machen. "Wir fordern Ministerpräsident Haseloff auf, sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch durchzusetzen und den Betrieben ab dem 15. Februar 2021 das Arbeiten wieder zu erlauben", teilte der Präsident der Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, mit.

Verweis auf Hygienekonzepte

Die Branche habe bereits gute Hygienekonzepte entwickelt, sagte der Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Hagen Mauer. "Uns ist kein Betrieb bekannt, der seit dem Pandemiebeginn zum Infektionsherd wurde", teilte Mauer mit. "Die Haare und Fußnägel wachsen jedoch, so dass immer mehr Kunden auf Termine drängen."

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte sich seit den letzten Beratungen von Bund und Ländern mehrfach für eine Öffnungsperspektive für die Friseurinnen und Friseure ausgesprochen. Dafür werde er sich in den Beratungen am Mittwoch einsetzen, hieß es aus der Staatskanzlei.

Auch Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) forderte, den Unternehmen eine klare Perspektive zu geben. "Das können und müssen derzeit nicht konkrete Daten sein, sondern klare Bedingungen für eine Wiederöffnung", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Darauf können wir alle hinarbeiten."

Branchen brauchen Perspektive

Ohne konkrete Aussicht auf eine Öffnung werde die Regierung an Rückhalt für die Corona-Politik verlieren, warnte Willingmann. Daher bräuchten auch andere Branchen eine Perspektive. "Auch in einer Boutique kann man Abläufe und Hygienestandards wie in einem Buchladen organisieren". Dabei müsse die Politik auch neue Lösungen erwägen.

"Bevor wir weiter alles geschlossen lassen, sollten wir kreative Lösungen in Betracht ziehen, um auch in der Pandemie mehr Wirtschaft zuzulassen und Lasten des Lockdowns fairer zu verteilen", forderte der Sozialdemokrat. Sein Ministerium arbeite derzeit an einem Vorschlag für einen Stufenplan zur schrittweisen Öffnung, der sich an Werten wie den Ansteckungen pro Woche und 100.000 Einwohner, dem Reproduktionsfaktor oder der Auslastung der Intensivstationen orientiert.

Ansturm vermeiden

Ein Zwischenschritt auf dem Weg aus dem Lockdown könne aber beispielsweise auch ein Wechselmodell sein, in dem die unterschiedlichen Branchen abwechselnd öffnen. So könne ein großer Ansturm auf die Innenstädte vermieden werden. Wichtig sei in jedem Fall eine bundeseinheitliche Regelung, um Einkaufstourismus zwischen den Bundesländern zu vermeiden.

Bei der Verhandlung der Regierungschefs sollte auch über die Wiederöffnung von Schulen und Kitas beraten werden. Sachsen-Anhalt hatte vorige Woche angekündigt, die Schulen ab März wieder zu öffnen, sofern die Infektionszahlen es zulassen.

Zuletzt hatten sich die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern oft stundenlang hingezogen. Wann es ein Ergebnis gibt, war daher nicht absehbar. Haseloff kündigte eine Pressekonferenz für den frühen Abend an, auch die Mitglieder der Landesregierung wollte der Ministerpräsident noch am Abend über die Ergebnisse informieren. Am Donnerstag soll das Kabinett die Einigung dann beschließen. Viel Zeit bleibt den Ministerinnen und Ministern auch nicht mehr – die aktuell gültige Landesverordnung läuft am Sonntag aus.