Magdeburg l In die Kritik der Opposition im Landtag von Sachsen-Anhalt, der AfD und der Linken also, ist vor allem Lotto-Geschäftsführerin Maren Sieb geraten. Ihr wird vorgeworfen, private und geschäftliche Interessen zu vermengen. Sieb weist das vehement zurück. Der Landtag hat auf Antrag der AfD einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

In einem aktuellen Schreiben an die Landtagspräsidentin und die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen spricht sie von „unbewiesenen und schwerwiegenden öffentlichen Angriffen auf die Marke Lotto“.

Der Lotto-Aufsichtsratschef (Vorsitzender ist Verkehrsminister Thomas Webel) habe den Landesrechnungshof eingeschaltet und „um die Prüfung der bereits mehrfach geprüften, transparenten Förderprozesse gebeten“.

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Fördermittel für Golfclub Magdeburg

Durchleuchtet werden soll etwa die Fördermittelvergabe an den Golfclub Magdeburg. Lotto förderte im März 2018 mit 39.000 Euro den „Ersatzneubau eines Jugendtrainingscenters“. Sieb ist Mitglied im Golfclub. Die AfD hält das für „dubios“. Auch, weil Sieb dem Golfclub ein Jahr ein Jahr vor Fördermittelbewilligung beigetreten sei.

Die Geschäftsführerin verweist darauf, dass der Lotto-Aufsichtsrat der Fördermittelvergabe zugestimmt habe. Nach Volksstimme-Informationen mit ganz knapper Mehrheit. Und überhaupt, so lässt Lotto wissen: „Maren Sieb kann privat Mitglied sein in Vereinen, wo sie möchte.“

Lotto-Geld für Abschlagplätze

Auf dem Gelände sind mit Hilfe des Lotto-Geldes acht überdachte Abschlagplätze entstanden. Diese stehen allen 600 Clubmitgliedern (davon 114 Kinder, Jugendliche und Studenten) und auch einem privaten Golflehrer zur Verfügung. Das bestätigt Johannes Kempmann, seit zehn Jahren Präsident des Golfclubs.

Die Linke-Landtagsabgeordnete Kristin Heiß hält Hilfsgelder für einen Golfclub aus sozialer Sicht für „unsensibel und fragwürdig“. Kempmann hält dagegen: „Golf ist nicht der Sport der Reichen und Schönen, das ist Unsinn“, sagt er. „Unsere Mitglieder bilden die Breite der Gesellschaft ab – vom Facharbeiter bis zum Chefarzt.“ Die Aufnahmegebühr beträgt 1000 Euro, Vollmitglieder zahlen jährlich 780 Euro.

Magdeburg Eigentümer der Anlage

Kempmann sagt: „Wir sind ein echter Mitmach-Club. Hier werden die Mitglieder nicht gepampert.“ Auch bei dem Bau der Abschlagplätze hätten Mitglieder kräftig mit angepackt. Letztlich habe die Errichtung der Anlage, deren Eigentümer die Stadt sei, 140.000 Euro gekostet. Kempmann betont, dass sich der Club dem Schulsport öffne und nicht zuletzt viele Charity-Veranstaltungen durchführe. Der Präsident ist überzeugt: „Da wird ein Skandal produziert, den man sich selbst ausgedacht hat.“

Der Untersuchungsausschuss soll auch Verbindungen zwischen Werbeaufträgen an die ehemalige Firma der Lotto-Geschäftsführerin und Empfängern von Lotto-Fördergeld klären. Chef dieser Agentur ist seit 2012 der Lebenspartner der Lotto-Chefin. Die AfD hat wegen des Verdachts der Untreue, des Betrugs beziehungsweise der Bestechlichkeit Strafanzeige gegen Sieb gestellt.

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg teilt mit, die Spezialabteilung Korruption sei mit dem Vorgang befasst.

Lotto-Chefin Sieb wehrt sich

Zudem wird es bei der Arbeit des Untersuchungsausschusses um die Vergabe von Jobs bei Lotto-Toto und die Bezahlung der Mitarbeiter gehen. Geschäftsführerin Sieb spricht von „unsäglichen Angriffen“. Sie verweist auf das transparente Verfahren bei der Fördermittelvergabe. Zuständige Ministerien und Verbände würden einbezogen. Alle Landtagsfraktionen seien im Beirat, dem Beratungs-, Prüfungs- und Empfehlungsgremium für Lotto Sachsen-Anhalt vertreten.

Lotto-Toto vergibt nach eigenen Angaben jährlich mehr als sechs Millionen Euro Fördermittel an etwa 400 Vereine unter anderem im Sport, im sozialen und im kulturellen Bereich.

Im Landtag von Sachsen-Anhalt machten CDU, SPD, Grüne und Linke deutlich, dass sie einen Untersuchungsausschuss für überzogen halten. Bei der Abstimmung enthielten sie sich.

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