Magdeburg l „Premierenfieber“ an der Uniklinik Magdeburg: Mit einem Workshop startete am Freitag auf dem Campus der medizinischen Fakultät das Pilotprojekt „Inside The Heart“ (zu deutsch „Im Inneren des Herzens“). Gemeinsam mit den Initiatoren um Dr. Maximilian Scherner stießen 16 Medizinstudenten die Tür zu einer neuen Ära auf, denn erstmals erhält an einer Universität in Deutschland die Virtuelle Realität (VR) Einzug in die Herzchirurgie.

Angesiedelt ist das Lehrprojekt in Kooperation mit der Universität von Minnesota (USA) am Magdeburger Ausbildungszentrum für Medizinische Basisfertigkeiten – kurz Mamba. Es ermöglicht den Studierenden in fakultativen Kursen praktische Fertigkeiten zu erlernen und zu vertiefen, für deren Training im regulären Stundenplan kein Platz ist.

Im konkreten Fall geht es um eine Aortenklappenstenose. Dabei handelt es sich um den am häufigsten vorkommenden Fehler einer Herzklappe – gekennzeichnet durch eine Verhärtung und Verengung der Herzklappe am Ausgang der linken Herzkammer. Wie den Studenten und jungen Herzchirurgen in der Ausbildung das Thema nahegebracht wird, erklärt Privatdozent Scherner so: „Anhand eines Patienten mit besagtem Herzklappenfehler werden die Theorie der Erkrankung, die Behandlungsoptionen sowie mögliche Komplikationen fallbasiert gelehrt.“ Im Rahmen des Workshops werden Kurzvorträge, ein Ultraschall-Schnellkurs sowie das Nähen am Schweineherzen mit den Zusammenhängen in der virtuellen Realität verknüpft.

Die Reise mitten ins Herz macht eine VR-Brille möglich. Niklas Leschowski, Medizinstudent im 4. Semester, hat das geförderte Lernprogramm (Gesamtkosten rund 3000 Euro) zusammen mit seiner Kommilitonin Maria Seewald entwickelt.

Der 29-Jährige ist „herzbegeistert“ – erst recht, seitdem er regelmäßig ins Innere des Organs abtaucht: „Ich bin jedes Mal fasziniert und entdecke immer wieder etwas Neues.“ Im Gegensatz zum analogen und digitalen Lernen bekomme man durch die Dreidimensionalität die große Chance des Perspektivwechsels. Das Herz kommt dem Medizinstudenten zum Anfassen nah. „So lassen sich direkt und lebensnah die anatomischen Zusammenhänge erleben, man lernt Therapiemöglichkeiten kennen und kann eventuelle Risiken durch das emotionale Lernen besser abschätzen und bewerten“, ist Leschowski über die Nähe zur realen Herz-OP begeistert.

Aber auch von den Möglichkeiten, die sich für die Zukunft bieten: „Praktisch lässt sich jede Anomalie des Herzens auf diese einzigartige Weise visualisieren.“ Im Moment noch müssen dazu die Computertomografie- Daten eines Patienten nach Minnesota geschickt und dort in ein entsprechendes Programm umgewandelt werden. „Ziel ist es jedoch, dass wir das bald selber machen können“, so Scherner, der hofft, dass das VR-Projekt den einen oder anderen Studenten buchstäblich mitten ins Mediziner-Herz trifft: „Wir haben nämlich große Probleme, Nachwuchs zu finden.“