Umbau

Millionenstreit um Bahnsteige

Die Bahn AG verlangt höhere Bahnsteigkanten, obwohl in Sachsen-Anhalt viele Züge und Stationen gerade erst erneuert wurden.

Von Elisa Sowieja

Magdeburg l Damit Reisende künftig überall stufenfrei in die Waggons einsteigen können, will die Bahn AG die Höhe sämtlicher Bahnsteige auf 76 Zentimeter normieren. Tausende Bahnhöfe müssten umgebaut werden. Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium läuft dagegen Sturm. Denn: Vor Jahren hatte man sich mit der Bahn vor allem im Nahverkehr auf 55 Zentimeter Höhe geeinigt. Daraufhin wurden alle Bahnhöfe nach dieser Norm modernisiert und vor allem auch die im Nahverkehr gängigen Doppelstockzüge so konzipiert. Auch die großen Bahnhöfe Magdeburg und Halle, die derzeit mit hohem Aufwand umgebaut werden, erhalten für den Nahverkehr 55-Zentimeter-Bahnsteige. Die höhere Bauart ist lediglich für Fernzüge vorgesehen. Auch andere Länder wären von der neuen Norm betroffen. Der fast eine Milliarde Euro teure City-Tunnel Leipzig bekam sogar ausschließlich die 55-Zentimeter-Variante.

Sachsen-Anhalt müsste 495 seiner 578 Bahnsteige umbauen. Kostenschätzung: Etwa 500 Millionen Euro. „Wir sehen das sehr kritisch, zumal es die Länder deutlich benachteiligt“, ließ Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) mitteilen. „Das neue Höhenkonzept würde alle bisherigen Investitionen konterkarieren.“

Nur 83 Bahnsteige erfüllen in Sachsen-Anhalt bereits die neue Norm. Fast 250 sind auf die lange Zeit geltenden 55 Zentimeter ausgelegt. Weitere 247 Bahnsteige sind noch niedriger. Die Bahn selber beschwichtigt: Eine Modernisierung und Höherlegung der 55-Zentimeter-Bahnstiege stünde erst ab 2030 an. Die Bahn geht davon aus, dass es ohnehin 35 bis 40 Jahren dauern wird, ehe alle 5400 Stationen in Deutschland barrierefrei sind.

Im September wird Webel mit der Bahn AG über das neue Höhenkonzept verhandeln.