Magdeburg l Mehr als 20.000 Tonnen illegal entsorgten Mülls – Hausmüll, aber auch Lacke, Lösungsmittel und asbesthaltige Materialien – mussten in den Landkreisen und kreisfreien Städten seit 2014 entsorgt werden. Kosten: rund fünf Millionen Euro. Und die Situation verschärft sich von Jahr zu Jahr.

Einer der jüngsten Fälle größeren Ausmaßes hat sich im Jerichower Land im Frühjahr 2019 ereignet. Dort waren 33 "BigBags" gefunden worden, vollgestopft mit Wellasbest-platten. Die krebserregenden Bauabfälle lagen bei Güsen, Güssow und Kleinwusterwitz in der Landschaft herum. Claudia Hopf-Koßmann vom Landkreis Jerichower Land: "Leider sind Verursacher kaum festzustellen, so dass zumeist nur durch Anzeigen eine Weiterverfolgung möglich ist."

Allerdings setzen nur in den seltensten Fällen Zeugen oder Kennzeichen von Fahrzeugen die Umweltermittler auf die Spur der Müllfrevler. 2018 verschandelten im Jerichower Land mehr als 31 Tonnen illegaler Abfall die Gegend. Rekordjahr war 2016 mit gut 65 Tonnen, die entsorgt werden mussten. Die Entsorgung im vergangenen Jahr kostete den Landkreis 17.000 Euro.

69 Verfahren wegen illegaler Müllentsorgung wurden 2018 in der Magdeburger Bußgeldstelle geführt, sagt Landeshauptstadt-Sprecherin Kerstin Kinszorra. In diesem Jahr 31. "Die Zahl der Müllablagerung wird 2019 aber deutlich steigen", sagt sie. Bisher seien bereits 945 Fälle bekannt, im gesamten Jahr 2018 waren es 825. "Schwerpunkt ist das Gebiet um den Moritzplatz." Allerdings sei die Gesamtmenge des illegalen Mülls mit 220 Kubikmetern bis zum 31. Oktober um mehr als zwei Drittel geringer als 2018 (720 m³)."

Warum mehr Dreckecken gemeldet werden, dafür hat Kinszorra eine Erklärung: "Das liegt am sogenannten MD-Melder, über den Bürger die Stadtverwaltung auch über illegale Müllablagerungen informieren können."

Zweischneidiges Schwert

Einige Gemeinden versuchen, mit Aktionen gegen den Wildwuchs vorzugehen. Sie rufen regelmäßig zu Säuberungstagen auf. Zum Beispiel in der Kampagne der Landeshauptstadt "Magdeburg putzt sich". 2019 haben dabei fast 8000 Magdeburger rund 466 Tonnen Müll weggeschafft.

Andere Kommunen, wie Dessau-Roßlau, haben solcherart Putztage abgeschafft. Hintergrund ist, dass Umweltsünder diese Aktionen als Freibrief missverstehen könnten. Diese Kandidaten würden den Einsatz der Ehrenamtlichen ausnutzen, um ihre Abfälle auf Kosten der Allgemeinheit zu entsorgen.

Hier der Kommentar zum Thema.