Magdeburg l Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hält nach den Ereignissen der zurückliegenden Monate das Image der Polizeischule in Aschersleben für angekratzt. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte er der Volksstimme. „Solche Vorkommnisse schaden dem Ansehen der Fachhochschule.“ Fehlverhalten werde man mit „null Toleranz“ begegnen.

Auf der Flucht in den Tod gestürzt

Zuletzt war ein Polizeimeisteranwärter, der an der Polizeischule seit 2016 eine Ausbildung absolvierte, bei einem Einbruch erwischt worden. Der gebürtige Hallenser war am Sonntagmorgen gegen sechs Uhr in die Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Halle-Trotha eingedrungen. Bewohner des Mehrfamilienhauses hatten ihn auf frischer Tat ertappt. Als sie die Polizei rufen wollten, geriet der gebürtige Hallenser in Panik. Er flüchtete auf die Dachterrasse und versuchte offenbar, zum Nachbarbalkon hinüberzuspringen. Dabei stürzte der 24-Jährige ab - zwölf Meter in den Tod. Die Staatsanwaltschaft Halle hat eine rechtsmedizinische Untersuchung angeordnet.

Damit kommt die Polizeifachhochschule nicht aus den negativen Schlagzeilen. Zuletzt war dort eine Drogenaffäre öffentlich bekannt geworden. Vier angehende Polizisten waren gefeuert worden, weil sie Drogen besessen hatten. Zwei von ihnen sollen sogar mit Drogen gehandelt haben.

Tödlicher Autounfall unter Alkohol

Im Februar hatte ebenfalls ein Polizeischüler in Blankenburg unter Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht, bei dem ein anderer Polizeischüler ums Leben kam. Der Überlebende hatte dabei versucht, die Verantwortlichkeit für den Unfall dem getöteten Polizeischüler aus Blankenburg zuzuschieben.

Die Fachhochschule ist die Nachwuchsschmiede der Landespolizei. Allein im Jahr 2017 wurden 700 Nachwuchskräfte aufgenommen. Auch in den nächsten Jahren bleiben die Zahlen hoch. Grund: Sachsen-Anhalt will die Zahl der Polizeivollzugsbeamten von derzeit rund 5700 auf langfristig 7000 erhöhen.

Die Fachhochschule erklärte in einer Stellungnahme, jegliches strafrechtlich relevantes Fehlverhalten werde „sehr ernst“ genommen. Die Ausbildungsklasse, welcher der verstorbene Polizeianwärter angehörte, wird ab heute von einem professionellen Kriseninterventionsteam betreut.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Uwe Petermann, sprach mit Blick auf die jüngsten Vorfälle von einer „unglücklichen Häufung“. Das Auswahlverfahren müsse verbessert werden, sagte er der Volksstimme. Die Polizeischule betonte, trotz erhöhter Neueinstellungen seien die „Qualitätsstandards bei den Einstellungsvoraussetzungen zu keinem Zeitpunkt gesenkt“ worden. Am 3. Mai soll der Innenausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt detailliert über den aktuellen Fall informiert werden.

Der Kommentar zum Thema von Michael Bock.