Magdeburg l In dem Sozialprojekt „Maramures“ in Rumänien sollen deutsche Jugendliche misshandelt worden sein. Der Projektgründer und Dessauer Bert S. sitzt in Baia Mare in U-Haft. „Der Hauptvorwurf lautet Menschenhandel“, sagte seine Frau Babett S. am Freitag gegenüber der Volksstimme. Demnach müsse ihr Ehemann 30 Tage in U-Haft bleiben. „Danach wird der Richter anhand der Ermittlungsergebnisse erneut entscheiden“, so die 52-Jährige. Ob drogenabhängig oder sozial auffällig: Das Projekt sei für die meisten Jugendlichen „die letzte Chance“, sagt S.

Doch stimmt das?

Nach Angaben rumänischer Ermittler seien die Jugendlichen in dem Projekt „sklavenartig“ behandelt worden. „Wir haben nicht die leiseste Ahnung, woher diese frei erfundenen Anschuldigungen kommen“, so die Frau von S. Sie bestreitet, dass die Teenager jemals hätten schwere Arbeit verrichten müssen, räumte aber ein, dass so ein Projekt aufgrund der „abgelegenen Lage in den Bergen“ in Deutschland „nicht möglich“ sei. Derzeit werden rund 18 Jugendliche auf einem abgelegenen Bauernhof nahe Viseu de Sus, einem kleinen Ort in den Bergen Nordrumäniens, betreut. Eine Hälfte der Jugendlichen werde morgens unterrichtet und helfe am Nachmittag im Stall. Andere Jugendliche, so S., leben in rumänischen Familien, „denn wir wollen sie ja wieder sozial integrieren“.

Laut Brüsseler Verordnung müssen Jugendämter vor der Unterbringung von Jugendlichen in Auslandsprojekten ein Konsultationsverfahren durchführen, Gerichte und Behörden in beiden Ländern müssen sich abstimmen. Vor der Unterbringung zweier Jugendlicher habe das Jugendamt im Saalekreis dieses Verfahren durchlaufen, so Sachsen-Anhalts Sozialministerium. Auch Kerstin Küpperbusch, Sprecherin des Saalekreises, bestätigte: „Beiden geht es gut. Sie sind über die Vorwürfe informiert, konnten diese jedoch nicht bestätigen.“ Man stehe „regelmäßig in Kontakt“.

Grimm-Benne will Projekte prüfen

Anbieter dieser Auslandsmaßnahmen sind freie Träger, die Vermittlung übernimmt das kooperierende Jugendamt. „Der örtliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe finanziert die Auslandsmaßnahme, somit also die Kommune“, sagte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums. Insbesondere die Kontrollen bei Auslandsprojekten seien derzeit nicht ausreichend. „Die Regeln müssen dringend verschärft werden“, so der Sprecher. Eine Arbeitsgruppe beschäftige sich mit dem Thema.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne nimmt die Vorwürfe zum Anlass, „die Unterbringung von Jugendlichen außerhalb der deutschen Regelsysteme grundsätzlich unter die Lupe zu nehmen“. Das Landesjugendamt sei gebeten worden, Fälle über Unterbringungen von Jugendlichen im Ausland zu prüfen und das Ministerium über das Ergebnis zu unterrichten.