Magdeburg l Sachsen-Anhalt stellt nach jahrelangem Personalabbau wieder mehr Polizisten ein. In diesem Jahr beginnen 700 Nachwuchs-Polizisten ihre Ausbildung. Allerdings: Vor allem in diesem und im nächsten Jahr bleibt die Personallage bei der Polizei angespannt.

In der zurückliegenden Legislaturperiode (2011 bis 2016) ist bei der Polizei kräftig der Rotstift angesetzt worden. Zielvorgabe von Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) war seinerzeit, die Zahl der Polizeivollzugsbeamten bis 2019 auf 5550 zu reduzieren. Die Debatte um die Personalausstattung führte 2014 sogar zu einem heftigen Streit zwischen Innenminister Holger Stahlknecht und Ministerpräsident Reiner Haseloff (beide CDU). Der Regierungschef stützte damals den Kurs von Bullerjahn.

Doch mit der Landtagswahl 2016 hat sich der Wind gedreht. Die Sozialdemokraten zogen einen dicken Schlussstrich unter die Ära Bullerjahn. Im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen wurde festgelegt, bis zum Jahr 2020 eine Sollstärke von 6400 Vollzugsbeamten zu erreichen – derzeit sind es 5700. Langfristig sind sogar 7000 Polizeivollzugsbeamte geplant. Die Devise jetzt: Neueinstellungen statt Einsparungen.

Schon im vorigen Jahr wurde der Einstellungskorridor auf 350 erhöht – in diesem Jahr werden doppelt so viele Polizeianwärter eingestellt und für bis zu drei Jahre an der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben ausgebildet. Dreiviertel von ihnen kommen aus Sachsen-Anhalt.

500 neue Anwärter jährlich

Im nächsten Jahr sollen weitere 550 Polizisten eingestellt werden. Innenminister Stahlknecht sagte am Freitag, in diesem und auch im nächsten Jahr werde bei der Personalausstattung die „absolute Talsohle" erreicht. In dieser Zeit „läuft die Polizei noch auf den Felgen", sagte er. Zumal die Aufgaben gewachsen sind. Allein die Einsatzstunden zur Absicherung von Fußballspielen sind von 68.991 in der Spielzeit 2014/15 auf 100.374 (Spielzeit 2015/2016) gestiegen.

Die Polizei in Sachsen-Anhalt fahndet indes jetzt nicht nur nach Verbrechern, sondern auch nach neuen Kollegen. Mit dem Slogan „Fahndung. Stell Dich. Der Verantwortung. Polizei" wirbt eine frisch-freche Imagekampagne für den Polizeijob. Seit Freitag ist die Kampagne „Nachwuchsfahndung" etwa auf Facebook, einer eigenen Webseite und Plakaten sowie Bannern an Polizeigebäuden zu sehen. Die 270.000 Euro teure Jobwerbung (für 2017 und 2018) soll dafür sorgen, dass auch künftig Hunderte geeignete Bewerber bei der Landespolizei einsteigen wollen.

„Es gibt eine erhebliche Konkurrenzsituation", sagte Stahlknecht. Auch andere Bundesländer wollen ihr Personal in Uniform aufstocken, einige werben bereits länger mit großen Kampagnen. Sachsen etwa verspricht „Verdächtig gute Jobs". Kommt die Imagekampagne in Sachsen-Anhalt da nicht eigentlich zu spät? Er hätte sie sich eher gewünscht, sagte der Innenminister, aber der frühere SPD-Finanzminister hätte solche Pläne nicht zugelassen. „So eine konzertierte Werbekampagne hätte in der Ära Bullerjahn zu akutem Sauerstoffmangel im Finanzministerium geführt."

Nebenbei bemerkt: Das Aufhängen von Bannern an Polizeigebäuden ist gar nicht mal so leicht zu bewerkstelligen. Wie die Volksstimme erfuhr, müssen sich 47 Polizei-Dienststellen dafür bei den Bauordnungsämtern der jeweiligen Kommunen die Genehmigungen holen. Zu hören ist, dass sich insgesamt bis zu 150 Beamte um diese Genehmigungen kümmern müssen. Auch im Innenministerium mussten sich zwei Beamte mit der Genehmigung für das dortige Banner mit der Denkmalschutzbehörde auseinandersetzen.