Berlin (dpa) l Zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen wollte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am Mittwoch eigentlich ein neues Konzept vorlegen – als Hilfestellung für Behörden in den Ländern. Doch daraus wurde nichts, der Termin wurde spät am Dienstagabend auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Hintergrund ist die Umweltministerkonferenz nächste Woche, bei der das Thema auf der Tagesordnung steht. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte erklärt, er halte es für "nicht förderlich", wenn die Minister der Bundesländer vor vollendete Tatsachen gestellt würden. Dennoch ist die Frage der Bejagung jetzt wieder auf dem Tisch.

Denn in einem Auszug ist das neue Konzept schon veröffentlicht – in einer BfN-Zeitschrift. Der Text liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Anhand dessen übt der Deutsche Jagdverband (DJV) massive Kritik am amtlichen Naturschutz: Die Vorgehensweise sei "naiv". Skizziert werde eine "Bauernhofidylle", in der Wolf und Mensch auf engstem Raum friedlich nebeneinander leben. Eine solche Koexistenz sei ebenso "abwegig" wie die Vorstellung, der Wolf sei eine blutrünstige Bestie. Aktuell gebe es in Deutschland einen europaweit einzigartigen und risikoreichen "Feldversuch nach dem Motto "Versuch und Irrtum"", so der Verband. "Die Finnen reagieren auf Nahkontakte viel offensiver, Problemwölfe werden erlegt", erklärte Helmut Dammann-Tamke vom DJV.

Abschuss von Problemwölfen

In dem Auszug nennen die Autoren mehrere Szenarien und geben Empfehlungen. Der Abschuss von "Problemwölfen" wird als letztes Mittel geschildert. Er wird etwa empfohlen, wenn sich ein Wolf Menschen gegenüber "unprovoziert aggressiv" verhält. Und dann, wenn ein Vergrämen nach mehrfacher Annäherung an Menschen auf weniger als 30 Meter keinen Erfolg brachte. Eine generelle Bejagung von Wölfen lehnen die Autoren ab: Dies verhindere das Auftreten von Problemwölfen nicht. Mit dem Erstellen des insgesamt umfangreicheren Konzepts hatte das BfN die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) beauftragt.

Wolfssichtungen in der Altmark

Stendal (ta) Der Wolf sorgt in der Altmark zunehmend für kritische Diskussionen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit, Landwirte um ihre Tierherden, Tierschützer hingegen um den Bestand der Wölfe. Die Volksstimme hat zusammengefasst, wie oft der Wolf bisher in der Altmark in Erscheinung getreten ist.

  • 8. Juni 2013: Ein Wolf ist auf dem Truppenübungsplatz Altmark gesichtet worden. Es ist eines der ersten Bilder, die ein Wolfsaufkommen in der Altmark dokumentiert. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    8. Juni 2013: Ein Wolf ist auf dem Truppenübungsplatz Altmark gesichtet worden. Es ist eines...

  • 17. Juni 2013: Ein weiterer Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide gesichtet worden. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    17. Juni 2013: Ein weiterer Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinge...

  • 17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden junge Wölfe gesichtet. Sie sind mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Es ist eines der ersten Bilder mit Jungwölfen in der Altmark. Es scheint sich hiier ein Rudel angesiedelt zu haben. Archivfoto: Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt

    17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden jun...

  • 2015: Mit Schildern wie diesem, das vor einem Vierteljahr am Waldrand von Potzehne bei Gardelegen hing, wird darauf hingewiesen, dass Wölfe in diesem Gebiet nach Beute suchen. Archivfoto: Cornelia Ahlfeld

    2015: Mit Schildern wie diesem, das vor einem Vierteljahr am Waldrand von Potzehne bei Gardelegen...

  • 30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterburg. Foto: privat/Philipp Koevel

    30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterbu...

  • 23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger-Heide mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Archivfoto: Bundesforstamt Nördliches Sachsen-Anhalt

    23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Let...

  • 2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, von denen dieses Foto stammt. Foto: privat/Dirk Rahnfeld

    2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, ...

  • 4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kleinen Wolfswelpen auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide fest. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kl...

  • 23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die Wildkamera. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die...

Der Wolf in Sachsen-Anhalt

Haldensleben (an) l Der Wolf treibt in Sachsen-Anhalt immer öfter sein Unwesen und reißt dabei oftmals Schafe. Die Vorfälle, bei denen der Wolf auf den Mensch und seine Nutztiere trifft, häufen sich.

  • Wolfgang Merda (links) und Adolf Winter stehen im Dezember2016 neben dem gefundenen Hirschkalb bei Havelberg. Foto: Wolfgang Masur

    Wolfgang Merda (links) und Adolf Winter stehen im Dezember2016 neben dem gefundenen Hirschkalb be...

  • Im Februar 2016 riss ein Wolf Schafe der Hobby-Schafzüchterin Petra Huth bei Uthmöden. Foto: Ivar Lüthe

    Im Februar 2016 riss ein Wolf Schafe der Hobby-Schafzüchterin Petra Huth bei Uthmöden. ...

  • Schäfer Christian Kruse mit einem Schaf, dass einen Wolfsangriff im November 2016 bei Haldensleben überlebte. Foto: Alexander Rekow

    Schäfer Christian Kruse mit einem Schaf, dass einen Wolfsangriff im November 2016 bei Halden...

  • Anfang Dezember 2016 spaziert ein Wolf durch eine Gartenanlage in Rathenow. Screenshot: Facebook/Undine Voigt

    Anfang Dezember 2016 spaziert ein Wolf durch eine Gartenanlage in Rathenow. Screenshot: Facebook/...

  • Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz bei Havelberg mehrere Filmsequenzen im September 2016 aufgenommen worden. Foto: Dirk Rahnfeld

    Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz bei Havelberg mehrere Filmsequenzen im September...

  • Ein Wolfsrüde wurde im September 2016 auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow gesichtet. Foto: Klaus Puffer

    Ein Wolfsrüde wurde im September 2016 auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow gesicht...

  • Fassungslos standen Mario Amtage und Edmund Herrmann (v. li.) im April 2015 vor den Überresten eines der getöteten sechs Damwild-Tiere in Westenjerichow. Foto: Bettina Schütze

    Fassungslos standen Mario Amtage und Edmund Herrmann (v. li.) im April 2015 vor den Überrest...

"Kein Handlungsbedarf" bestehe, wenn ein Wolf in der Dunkelheit durch Siedlungen laufe oder im Hellen in Sichtweite von Häusern gesichtet werde, heißt es weiter. Erst wenn er über mehrere Tage Häusern nähere, sei eine nähere Analyse nötig. Und Anreize wie etwa Futterquellen müssten entfernt werden. Allgemein halten die Autoren fest: Die Zahl dokumentierter Wölfe mit auffälligem Verhalten in Deutschland sei "sehr gering". Problematisch sei das Anfüttern der Tiere, da sich derart konditionierte Wölfe für Menschen interessierten. Daraus könnten unter Umständen gefährliche Situationen entstehen.

Backhaus forderte "schnellstmöglich einen rechtssicheren und bundeseinheitlichen Handlungsrahmen" im Umgang mit Wölfen, "die ein notorisch unerwünschtes Verhalten aufweisen". Nach seinen Angaben ist die Zahl der Wolfsrudel in Deutschland inzwischen auf 60 gestiegen, das wären 13 mehr als nach dem Stand vom Vorjahr.

Die meisten Wölfe in Deutschland leben in Brandenburg und Sachsen, seit im Jahr 2000 wieder ein Wolfspaar aus Polen zuwanderte. Vorher waren die Tiere lange Zeit ausgerottet. Heute sind sie streng geschützt. Gleichzeitig gibt es Ängste in der Bevölkerung, Schäden bei Nutztierhaltern und Forderungen, den Schutzstatus zu lockern.