Magdeburg l Die Ansiedlung vor den Toren Magdeburgs wird von offizieller Seite als eine Art geheime Kommandosache behandelt. Die Pressestelle von Amazon in München hielt sich auf die konkrete Volksstimme-Anfrage zur Ansiedlung sehr bedeckt. Zur Sache gab es nur diesen ausweichenden Satz: „Zu einem Standort in der Gegend hat Amazon keine Ankündigung gemacht.“ Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte: „Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.“

Amazon hat 45 Hektar gekauft

Nach Volksstimme-Informationen will Amazon in Osterweddingen knapp 2200 Arbeitsplätze schaffen. Dem Vernehmen nach hat der Onlineversandhändler dort eine Fläche von etwa 45 Hektar gekauft.

Amazon beschäftigt laut „Wikipedia“ weltweit 575.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im vorigen Jahr bei knapp 178 Milliarden US-Dollar, bei eine Gewinn von gut drei Milliarden Dollar. Die Konzernzentrale ist in Seattle (US-Bundesstaat Washington). Nach Apple ist das 1994 gegründet Unternehmen das zweitwertvollste der USA. Neun Logistikzentren in Deutschland Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt für Amazon. Derzeit gibt es hier nach eigenen Angaben neun Amazon-Logistikzentren. Diese befinden sich in Leipzig, in Graben bei Augsburg, in Werne, in Pforzheim, in Brieselang, in Koblenz und in Rheinberg. Dazu kommen zwei Niederlassungen in Bad Hersfeld. An allen Standorten sind insgesamt mehr als 11.000 Mitarbeiter beschäftigt. 

Osterweddingen gilt – auch wegen der guten Verkehrsanbindung – seit vielen Jahren als attraktiver Standort für Logistiker. Es haben sich bereits sechs Firmen angesiedelt. Erst zu Jahresbeginn hatte der Baufachhändler Saint-Gobain angekündigt, dort ein Logistikzentrum zu errichten. Das Unternehmen will rund 34 Millionen Euro in den neuen Standort investieren. Aus dem Logistikzentrum sollen alle deutschen Niederlassungen des Unternehmens mit Fliesen-, Hoch- und Ausbauartikeln sowie Baugeräten und Werkzeugen bedient werden.

Sülzetal gehört zu den Größten

Nach Angaben der Gemeinde Sülzetal gehört der Standort Osterweddingen zu den fünf großen Industrieansiedlungen in Mitteldeutschland. Neben der Deutschen Post und zahlreichen Maschinen-Baubetrieben finden sich hier wichtige Großerzeuger von Back- und Fleischwaren sowie Niederlassungen von Edeka. Euroglas hat sich hier niedergelassen, um unter anderem für die Solarindustrie, Haushalt und Industrie hochveredelte Gläser zu erzeugen. Zahlreiche Marken wie Stihl, Nice-Pac Deutschland und andere produzieren hier.

„Sachsen-Anhalt hat sich in jüngerer Zeit zu einem attraktiven Standort für nationale und internationale Investoren entwickelt“, sagte Wirtschaftsminister Willingmann. Das Land habe sich dabei auch als Logistik-Standort profiliert. Willingmann weiter: „Damit die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren weiter zurückgeht, brauchen wir in Sachsen-Anhalt neben hochwertigen Arbeitsplätzen auch Beschäftigungsmöglichkeiten für geringer Qualifizierte oder Langzeitarbeitslose – insofern heißen wir grundsätzlich jeden Investoren willkommen, der bei uns im Land Beschäftigungsperspektiven schafft.“

Arbeitsplätze geschaffen und gesichert

Sachsen-Anhalt hat im vorigen Jahr 202 Investitionsvorhaben der gewerblichen Wirtschaft mit insgesamt 182,3 Millionen Euro bezuschusst. Laut Ministerium wurden so 2200 neue Arbeitsplätze geschaffen und weitere knapp 6000 Stellen gesichert.

Hier der Kommentar zum Thema.

Erste Reaktionen aus Wirtschaft und Politik in Sachsen-Anhalt zeigen gemischte Gefühle.