Magdeburg l Nach der Bombenentschärfung der 250-Kilo-Sprengbombe amerikanischer Herkunft aus dem Zweiten Weltkrieg am Sonnabend in Magdeburg befürchtet der Kampfmittelbeseitigungsdienst auch weitere Funde von Weltkriegsmunition in der Elbe während des anhaltenden Niedrigwassers. „In diesem Jahr hatten wir bereits 46 Wasserfundstellen, 20 davon allein im August", sagte am Sonntag die Sprecherin des Technischen Polizeiamtes der Volksstimme.

Man rechne auch in den nächsten Tagen mit durchschnittlich ein bis drei Funden pro Tag. Dabei handelt es sich oft um Panzerminen, Gewehrgranaten, Panzergranaten und Teile von Munition die zum Teil noch intakt sind. Für diese Woche ist laut Vorhersagen eine Änderung des extremen Niedrigwasserstandes nicht in Sicht. Mit 48 Zentimetern ist am Donnerstag der historische Tiefststand von 1934 eingestellt worden. "Der dringend benötigte Landregen ist auch weiterhin nicht in Sicht“, sagte am Sonntag Jens Oehmichen, der diensthabende Meteorologe vom Wetterdienst Leipzig.

Intakter Heckzünder

Besonders dramatische Auswirkungen hatte der bisher größte Munitionsfund auf dem durch das Niedrigwasser freigelegten Elbegrund in Magdeburg. Spaziergänger entdeckten bereits am Freitagabend im Flachwasser die Umrisse der 250-Kilo-Fliegerbombe amerikanischer Herkunft aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst stellte einen intakten Heckzünder fest.

Im Bereich der Innenstadt am Petriförder mussten deshalb am Sonnabend in einem Radius von 500 Metern rund 5000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Bei einem Großeinsatz von Polizei, Katastrophenschutz, Ordnungsamt und Hilfsdiensten wurden auch rund 600 Heimbewohner mehrerer Pflegeheime in einer Notunterkunft unter anderem in den Messehallen untergebracht.

Entschärfung verläuft reibungslos

Ältere Magdeburger, die zum Teil noch selbst die Bombenangriffe auf die Stadt zum Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt hatten, mussten auch mit zahlreichen Rettungswagen in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Straßen waren gesperrt, auch die beiden wichtigsten Brücken der Stadt. Der Beginn der Entschärfung verzögerte sich immer wieder, weil Schaulustige in den gesperrten Bereich liefen und von der Polizei herausgeholt werden mussten. Die Entschärfung selbst verlief dann sehr schnell. Der nur wenig korrodierte Heckzünder konnte  innerhalb von 15 Minuten entfernt werden. Die Bombe lag vermutlich seit dem Abwurf ohne Unterbrechung im Wasser. Später brachten die Entschärfer die unschädliche Bombe in einen Munitions-Zerlegebetrieb.

Nicht immer sind nach mehr als 73 Jahren die Blindgänger so gut erhalten. „Das Gefährliche ist, dass sich im Laufe der Jahrzehnte Anhaftungen wie Muscheln und Ähnliches daran festsetzen und von Laien nicht als Munition erkannt werden“, sagt Torsten Kresse, Einsatzleiter beim Kampfmittelbeseitigungsdienst. Deshalb sollte in Verdachtsfällen die Polizei gerufen werden.

Kommentar "Krise sehr gut gemeistert" zum Thema.