Magdeburg l Zwischen SPD-Landtagsfraktion und CDU-geführtem Bildungsministerium ist ein Streit um die Zukunft der gerade erst eingeführten Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen des Landes entbrannt. Ein Brief von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) an SPD-Fraktionschefin Katja Pähle sorgt dabei für Empörung bei den Sozialdemokraten.

In dem Schreiben, das der Volksstimme vorliegt, informiert Tullner Pähle sinngemäß darüber, dass eine Oberstufe, die zum Abitur führt, erst ab einer Schülerzahl von 50 genehmigt werden könne. In den landesweit ersten beiden Gemeinschaftsschulen, die die Oberstufe seit Schuljahresbeginn anbieten, werde diese Zahl nicht erreicht, heißt es weiter. Die Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ Wolmirstedt kommt demnach auf 48 Schüler, die Gemeinschaftsschule „Albert Schweitzer“ in Aschersleben auf 44. Tullner schreibt: „Sofern mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres die erforderliche Mindestschülerzahl von 50 in der jetzigen Klassenstufe 11 nicht erreicht wird, wird keine Qualifikationsphase (12. Klasse) eingerichtet“.

Ungleichbehandlung von Schulformen?

Die SPD deutet das als Schließungsplan und Verstoß gegen Koalitionsvereinbarungen: „Solche Unterschreitungen sind an Oberstufen der Gymnasien gang und gäbe“, sagte Fraktionschefin Pähle. Dass Tullner sich so positioniere sei „offenkundig eine politisch motivierte Ungleichbehandlung von Schulformen.“

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Das Ministerium wies den Vorwurf von Schließungsplänen als „spekulativ“ zurück. Geplant sei lediglich ein Treffen mit den Schulleitern, sagte der Sprecher. Korrekt sei, dass für die sinnvolle Organisation einer Oberstufe eine Mindestschülerzahl notwendig sei. Die Gemeinschaftsschule gilt als bevorzugtes Schulmodell der SPD. Sie ermöglicht langes, gemeinsames Lernen. Die CDU bevorzugt das klassische System aus Haupt-, Realschule und Gymnasium.

Kritik an Einser-Abituren

Unterdessen wurde am Montag Kritik an der Menge der Einser-Abituren laut – bundesweit und in Sachsen-Anhalt. Im Vergleich zu 2008 ist deren Zahl in Sachsen-Anhalt um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen, wie das Bildungsministerium auf Nachfrage bestätigte. Eine Umfrage der „Rheinischen Post“ hat die Zahl der Einser-Abiturienten von 16 Bundesländern verglichen. 2008 schrieben 19,3 Prozent ein Einser-Abitur, zehn Jahre später waren es 29,9 Prozent der Abiturienten. Im bundesweiten Vergleich liegt Sachsen-Anhalt damit auf Platz fünf. Den größten Anteil an Einser-Abiturienten kann Thüringen mit 37,9 Prozent vorweisen.