Magdeburg l Polizeibeamte galten lange Zeit als die Berufsgruppe im öffentlichen Dienst mit dem höchsten Krankenstand. Das Justizministerium hat die Erhebungsweise der Krankentage 2018 jedoch vereinheitlicht, da es zuvor „eine statistische Verzerrung“ gegeben habe, so Minsteriumssprecher Detlef Thiel. Und siehe da: Mit durchschnittlich 42,7 Krankentagen pro Kopf thronen Beschäftigte im Justizvollzug nun auf Rang eins. Erstmals wurden alle Kalendertage erfasst. Zum Vergleich: Im Niedersächsischen Justizvollzug fehlten Bedienstete nur 21,58 Tage.

Der Altersdurchschnnitt der Beschäftigten im Justizvollzug liegt in Sachsen-Anhalt bei 47,1 Jahren - kein ungewöhnlicher Wert im öffentlichen Dienst. „Aber man muss beachten, dass sie einen besonders anspruchsvollen Job haben. Sie müssen reaktionsschnell sein und sind immer angespannt“, so Thiel. Das sei nicht vergleichbar mit anderen Berufsgruppen. Die längsten Ausfälle gab es 2018 in der Jugendarrestanstalt Halle mit 62,38 und im Landesbetrieb für Beschäftigung und Bildung der Gefangenen mit 50,2 Tagen. „Die Zahlen sind ein Beleg für unsere Forderung nach mehr Personal, um die Arbeitsbelastung zu senken“, sagte Wolfgang Ladebeck, Landeschef des Beamtenbundes. Seit mehr als einem Jahr läuft die Kampagne „#BeaJVD“ zur Nachwuchsgewinnung im Justizvollzug. Anfang 2020 wird es zudem ein Treffen aller Justizministerien zum Thema „Gesundheitsmanagement im Justizvollzug“ geben.

Auch bei den Polizeibeamten ist der Krankenstand von 34,88 (2017) auf 35,36 Tage (2018) angestiegen. Die Polizeidirektion Ost (jetzt Dessau-Roßlau) verzeichnete mit 44,9 Tagen pro Kopf die meisten Fehltage. Mit 47,4 Jahren liegen die Beamten über dem Gesamtaltersdurchschnitt von 46,4 Jahren. „Sachsen-Anhalt hinkt beim Gesundheitsmanagement hinterher, das Innenministerium muss in diesem Bereich einfach mehr machen“, sagte Uwe Bachmann, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Viele ergriffene Maßnahmen würden sich erst in den nächsten Jahren auf den Krankenstand auswirken, so Ministeriumssprecher Danilo Weiser. 

Laut dbb müsse die Besoldung für Beamtenanwärter im Land schlichtweg attraktiver werden. „Deshalb fordern wir schon lange eine einheitliche Besoldung von Beamten in Deutschland“, so Ladebeck. Man müsse sich  nicht wundern, wenn junge Menschen bei den großen Unterschieden eher in Bayern und Niedersachsen arbeiten. Auch das Verkehrsministerium verzeichnete hohe Krankenstände. Die Bediensteten der Straßenmeistereien fehlten im Schnitt 40,9 Tage, im Landesverwaltungsamt waren es 21,49 Ausfalltage pro Person. Zum Krankenstand der Lehrer gibt es nach Angaben des Bildungsministeriums keine aktuellen Zahlen. Laut einer Erhebung der DAK-Gesundheit waren Sachsen-Anhalter 2018 durchschnittlich 19,9 Tage krank - der höchste Krankenstand aller Bundesländer.