Lüderitz (dpa) l Es regnet in Strömen. Noch hält sich die Frühjahrssonne zurück in Lüderitz, einem kleinen Ort in der Altmark, der Teil der Einheitsgemeinde Tangerhütte ist. Doch das kann die Begeisterung von Bruno de Comarmond nicht stoppen. Er ist im Auftrag des Ortes Lüderitz in Namibia hier. Das Ziel: eine Städtepartnerschaft zwischen den beiden einzigen Orten dieses Namens weltweit zu vereinbaren. Beide trennen rund 14.000 Kilometer. Doch es gibt vieles, was sie verbindet.

„Beide Orte haben einen Anker in ihrem Wappen, beide verfügen über eine reizvolle Architektur, sind charmante kleine Orte. In Lüderitz/Altmark bei Tangerhütte steht ein riesiger Windpark. In Lüderitz/Namibia wurde der erste Windpark Namibias gebaut“, zählt Bruno de Comarmond auf. „Sonst sind die Orte sehr unterschiedlich. Lüderitz/Namibia ist eine Küstenstadt am Atlantik und von Wüste umgeben. Um Lüderitz in der Altmark ist es sehr grün.“

Von der Idee fasziniert

Ortsbürgermeisterin Edith Braun aus dem deutschen Lüderitz ist von der Idee einer Städtepartnerschaft fasziniert. Sie ist bekennende Namibia-Liebhaberin, hat das Land im Süden Afrikas vor Jahren erkundet und seit 1956 Verwandte dort. „Wir haben 1990 mitbekommen, dass es nur zwei Lüderitze auf der Welt gibt“, erinnert sie sich. „Das ist eine Einmaligkeit, und daraus soll sich nun endlich eine Beziehung entwickeln.“

Bilder

Verkuppelt hat die beiden Orte ein anderer Altmärker: Christian Wohlt war nach dem Mauerfall ebenfalls über das Lüderitz in Namibia gestolpert. Neugierig geworden, schrieb er an die Stadtverwaltung, klebte eine 20-Pfennig-DDR-Briefmarke darauf und erhielt tatsächlich eine Antwort. „Ein großer Umschlag mit bunten Briefmarken von einer Marion Swoboda steckte in meinem Briefkasten. Sie hatte ihn im Auftrag ihrer Mutter Liv geschrieben“, erzählt er.

Da war die DDR schon Geschichte und Lüderitz in der Altmark seit wenigen Tagen Teil der Bundesrepublik Deutschland. Seinen Traum, nach Lüderitz in Namibia zu fliegen, erfüllte sich Christian Wohlt erst 2017.

Im Gepäck hatte er unter anderem Grüße von Edith Braun, die er deren Amtskollegin Hilari Mikapuli übergab. Die Bürgermeisterin freute sich über die Grüße aus der Ferne und kann einer Städtepartnerschaft mit dem gleichnamigen Dorf im Norden ebenfalls viel abgewinnen. „Als ich dann in Lüderitz in einem Tourismusbüro war, sah ich mich plötzlich Liv Swoboda gegenüber, die mir damals den Brief geschickt hatte. Sie hatte meine Post so wie ich ihre aufgehoben und zeigte mir die Fotos, die ich ihr vor fast 30 Jahren geschickt hatte“.

Eine Mittlerrolle eingenommen

Bruno de Comarmond, der die Mittlerrolle zwischen Lüderitz und Lüderitz übernommen hat, spricht von einer goldenen Möglichkeit. „Es gibt derzeit keine Beziehungen, aber wenn wir die Vorteile beider Orte verbinden, dann haben wir ein riesiges Potenzial“, sprudelt es aus ihm hervor.

Er verweist darauf, dass die Kolonialgeschichte Deutsch-Südwestafrikas in Lüderitz begann. Mit einem Kaufmann namens Adolf Lüderitz, der 1883 Land an der Küste im Süden Afrikas kaufte. Ein Kapitel deutscher Geschichte, auf das heute niemand stolz sein kann. In Namibia gab es Initiativen, die Stadt Lüderitz umzubenennen. In Berlin gibt es ebenfalls Bestrebungen, Adolf Lüderitz von Straßenschildern zu verbannen.

Neben dem Namen findet man Spuren deutschen Erbes in Lüderitz/Namibia noch heute an jeder Ecke der Ortschaft: Architektur, Essen, Sprache – es gibt vieles, das noch aus der deutschen Kolonialzeit stammt. Die meisten Touristen, die den Ort an der Atlantikküste bereisen, kommen denn auch aus Deutschland.

Besiegeln der Freundschaft dauert

Bis die Freundschaftsbande offiziell besiegelt sind, wird es wohl noch etwas dauern. Eine Städtepartnerschaft aber wollen beide Orte namens Lüderitz unbedingt auf den Weg bringen. Bis dahin will die Ortsbürgermeisterin des altmärkischen Lüderitz schon mal Zeichen setzen.

„Wir können ja schon mal ein symbolisches Schild aufstellen, wo wir verkünden, dass wir Partner und Freunde sind“, kündigt Edith Braun an. Und fügt hinzu: „Es ist immer gut, viele Freunde zu haben, überall auf der Welt.“