Magdeburg l Vielen Veranstaltern und Clubs droht das Aus. Wegen der Coronakrise sind Tanzpartys verboten und Konzerte finden mangels Wirtschaftlichkeit erst gar nicht statt. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Willingmann strebt an, spätestens ab Oktober die Zügel zu lockern. Nächste Woche entscheidet darüber die Landesregierung.

 

Mit dem Herbst müssen Konzerte und Veranstaltungen wetterbedingt wieder unters Dach ziehen. Doch in Hallen und Clubs gelten immer noch äußerst harte Corona-Restriktionen, die vielen in der Branche wirtschaftlich die Luft abschnüren. Ende August will Sachsen-Anhalt zwar die Zuschauerobergrenze in Innenräumen von 250 auf 500 erhöhen - „doch das reicht hinten und vorne nicht“, sagt Steffen Schüller, Chef der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg. Beispiel Getec-Arena. Die Halle in Magdeburg bietet bei Konzerten gut 6000 Plätze. „Um wirtschaftlich zu sein, braucht man mindestens 2000 bis 2500 Zuschauer“, sagt Schüller.

Für Hallen dieser Größenordnung sind 20 000 bis 30 000 Euro Miete fällig. Hinzu kommen die Gagen für die Künstler (ab 100 000 Euro), Werbung (30 000 Euro) und Steuern. Würde man nur 500 Besucher zulassen, würde eine Karte schnell mal 350 Euro kosten – ein Mondpreis.

Schüller fordert, die landesweit starren Zuschauerobergrenzen aufzugeben und diese ortsbezogen nach Hygieneanforderungen und Wirtschaftlichkeit auszurichten.

Richtig düster sieht es in Clubs aus. Seit März sind alle Tanzveranstaltungen tabu. Betreiber fordern ein Umdenken. „Das totale Verbot minimiert das Risiko nicht – im Gegenteil; die Partyszene verlagert sich auf andere Plätze“, sagt Matthias Golinski, Betreiber vom Klub Drushba in Halle. „Eine kontrollierte Öffnung wäre deutlich besser, als wenn wilde Partys irgendwo stattfinden“, meint auch Christian Szibor von der Festung Mark in Magdeburg mit Blick auf das beginnende Studiensemester. Beide haben dem Wirtschaftsminister jetzt Vorschläge geschickt: Dazu gehören Datenerfassung aller Besucher, begrenzte Gästezahl, Fiebermessen, regelmäßiges Lüften.

Jens Laaß von der Agentur „Schocomedia“ fordert die Politik auf, den Veranstaltern mehr zu vertrauen „Wir müssen uns herantasten dürfen.“ Das sei angesichts niedriger Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt auch geboten. Unter den 2,2 Millionen Einwohnern sind aktuell 156 an Covid-19 erkrankt.

Spahn tritt auf die Bremse

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) will sich auf der Kabinettsitzung am kommenden Dienstag für die gebeutelte Branche einsetzen. „Mein Ziel ist es, dass wir ab 1. Oktober unter bestimmten Bedingungen auch wieder größere Konzerte und in begrenztem Maße auch Tanzveranstaltungen in Klubs zulassen“, sagte er der Volksstimme.

Der Bund bremst hingegen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnt, Kitas, Schulen und Handel müssten jetzt Vorrang haben vor privaten und öffentlichen Feiern.