Magdeburg l In Sachsen-Anhalt leben rund 90.000 Pflegebedürftige, knapp ein Drittel davon ist in einem Heim untergebracht. Nicht wenige wurden in den vergangenen Wochen mit der Ankündigung von zum Teil heftig steigenden Kosten für einen Heimplatz konfrontiert. Vor allem die infolge der Pflegereform geforderte bessere Bezahlung von Pflegekräften wurde 1:1 an die Heimbewohner „durchgereicht“. Infolgedessen sollte sich der Eigenanteil für die stationäre Pflege für einige um bis zu 500 Euro erhöhen.

Nach der „Nullrunde“ im Übergangsjahr 2017 ist das Feilschen um die Preiserhöhungen zwischen den Trägern der Pflegeeinrichtungen auf der einen Seite und den Landesverbänden der Pflegekassen und der Sozial­agentur Sachsen-Anhalt andererseits in vollem Gange: Nach Recherchen der Volksstimme haben von 456 vollstationären Einrichtungen im Land bisher 311 Verhandlungen aufgenommen. Mit 130 Einrichtungen (gut 40 Prozent) sind diese inzwischen abgeschlossen.

Preisentwicklung im Einzelnen

Über die Preisentwicklung im Einzelnen machen sowohl die Pflegekasse der AOK als auch das Sozialministerium mit Verweis auf die noch laufenden Verhandlungen und immer noch eingehenden neuen Anträge keine Angaben. Immerhin: Volker Schmeichel, Pressesprecher des Landesverbandes der Ersatzkassen (VDEK), erklärte, bei vielen der bisherigen Vertragsabschlüsse fiel die tatsächliche Erhöhung geringer aus, als zunächst befürchtet. Erste Hochrechnungen zeigen laut Schmeichel eine Teuerungsrate „von durchschnittlich 9 bis 12 Prozent“.

Der durchschnittliche Eigenanteil im Bereich der stationären Pflege liegt hierzulande laut VDEK Ende 2017 bei 1140 Euro (unabhängig der Pflegegrad-Einstufung). Das heißt: Es wäre mit durchschnittlichen Mehrkosten von rund 120 Euro monatlich zu rechnen. Im Vergleich aller Länderzahlen liegt Sachsen-Anhalt mit 1140 Euro Zuzahlung im Durchschnitt immer noch im unteren Bereich, betont Schmeichel. In Nordrhein-Westfalen ist der Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim mit 2423 Euro im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch.

Beschwerden von Angehörigen

Nach Angaben des Sozialministeriums hat es in der Sozialagentur Sachsen-Anhalt in den letzten Wochen vereinzelt Beschwerden von Angehörigen über die zum Teil stark gestiegenen Pflegeheimpreise gegeben. Den Berechnungen der Entgelte für die Pflegeheimplätze sei in jedem Fall der tatsächlich gezahlte Tarif für das beschäftigte Personal zugrunde gelegt. Auch private Einrichtungsträger schließen sich zunehmend Tarifwerken an, damit ihr Personal nicht in Einrichtungen wechselt, die bereits höhere Löhne zahlen.

Zudem gelte nach wie vor, dass Heimbewohner, die den Eigenanteil nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen aufbringen können, Anspruch auf Übernahme der ungedeckten Kosten durch die Sozialämter haben. Im Sozialministerium rechnet man nicht zuletzt wegen des im Vergleich zu westdeutschen Bundesländern immer noch niedrigeren Rentenniveaus im Osten, „dass die Zahl der Pflegebedürftigen, die künftig auf Sozialhilfe angewiesen sein werden, steigen wird“.