Salzwedel l Nachdem es in der Hansestadt Salzwedel in den vergangenen Wochen zu Zusammenstößen linker und rechter Gruppierungen gekommen ist, befürchtet die Polizei eine Eskalation der Lage. „Es ist durchaus möglich, dass sich die Beteiligten jetzt gegenseitig hochschaukeln“, erklärte Heiko Timme, derzeitiger Leiter des Polizeireviers Altmarkkreis Salzwedel, im Gespräch mit der Volksstimme.

Verstärkte Polizeipräsenz

Um ein derartiges Szenario zu verhindern, werden die Beamten ihre Präsenz auf den Salzwedeler Straßen in den kommenden Wochen erhöhen. Dazu habe man Einsatzkräfte von außerhalb angefordert. „Einen rechtsfreien Raum wird es bei uns nicht geben. Wir werden rigoros dagegen vorgehen, wenn Straftaten verübt werden und hoffen, dass es durch die erhöhte Präsenz erst gar nicht dazu kommt“, so Heiko Timme.

Am 16. Mai hatte es in Salzwedel einen sogenannten „Antifaschistischen Spaziergang“ gegeben, bei der rund 100 Personen aus dem linksautonomen Spektrum durch die Innenstadt marschiert waren. Vor Häuser mit vermutlich rechtsradikalen Bewohnern wurden Parolen skandiert. Es kam zu Sachbeschädigungen und Schmierereien.

Ermittlungen erschwert

In der Nacht zu Dienstag erfolgte eine Gegenreaktion. Wie der Verein Kultur und Courage, der im Salzwedeler Autonomen Zentrum (AZ) „Kim Hubert“ ansässig ist, in einer Presseinformation mitteilte, seien ungefähr zehn vermummte Personen kurz nach Mitternacht in das AZ-Gebäude eingedrungen und hätten die Bewohner mit Pfefferspray und einer Rauchbombe angegriffen. Außerhalb sollen Fensterscheiben eingeschlagen und Möbel zerstört worden sein.

Für die Polizei gestaltet sich die Aufklärung äußerst schwierig. „Uns liegt in diesem Zusammenhang keine Anzeige vor. Wir haben versucht, Kontakt zu den Bewohnern aufzunehmen, jedoch erfolglos“, sagte Heiko Timme. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Polizei sei sowohl aus dem linksautonomen als auch dem rechtsradikalen Spektrum nicht gegeben. „Unsere Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, so Timme.

Der Kommentar "Polizei hat Lage in Salzwedel unterschätzt" zum Thema.

Im Gespräch hat Martin Burgdorf vom regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus des Vereins "Miteinander" die Lage in Salzwedel eingeschätzt.