Magdeburg l Sirenen waren kaum zu hören oder blieben ganz stumm, die Warn-App meldete sich zu spät. Der bundesweite Warntag legte in Sachsen-Anhalt und auch bundesweit viele Schwächen des Systems offen.

Der Probealarm sei in Apps sowie im Warnsystem NINA und KATWARN offensichtlich zeitverzögert dargestellt worden, teilte das Innenministerium in Magdeburg via Twitter mit. Die Auswertungen liefen. „Genau dafür ist ein Probealarm gedacht, um Abläufe zu optimieren.“

Innenstaatssekretärin Anne Poggemann hatte gemeinsam mit dem Landrat des Salzlandkreises in Staßfurt symbolisch den Probealarm um 11 Uhr ausgelöst. Laut einem Ministeriumssprecher hatte dort augenscheinlich alles funktioniert. Sirenen aus der Umgebung Staßfurts etwa seien zu hören gewesen.

Ziel des ersten bundesweiten Warntags ist, dass sich Bürger mit den Warnmöglichkeiten für Krisensituationen vertraut machen. Auch in Sachsen-Anhalt beteiligten sich Landkreise und Kommunen und setzten um 11 Uhr sämtliche verfügbaren Warnmittel ein: Sirenen, Durchsagen per Lautsprecher, Mitteilungen über soziale Medien und Warn-Apps.

Zwei Sirenen gibt es offiziell im Stadtgebiet von Stendal. Als um 11 Uhr diese Sirenen heulten, waren sie auf dem Marktplatz der Handestadt allerdings nicht zu hören. Die Glocken der Marienkirche waren lauter. Stadtwehrleiter Martin Jurga sagte dazu: „Eins steht fest, hier fehlt eine Sirene“.

Auch im Jerichower Land lief nicht alles glatt. Dort lösten die Sirenen etwa sechs bis acht Minuten zu spät aus. Ein Entwarnungston kam gar nicht, immerhin wurden die Feuerwehrleute über ihre Digitalempfänger informiert.

Panne ebenfalls in der westlichen Altmark: Während in Gardelegen, Klötze, Kalbe und Arendsee pünktlich 11 Uhr alle Sirenen schrillten, warteten die Salzwedeler vergeblich auf den angekündigten Warnton. Nach Angaben der Integrierten Leitstelle Altmark in Stendal war der Alarm ausgelöst worden. Warum er nicht funktionierte, war bis gestern unklar: Bei der jüngsten monatlichen Übung habe es keinen Fehler gegeben, versicherte Stadtsprecher Andreas Köhler. Nun müssen die Experten prüfen.

In vielen Städten – so auch in Magdeburg – waren die Warnsirenen seit den 1990er Jahren abgebaut worden. Eine Fehlentwicklung, wie Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, findet: „Die Warnung der Bevölkerung kann nicht nur auf Handy-Apps passieren. Die klassische Sirene ist für die Warnung der Bevölkerung weiter unverzichtbar.“