Stendal l Es ist ein Fall, der im April 2019 nicht nur die Menschen in Körbelitz, einem Ortsteil von Möser im Jerichower Land, bewegte. Der Ortsbürgermeister Eckhard Brandt (CDU) war damals Opfer einer brutalen Attacke geworden. Ein Mann schlug ihn mit einer Stabtaschenlampe nieder, so dass er lebensgefährlich verletzt wurde. Er befindet sich noch immer in einer Magdeburger Rehaklinik.

Gegen den 56-jährigen mutmaßlichen Angreifer hat am Mittwoch vor dem Stendaler Landgericht der Prozess begonnen. Anders, als es normalerweise der Fall ist, handelt es sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Der Angeklagte ist dabei ein Beschuldigter, weil er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft im Zustand einer paranoiden Schizophrenie handelte und somit schuldunfähig war. Oberstaatsanwältin Ramona Schlüter beantragte aus diesem Grund eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wegen versuchten Totschlags. In der geschlossenen Klinik befindet er sich bereits, statt in einer Untersuchungshaft. Deshalb brachten ihn auch Pfleger in Handschellen und Fußfesseln in den Saal und nicht wie sonst Justizbeamte.

Täter schon öfter angezeigt

Die Tat an jenem 3. April soll sich so abgespielt haben: Der damalige Ortsbürgermeister Eckhard Brandt hört laute Stimmen vom Gelände der Straßenmeisterei in Körbelitz. Er erkennt die Stimme eines Mitarbeiters und sieht nach, was los ist. Der Mitarbeiter wird von dem Beschuldigten wüst beschimpft. Eckhard Brandt verweist den im Ort bestens wegen permanenter Beschimpfungen und Beleidigungen bekannten Frank H. vor die Tür. Er telefoniert außerdem mit dem Regionalbereichsbeamten. Der macht sich mit seinem Kollegen gleich auf den Weg. Die Anzeigen gegen Frank H. hatten sich schließlich in den letzten Jahren zweistellig angehäuft.

Nur kurze Zeit später erhält der Polizist einen zweiten dringlicheren Anruf durch Brandt. „Jetzt bedroht er uns mit einer Eisenstange“, sagt er. Dann bricht das Gespräch abrupt ab. Wie Zeugen später der Polizei berichten, zog Frank H. aus seinem Beutel keine Eisenstange, sondern eine silberfarbene Stabtaschenlampe in der Länge von 35 Zentimetern. Diese soll er Eckhard Brandt derart gegen den Kopf geschlagen haben, dass er einen Schädelbruch mit Blutungen im Gehirn verursachte. Er fällt bewusstlos um und bleibt tagelang im Koma. Bis heute befindet er sich stationär in einer Rehaklinik. Seine Ehefrau sagt: „Mein Mann wird nie wieder so sein, wie er war. Das hat unser Leben zerstört.“

Die Behandlungskosten für den ehrenamtlichen Bürgermeister wird zwar die Unfallkasse tragen. Doch ein Schadenersatz ist nicht zu erwarten. „Gerade in solchen Fällen, wenn psychisch Kranke solche schweren Personenschäden anrichten, müsste es eine bessere Regelung geben“, sagt der Opferanwalt der Familie Thomas Klaus.

Prozessfortsetzung im September

Inzwischen hat nach langer Diskussion der Ortschaftsrat von Körbelitz Ingeborg Schwenk (SPD) als neue Ortsbürgermeisterin gewählt, weil mit einer Rückkehr von Brandt „zumindest mittelfristig“ nicht zu rechnen ist. Der Prozess wird am 18. September 2019 fortgesetzt.