Magdeburg (dpa/mf) l Es ist ein Fall, der bundesweit für Entsetzen sorgte: Vor dem Landgericht Magdeburg beginnt am Dienstag der Prozess gegen eine Frau aus dem Harz, die ihren Nachbarn getötet und über Jahre dessen Rente kassiert hat. Die Angeklagte hat die Tat gestanden. Wann genau sie den Senior aber mit Messer und Beil angriff, ist unklar.

Nach ihren Angaben ist das Gewaltverbrechen 24 Jahre her. Laut ihrer Aussage tötete sie den Mann bereits 1995 in dessen Haus im kleinen Harzort Rieder – aus Notwehr, weil er sie bedrängt haben soll. Sie hatte den Rentner laut Gericht versorgt und sich um ihn gekümmert. Doch der genaue Tatzeitpunkt ist für die juristische Einordnung entscheidend. Die Anklage gegen die 62-jährige Deutsche lautet auf Totschlag, nicht auf Mord. Doch Totschlag wäre – ausgehend vom Tatzeitpunkt 1995 – nach 20 Jahren verjährt.

Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklageschrift aber davon aus, dass die Tat nach dem 20. Mai 2001 passierte, da war das Opfer 81 Jahre alt. Damals sollen ihn Verwandte noch gesehen haben. Die Frau ließ die Leiche auf dem Grundstück verschwinden und erzählte im Ort, dass der Rentner ins Ausland verzogen sei. Im Jahr 2016 wurde das Verbrechen schließlich entdeckt. Weiterhin wirft die Anklagebehörde der Frau vor, die Rente des Getöteten bis zur Entdeckung der Tat einkassiert zu haben.

Fehlende Arztbesuche machten stutzig

Aufgeflogen waren Tötungsverbrechen und Rentenbetrug, weil sich Mitarbeiter der Krankenkasse gewundert hatten, dass für den 1920 geborenen Mann jahrelang keine Arztbesuche anfielen.

Im Zuge dieser Betrugsermittlungen geriet die Angeklagte in das Visier der Ermittler. Sie führte am Ende die Polizisten auch an die Stelle, wo sie die Leiche des Mannes vergraben hatte. Dort konnten die skelettierten Reste auch geborgen werden.

Das Gericht hat zunächst sechs Verhandlungstage bis 6. September vorgesehen. Insgesamt zwölf Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen.

Fälle wie diesen gibt es immer mal wieder. Gut ein Jahrzehnt blieb der Mord an einem Witwer in Berlin unentdeckt. Ein Mann hatte den Rentner erschossen, zerstückelt und in einer Kühltruhe versteckt. Zuvor hatte er sich dessen Vertrauen erschlichen – und dann zehn Jahre die Rente kassiert. Der Mörder wurde Mitte 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Jahr 2014 wurde in Wolfsburg ein 67-jähriger Mann wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt, weil er die Rente seiner verstorbenen Mutter zwei Jahre lang weiter kassierte. Die Leiche hatte der Mann zuvor im Wald verscharrt. Im hessischen Alsfeld wurde im Frühjahr 2016 eine 74-jährige Frau verurteilt, weil sie Rente und Pflegegeld für ihre tote Freundin zehn Jahre lang kassiert und das Opfer in einem Tomatenbeet beerdigt hatte. Sie wurde damals zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.