Magdeburg l Rund 50 Beamte der Landespolizei in Sachsen-Anhalt haben am Dienstagmorgen zeitgleich drei Wohnungen in Köthen und zwei weitere in Gardelegen durchsucht. Drei weitere Razzien gab es in Hessen, eine in Niedersachsen und eine in Nordrhein-Westfalen. Die Ermittlungen richteten sich gegen sechs namentlich bekannte Beschuldigte und vier nicht Tatverdächtige, teilte am Dienstag die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Nach den bisherigen Ermittlungen eint alle Beschuldigten eine rechtsextremistische Gesinnung. Vor diesem Hintergrund sollen sie im  Jahr 2018 innerhalb der Gruppe ,Wolfsbrigade‘ die Untergruppierung ,Sturmbrigade‘ gegründet und die Aufgabe des „bewaffneten Arms“ erfüllt haben, teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft weiter mit.

Erklärtes Ziel der Gruppe sei das „Wiedererstarken eines freien Vaterlandes“ nach dem „germanischen Sittengesetz“. So gebe es auch den Verdacht, dass dies mit Gewalt durchgesetzt werden sollte.

Bei Razzia Suche nach Beweisen

Im Visier der Ermittler standen nach Auskunft von LKA-Sprecher, Andreas von Koß, vor allem die Sicherstellung von Beweisen, die den Verdacht der Bildung einer Kriminellen Vereinigung erhärten. Dazu zählte Technik, wie Laptops, Datenträger und Handys. Ob etwas gefunden wurde, dazu konnte er am Dienstag noch keine Auskunft geben. Wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft erklärte, gab es Dienstag keine Festnahmen. Es ging zunächst darum, bestehende Verdachtsmomente zu untermauern oder mögliche Waffen aufzufinden.

Die „Wolfsbrigade 44“ bzw. „Sturmbrigade 44“ ist nach Erkenntnissen der Landesregierung im September 2018  vor allem in Köthen in Zusammenhang mit dem Rechten-Aufmarsch und Sachbeschädigungen durch Schmierereien aufgefallen. Das teilte Sachsen-Anhalts Innenministerium auf eine Kleine Anfrage von Hagen Kohl (AfD) im März 2019 mit. Der Landtagsabgeordnete fragte nach dem Auftreten „neuer extremistischer Gruppen“.

Auch Rechtsextremismus-Experte David Begrich vom Verein „Miteinander“ bestätigt die Teilnahme der Mitglieder an den Demonstrationen in Köthen im Jahr 2018. Er habe sie selbst gesehen und erklärt: „Es handelt sich bei der Gruppe um eine Art Bruderschaft“. Sie sei ähnlich strukturiert wie die Rockerszene nur eben mit politischer Ausrichtung. Die Mitglieder seien nach seiner Kenntnis im mittleren Alter zwischen Anfang 30 und Mitte 40. Die hauptsächliche Kommunikation erfolge über das Internet und sozialen Netzwerke. Die Ermittlungen würden zudem zeigen, „dass Gruppen wie die Wolfsbrigade überregional vernetzt agieren und zum Kern des Mobilisierungspotenzials der rechten Szene gehören“.

1300 Rechtsextreme in Sachsen-Anhalt

Insgesamt zählt der Verfassungsschutz 1300 Rechtsextreme im Land Sachsen-Anhalt, die meisten von ihnen agieren unstrukturiert.