Kabarett

Max Uthoff: „Dieser Pazifismus hat es schwer“

Max Uthoff ist bekannt aus der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“. Auf Einladung der „Magdeburger Zwickmühle“ war der Kabarettist mit seinem Programm „Moskauer Hunde“ in Magdeburg zu Gast. Im Gepäck hatte er feine satirische Spitzen und Pointen, die nachhallen.

Von Maria Kurth Aktualisiert: 20.09.2022, 14:01
Max Uthoff arbeitete zunächst als Jurist, bevor er sich seiner wahren Leidenschaft als Kabarettist widmete.
Max Uthoff arbeitete zunächst als Jurist, bevor er sich seiner wahren Leidenschaft als Kabarettist widmete. Foto : Ulli Lücke

Magdeburg - Grauer Anzug, dunkle Schuhe und eine Körperhaltung, die immer auch ein wenig an einen Anwalt erinnert, der gerade gnadenlos sein Abschlussplädoyer vorträgt: Max Uthoff bleibt sich bei seinem Gastspiel an diesem Abend auf Einladung der „Magdeburger Zwickmühle“ treu. Seriöse Erscheinung und messerscharfe verbale Spitzen, die er mit Fakten unterlegt. Uthoff – von Haus aus in der Tat Jurist – unterhält, bildet und regt zum Nachdenken an, wenn er mit der deutschen Parteienlandschaft ebenso hart abrechnet wie mit sozialer Ungerechtigkeit oder dem menschlichen Geltungsdrang.

Und der Münchner weiß, wie er seine Zuhörer im Saal des Maritim-Hotels schnell einfängt. „Oxymoron! Widersprüche in sich gibt’s viele“, sagt Uthoff und beginnt aufzuzählen: „CDU-Hoffnungsträger, humane Schlachtung oder gesunder Menschenverstand.“ Schnelle Lacher, um die Stimmung auf Betriebstemperatur zu bringen. Wenn man so will, spielt Uthoff in diesen ersten Minuten seines Programms „Moskauer Hunde“ den Anheizer für die eigene Show, die dann auch schnell auf die großen Themen zu sprechen kommt. „Ich empfinde nichts als Hochachtung für die ukrainische Zivilbevölkerung, ich wüsste nicht, ob ich das aushalten könnte, und trotzdem lasse ich mir von dem Wichser im Kreml nicht meinen Pazifismus nehmen“, sagt Uthoff („Dieser Pazifismus hat es schwer.“) ganz unironisch. Nur um eine Minute später festzustellen: „Niemand weiß im Moment, was absolut richtig ist. Ist diese Offensive im Osten jetzt der große Durchbruch? Sollte man weiter Waffen schicken? Niemand weiß, was richtig ist.“

Auch „König Olaf, der Monotone“ wisse das nicht, so Uthoff. Unterhaltsam, aber eben auch erwartbar kommt sein Programm vor allem dann daher, wenn er über die wichtigsten Politiker des Landes herzieht. So sei der Organismus Scholz auf so etwas wie Emotionen gar nicht ausgerichtet. „Ich fand es bisher immer ganz beruhigend, dass wir einen Bundeskanzler haben, der in einer 30-minütigen Rede nach 17 Minuten einen Atomangriff auf China ankündigen könnte und absolut nieeeemand würde es mitbekommen.“

Doch diese kleine Schwäche im Programm fällt nicht groß ins Gewicht. Denn die Bravheit des Erwartbaren wird immer wieder schnell von teils bitterbösen Pointen überrollt. So sei Scholz’ Besonnenheit ja gar nicht so schlecht, um einen Dritten Weltkrieg in jedem Fall zu verhindern. „Ich bin mir aber gar nicht im Klaren, ob wir beim Dritten Weltkrieg überhaupt mitmachen dürfen“, sagt Uthoff. „Mal ernst: Qualifiziert man sich mit zwei Niederlagen wirklich für so ein wichtiges Turnier?“ Ein Raunen, gepaart mit Lachen, geht durch den Saal.

Uthoff hangelt sich von Gedanke zu Gedanke, schwenkt von toxischer Männlichkeit und sozialer Ungerechtigkeit hin zur Klimakrise und narzisstischer Selbstdarstellung. Auch wenn er seine gespielte Überheblichkeit einfließen lässt, spricht er oft von „wir“ und fängt sein Publikum damit ein. So sei Urlaub eigentlich für viele von uns nur eine Flucht, nur ein Wettrennen nach einem weiteren fremden Fleck auf dieser Welt, den wir dann nicht richtig wahrnehmen, wohl aber mit dem Smartphone in Szene setzen. Oder in Uthoffs Worten: „Urlaub ist nur was für Menschen ohne Fantasie.“ Der Wortkünstler hält seinen Zuhörern den imaginären Spiegel ins Gesicht. Als besonderes Werkzeug nutzt er dazu immer wieder das Einstreuen von Anekdoten rund um den Hund. Der beste Freund des Menschen, aber eben nicht das liebste Tier von Uthoff. Denn Hunde seien ja eigentlich wie Rudolf Hess: „Treudoof bis zum bitteren Ende, egal, wer am anderen Ende der Leine steht.“

Uthoff rechnet ab, regt an und plädiert mit seinem Programm vor allem für eins: mehr Menschlichkeit. Wenn man so will, liefert er ein verbales solidarisches Dauerfeuer. Mit Überzeugung. Menschen, die sich übrigens die Eintrittskarte zu seiner Show nicht leisten können, müssen ihm nur eine E-Mail schreiben und erhalten den Betrag zurück. Ganz ohne Nachweis. Auf Vertrauensbasis.