Zwei Opern und ein Musical zum Spielzeitstart

Premierenflut am Theater Magdeburg

Eine wahre Premierenflut wird es in der nächsten Spielzeit am Theater Magdeburg geben. Neben neu geplanten Produktionen werden etliche Stücke aus der fast komplett vorstellungsfreien Spielzeit 2020/21 nachgeholt.

Von Grit Warnat
?Glück, Gesundheit, Liebe? steht am Opernhaus vom Theater Magdeburg auf Bannern. Das Haus plant nach einer coronabedingt weitgehend vorstellungsfreien Spielzeit seine nächste Saison mit vielen Premieren.
?Glück, Gesundheit, Liebe? steht am Opernhaus vom Theater Magdeburg auf Bannern. Das Haus plant nach einer coronabedingt weitgehend vorstellungsfreien Spielzeit seine nächste Saison mit vielen Premieren. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Magdeburg - Das Wort „ kämpfen“ gehört eher unterschwellig zum Vokabular am Theater, doch Karen Stone hat es gestern bei der Vorstellung der neuen Spielzeit gleich mehrfach benutzt. „Ich werde dafür kämpfen“, sagte die Generalintendantin des Theaters Magdeburg, als sie von der neuen Spielzeit sprach. Die 68-Jährige wolle unbedingt all das, was sich im dicken Programmheft ankündigt, auch umgesetzt wissen. „Ich will eine so weit wie möglich normale Spielzeit“, sagte sie. Es ist ihre letzte in Magdeburg. Karen Stone führt seit August 2009 das Vier-Sparten-Haus. Im nächsten Sommer wird Julien Chavaz ihr Nachfolger.

Zwei Opern und ein Musical in neun Tagen

Zehn Premieren wird es im Musiktheater geben, 15 gar im Schauspiel. Zwei Uraufführungen plant das Ballett, die Magdeburgische Philharmonie zehn Sinfoniekonzerte. Im Jungen Theater sind sieben Premieren geplant.

Innerhalb von neun Tagen im September gibt es allein drei Premieren. Mit „Falstaff“ und „Rigoletto“ steht zweimal Verdi an, zudem das Musical „Guys and Dolls“ – alles Inszenierungen, die schon in der Spielzeit 2020/21 gesetzt waren, aber nicht gezeigt werden konnten. „Einiges ist schon bis zur Generalprobe produziert“, sagt Stone. Neu im Spielplan sind unter anderem mit „My Fair Lady“ das für November traditionell geplante Musical und die Oper „Figaro lässt sich scheiden“, eine Koproduktion mit der Welsh National Opera.

Generalmusikdirektorin Anna Skryleva liegt in der nächsten Spielzeit neben der Fortsetzung des Beethoven-Zyklus’ besonders viel an einem „Herzensprojekt“, wie sie die Uraufführung der Oper „Grete Minde“ nach Theodor Fontane bezeichnet. Die Musik stammt von Eugen Engel, einem deutsch-jüdischen Komponisten, der im Konzentrationslager Sobibor ermordet wurde.

Durch private Beziehungen zur Familie, so erzählt Skryleva, sei man an das Stück gekommen, von dem nur noch die Partitur vorhanden sei. „Wir arbeiten schon seit einem Jahr daran“, sagt die Chefdirigentin, die sich überzeugt zeigt, dass sich „Grete Minde“ zu einem Repertoire-Stück entwickeln könne. Zur Uraufführung im Februar sei die Familie aus Kalifornien geladen, so Stone.

Im Sommer 2022 will sich die gebürtige Engländerin mit „Rebecca“ verabschieden, dem Domplatz-Open-Air. Wie bei der aktuell laufenden Fußball-EM hofft sie auf volle Ränge.

Schauspiel imPremieren-Stau

Auch im Schauspiel-Angebot finden sich etliche Stücke, die im Premieren-Stau stecken, weil sie wegen der monatelangen Schließung des Theaterbetriebes nicht gezeigt werden konnten. „Der Hals Giraffe“ von Judith Schalansky, Goethes „Urfaust“, auch Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ gehören zu den Inszenierungen, an denen immer weiter gearbeitet wurde, die es aber noch nicht vor Publikum geschafft haben. Auf 15 Premieren kommt das Schauspiel. Die Spielzeit beginnt schon Ende August. Bis Ende September stehen fünf Premieren im Spielzeitheft, Anfang Oktober folgen zwei weitere, darunter auch „Die Eroberung des Südpols“ von Manfred Karge, ein Stück, das schon geplant war, als der erste Lockdown alles in Deutschland lahmgelegt hat.

Schauspieldirektor Tim Kramer kündigt an, dass das Ensemble erneut mit Inszenierungen in den Stadtraum gehe. Nick Hornbys „Nipplejesus“ werde in Kooperation mit dem Kunstmuseum gezeigt, eine Stadtrauminszenierung auf den Spuren ehemaliger SKET-Arbeiter in Zusammenarbeit mit dem Technikmuseum.

Ballettchef plant zweiUraufführungen

Stone, man kennt sie so von den Spielzeit-Pressekonferenzen, ist voll des Lobes für ihr Team, auch für Gonzalo Galguera, der dem Haus Internationalität beschere, auch weil er dieser Tage in Italien mit dem Tanzpreis „Der goldene Nussknacker“ geehrt werde. Der jahrelange Chefchoreograf, der vom neuen designierten Generalintendanten keinen neuen Vertrag bekommen hat, wird sich mit den von ihm choreografierten Uraufführungen „Paquita“ und „Das Leben: Ein Fest“ von seinem Publikum verabschieden.

Die Internationale Ballettgala steht nicht im Programm. Stone sagt, sie sei im Moment durch die Corona-Lage nicht planbar. Erst vor kurzem hatte das Friseurunternehmen Pophair seine Unterstützung der Ballettgala mit 5000 Euro aufgekündigt und das mit der Personalentscheidung des designierten Intendanten begründet.