Altmärker am Sonntag im Fernsehtalk

Vom Musicalmann zum Trauerredner

„Vom Musicaldarsteller zum Trauerredner“ – so wird der gebürtige Stendaler Marten Krebs am Sonntag beim Morgentalk von Sat.1 angekündigt. Krebs wird erzählen, wie er sich als Schauspieler ohne Auftrittsmöglichkeit in der Corona-Pandemie neu erfinden musste.

Von Grit Warnat - Stendal/Hamburg Bei „So gesehen – Talk am Sonntag“ stehen ethische Grundfragen des Lebens im Mittelpunkt. Die Produktion der Eikon Nord im Auftrag von Sat.1 und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) thematisiert Lebenseinstellungen und Werte. Gäste sind Schauspieler, Musiker, Politiker – Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Wie Marten Krebs.

Krebs, 1981 in Stendal geboren und von Hamburg auf elterlichen Grund und Boden in die Altmark zurückgekehrt, würde eigentlich mit dem Tina-Turner-Musical „Simply the Best“ durch Europa touren. Aber wie so vielen Künstlerkollegen machte Corona auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Keine Bühne, keine Auftritte, keine Reisen, kein Verdienst. Das Musical liegt nach wie vor auf Eis. Krebs musste sich neu orientieren. Er ist Trauerredner geworden. Nur Garten, Garten, Garten sei für ihn auf Dauer keine Alternative gewesen.

„Ich spreche in der Sendung in erster Linie über Mut“, sagt er und rührt deshalb die Werbetrommel für den Sendetermin. Sonntag kurz nach 8 Uhr, für manche noch Schlafenszeit.

Wenn man sich mit Marten Krebs unterhält, dann wird schnell klar, dass er nicht dazu neigt, den Kopf in den Sand zu stecken. Ihm sei trotz Existenzangst im Gegensatz zu vielen Kollegen das tiefe schwarze Loch erspart geblieben. Für Krebs selbst hat sich eine Tür geöffnet. Ein guter Freund ist Bestatter. Er kam mit der Idee, Krebs könne Trauerreden schreiben und halten.

Marten Krebs verdient sein Geld mit seiner Stimme. In Berlin hat er Schauspiel studiert. Normalerweise ist die Bühne seine Welt. Er singt, tanzt, steppt, moderiert.

Hunderte Menschen hat er als Entertainer bei großen Bällen und Benefizveranstaltungen unterhalten. Beim Tina-Turner-Musical geht es um den großen Spaß an der Musik. „Ich hatte immer ein heiteres Publikum vor mir. Am Ende des Abends gab es Applaus. Jetzt begleite ich auf einem schmerzlichen Weg“, sagt er und erzählt sogleich weiter von dieser so ganz anderen Arbeit, die fordere und erfülle.

Seine erste Trauerrede war bei einer Urnenbeisetzung im Oktober, erinnert sich der Altmärker. Und wie er da bereits Wert legte auf Anekdoten und viel Herz. Dafür müsse man reden und sich öffnen, tief ins Leben des Verstorbenen eintauchen können. „Wir müssen wieder lernen, zuzuhören“, sagt er. „Wir sind geflogen, schneller, höher, weiter.“

80 Trauerreden hat er bisher gehalten, sagt der Schauspieler. „Der zweite Beruf ist jetzt Trauerredner, ist aber auch eine Herzensaufgabe geworden“, wird er am Sonntag zu Julian Sengelmann sagen. „Ich glaube, dieser Beruf erdet einen noch mal richtig, weil man sich jeden Tag damit auseinandersetzen muss, dass das Sterben zum Leben dazugehört“, so der Altmärker, dem es wichtig war, auch das Thema Suizid in der Sendung anzusprechen. Zwei Kollegen hätten sich das Leben genommen. „Ich kenne viele, denen es dreckig geht. Ich hab mich durchgebissen und will Mut geben“, sagt er. 20 Minuten ist Marten Krebs am Sonntag auf Sendung.