Abwehrkampf gegen spanischen Konkurrenten ACS

Emirat Katar hilft Hochtief und wird neuer Großaktionär

Essen (dpa). Es bleibt spannend in der Schlacht um Hochtief: Das deutsche Bauunternehmen bekommt Unterstützung vom Fußball-WM-Veranstalter Katar. Das Emirat steigt bei Hochtief ein und könnte damit eine Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS doch noch verhindern.

Die Finanzholding des Emirats Katar werde im Rahmen einer Kapitalerhöhung alle neuen Aktien erwerben und damit künftig knapp 9,1 Prozent der Anteile an dem deutschen Unternehmen halten, teilte Hochtief gestern in Essen mit. Damit allein kann Hochtief die Übernahme durch die Spanier zwar nicht verhindern. Branchenkenner erwarten jedoch, dass Katar über die Börse weitere Anteile erwirbt oder bereits erworben hat.

Hochtief will das Grundkapital um rund zehn Prozent erhöhen und neue Aktien zum Preis von 57,11 Euro ausgeben. Hochtief fließen durch die Kapitalerhöhung rund 400 Millionen Euro zu.

"Es ist ein Signal der Hoffnung", sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Um einen schlagkräftigen Gegenpol zu den Spaniern zu bilden, sei aber eine Sperrminorität erforderlich.

Hochtief wehrt sich gegen eine Übernahme durch ACS, musste im Abwehrkampf zuletzt jedoch mehrere Schlappen einstecken. Der Einstieg eines neuen Großaktionärs galt als eine der letzten verbliebenen Möglichkeiten, um dies noch zu verhindern. Bisher hält ACS knapp 30 Prozent der Hochtief-Anteile, der überwiegende Rest befindet sich im Streubesitz. Das in der vergangenen Woche offiziell vorgelegte Übernahmeangebot sieht ein Tauschverhältnis von fünf Hochtief-Aktien zu acht ACS-Anteilen vor.

Tatsächlich hatten die Spanier bereits angekündigt, durch das von Aktionärsschützern als unattraktiv eingeschätzte Angebot ihren Hochtief-Anteil zunächst lediglich auf knapp über 30 Prozent erhöhen zu wollen, um später mit Zukäufen über die Börse auf mehr als 50 Prozent aufzustocken. Dies könnte Katar verhindern.

Gleichzeitig wurde eine Vereinbarung über eine strategische Kooperation getroffen. Hochtief ist heute bereits stark in Katar engagiert und beschäftigt dort über Tochtergesellschaften mehr als 5000 Mitarbeiter. Eines der Projekte mit Hochtief-Beteiligung ist eine Brücke zur benachbarten Insel Bahrain – nach Angaben des Konzerns die längste Länderverbindung der Welt.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht sich durch den Einstieg Katars bestätigt. "Wir haben goldrichtig damit gelegen, dass sich der Staat auch bei Hochtief zurückgehalten und nicht eingemischt hat", sagte Brüderle. Meinung