Sachsen-Anhalt

Großer Bahnhof: So lief die Wiedereröffnung des Flughafens Magdeburg-Cochstedt

Um Punkt 12.05 Uhr war es am Freitag soweit, eine „Falcon 2000 LX“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt landete auf der Rollbahn des Flughafens Magdeburg-Cochstedt. Der Airport ist damit wieder am Netz.

Von Bernd Kaufholz Aktualisiert: 06.05.2022, 20:33 • 06.05.2022, 18:06
Die „Falcon 2000“ landet gestern aus Braunschweig kommend unter großem Beifall auf dem Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Zur Begrüßung rollte der Zweistrahler durch zwei Wasserfontänen der Feuerwehr.
Die „Falcon 2000“ landet gestern aus Braunschweig kommend unter großem Beifall auf dem Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Zur Begrüßung rollte der Zweistrahler durch zwei Wasserfontänen der Feuerwehr. Foto:

Cochstedt - „Einen guten Flug gehabt?“, fragt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Jens Heider, nachdem der Flugkapitän die „Falcon 2000 LX“ sauber in Cochstedt gelandet hatte. „Bei dem Wetter“ nickt der Pilot der DLR in den strahlend blauen Himmel. Der Zweistrahler hat im normalen Flugverkehr 18 Plätze, als Wissenschaftsmaschine des Luft- und Raumfahrtzentrums sind meist nur fünf Leute an Bord.

Das Ausrollen durch die Wasserfontänen unter dem ohrenbetäubenden Geheul von Martinshörnern war der symbolisch letzte Kuss, um Prinzessin Magdeburg-Cochstedt endgültig aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken, wie gestern immer wieder betont wurde.

Cochstedt als „Reallabor“, was so viel bedeutet, dass sich dort Theorie und Praxis treffen, die Erforschung des unbemannten Flugverkehrs (Drohnen) und ein tatsächlich arbeitender Flughafen verschmelzen.

Kick für die Region

Und der Bahnhof (in diesem Zusammenhang wohl treffender: Flughafen) unterm großen Festzelt Tower war dementsprechend. Hatten doch viele Macher in Wirtschaft und Politik Sachsen-Anhalts graue Haare beim jahrelangen Hin und Her in Sachen Flughafen bekommen. Und selbst die Abrissbirne habe schon am Haken gehangen, erinnerte Haseloff. Es sei ein ständiger Kampf zwischen ihm als damaliger Wirtschaftsminister gewesen, dem Finanzminister immer wieder Geld für das Millionengrab aus dem Rücken zu leiern. „Aber funktionierende Infrastrukturen zerschlägt man einfach nicht.“

Kein Wunder, dass dem Ministerpräsidenten gestern die Freude im Gesicht stand: „Ich freue mich, dass wir mit dem DLR einen soliden, verlässlichen Nutzer des traditionsreichen Cochstedter Fluggeländes gefunden haben.“ Er sei überzeugt, dass damit eine dauerhafte Nutzung des Standorts möglich sei. „Das Erprobungszentrum wird die Region voranbringen sowie den Wissenschafts- und Innovationsstandort Sachsen-Anhalt dauerhaft stärken.“

Die Arbeit an den unbemannten Luftfahrtsystemen, die den Blick weit über Deutschland hinaus auf Cochstedt lenken, werde noch viele weitere Nutzungsmöglichkeiten hervorbringen. Das Credo lautet: „Unbemannt, aber nicht unerfolgreich.“

Eine kleine Ausstellung der Fluggeräte, um die sich die Forschung und Entwicklung dreht, zeigt einige der unbemannten Möglichkeiten. Zum Beispiel das Betanken einer Drohne in der Luft durch einen ebenfalls unbemannten Flugkörper.

Johann Dauer, Leiter der Abteilung unbemannte Fluggeräte beim Institut für Flugsysteme, zeigt auf eine große Transportdrohne, in der Mitte eine Metallkiste. „Eigentlich war das System bemannt. Aber wir haben es umgebaut und testen die Drohne mit einer großen Nutzlast von 150 bis 200 Kilo.“ Das Gerät könnte zum Beispiel bei Katastrophen-Hilfsaktionen eingesetzt werden.

Optimistisch in die Zukunft blickt auch DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla. „Im Rahmen des nationalen Erprobungszentrums für unbemannte Luftfahrtsysteme etablieren wir mit dem Flughafen ein umfassendes Reallabor. Es dient zur Entwicklung und Erprobung neuer Technologiekonzepte, um die internationale Vorreiterrolle Deutschlands im Bereich unbemannten Fliegens auszubauen.“

Kick für die Region

Diplomingenieur Dauer steht schon neben der nächsten Drohne. „Zwei Rotoren 2,80 Meter Spannweite“, doziert er. „Wir haben das unbemannte Fluggerät bereits vor einiger Zeit in der Dominikanischen Republik erprobt. Es kann bis zu 90 Kilo transportieren. Die Hilfsgüter werden in einem Pappcontainer verpackt, abgeworfen. Die Verpackung verrottet umweltschonend.“

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) bestätigt: „Unbemanntes Fliegen ist ein echtes Zukunftsthema. Cochstedt kann sich zu einem Leuchtturm der Wissenschaft und einen Anziehungspunkt für Unternehmen aus der Luftfahrt- oder Logistikbranche entwickeln.“

Und auch Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) bestätigte gestern erneut, dass der Standort Cochstedt „ein besonderes Landesinteresse genießt“. Sie dankte allen, die den Flughafen „während der letzten Monate fitgemacht haben“.

Das Landesverwaltungsamt in Halle hatte bereits zum 1. April 2022 auf Grundlage des Betriebskonzepts des DLR die Erlaubnis für Starts und Landungen erteilt, der nun die offizielle Wiedereröffnung des Flughafens mit dem internationalen Flughafen-Kürzel „CSO“ folgte. Meinung

johann Dauer vom Institut für Flugsystemtechnik neben einer Transportdrohne.
johann Dauer vom Institut für Flugsystemtechnik neben einer Transportdrohne.
Foto: Bernd Kaufholz