Ernte der Wintergerste in Sachsen-Anhalt kurz vor dem Abschluss

Größte Ernteeinbußen auf leichten Standorten

Sachsen-Anhalts Landwirte haben die Wintergerste als erste Mähdruschkultur schon fast komplett von den Feldern geholt. Das Getreide war wegen der Frühjahrstrockenheit mit hohen Temperaturen früher abgereift und ist teilweise in die Notreife gegangen. Deshalb wurde in diesem Jahr etwa zwei Wochen früher gedroschen als gewöhnlich. Insgesamt wurden auf 680 000 Hektar Getreide und Ölsaaten angebaut, davon auf 85 000 Hektar Wintergerste.

Von Bettina Koch

Magdeburg. Die Erträge liegen deutlich unter den Ergebnissen des vergangenen Jahres. Nach Einschätzung des Landesbauernverbandes (LBV) sind die Verluste auf leichten Standorten erheblich. Demnach wurden in der Altmark und östlich der Elbe im Durchschnitt weniger als 40 Dezitonnen vom Hektar geholt, nach Umfragen unter Mitgliedsbetrieben liegen die Erträge zwischen 30 und 60 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Auf besseren Standorten wie in der Börde und im Harzvorland werden 60 bis 70 Dezitonnen je Hektar geerntet, das sind rund 20 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Gründe für die Mindererträge liegen in den schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst, in Kahlfrösten im Winter und Wechselfrösten im Frühjahr, in Überschwemmungen und Frühjahrstrockenheit mit hohen Temperaturen.

Zu einer geringeren Zahl Ähren tragender Halme auf den Feldern kam aufgrund der Trockenheit die Notreife - eine weitere Kornfüllung fand kaum statt. Das führt neben geringeren Erntemengen auch zu schlechteren Qualitäten. Nun beeinträchtigt die wechselhafte Witterung die Ernte der Wintergerste. Die Mähdrescherfahrer müssen ihre Einsätze wegen Regenschauern immer wieder unterbrechen. Nass geerntetes Getreide erfordert eine zusätzliche Trocknung und erzeugt damit weitere Kosten, oder es müssen Qualitätsabschläge hingenommen werden. Der Bauernverband Börde erwartet in seinem Revier bei der Wintergerste Mindererträge von bis zu 25 Prozent.

Während der Regen für die Wintergerste zu spät kam, konnten Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben ordentlich zulegen. Hier erwartet der Bauernverband gute Erträge. Auch das Grünland hat sich erholt. Nachdem die Ausbeute beim ersten und zweiten Schnitt knapp ausgefallen war, scheint zumindest der dritte Schnitt vielversprechend.

Viehhaltende Betriebe sorgen sich dennoch. Denn neben einem insgesamt deutlich geringeren Grünfutteraufkommen wird es aufgrund der schmaleren Getreideernte in diesem Jahr auch deutlich weniger Futterstroh geben als in normalen Jahren. Als Ausgleich hoffen die Nutztierhalter auf eine hohe Ausbeute beim Mais.

Die Mindererträge beim Getreide bringen einige Betriebe in die Schwierigkeit, abgeschlossene Vorkontrakte eventuell nicht bedienen zu können. Hier sollte unbedingt rechtzeitig ein offenes Wort mit den Partnern im Landhandel geführt werden, empfiehlt LBV-Präsident Frank Zedler.

Besonders für Betriebe, die auf leichten Standorten wirtschaften, schätzte Zedler die Situation derzeit kritisch ein. In den am stärksten betroffenen Betrieben würden die fehlenden Einnahmen mit sparsamen Ausgaben bei Betriebsmitteln oder mit zurückgestellten Investitionen nicht abzufedern sein, befürchtet er. Trotz EU-weit niedriger Ernteprognosen für Getreide und Raps haben überdies die Erzeugerpreise nachgegeben.