Zukunftskommission Landwirtschaft

Landwirtschaft: Nachhaltig und wirtschaftlich?

Die Zukunftskommission Landwirtschaft hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Fazit: Landwirtschaft soll nachhaltiger werden. Was sagen Bauern aus Sachsen-Anhalt dazu?

Von Tom Szyja
Carsten Niemann, Biobauer aus Ritzleben, auf einem seiner Haferfelder. Anders als bei konventioneller Landwirtschaft wachsen auf dem Feld neben dem Getreide auch andere Pflanzen, die Insekten als Nahrungsquelle dienen.
Carsten Niemann, Biobauer aus Ritzleben, auf einem seiner Haferfelder. Anders als bei konventioneller Landwirtschaft wachsen auf dem Feld neben dem Getreide auch andere Pflanzen, die Insekten als Nahrungsquelle dienen. Tom Szyja

Schweinebauer Hermann Heukamp ist prinzipiell offen für Reformen der Landwirtschaft: „Wenn die gesellschaftlichen Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit und höheren Standards in der Tierhaltung durch die Politik durchgesetzt werden, begrüße ich das grundsätzlich.“ Allerdings müssten die Mehrkosten für die Landwirte ausgeglichen werden, fordert der Schweinehalter, der zusammen mit seinem Bruder Anton einen Mast-Betrieb mit vier Ställen in Giersleben im Salzlandkreis betreibt. Würde die bestehende Preispolitik beibehalten, müssten vor allem kleinere Betriebe schließen.

Vertreter von Bauernverbänden, Naturschützern, Wissenschaftlern und dem Lebensmittelhandel haben knapp zwei Jahre über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Vor kurzem präsentierten sie ihren Abschlussbericht. Darin wird auf 170 Seiten zwar die gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft hervorgehoben, gleichzeitig werden jedoch auch negative Folgen für die Umwelt ausgehend von der Landwirtschaft adressiert.

Neben ökologisch vertretbareren Methoden in der Produktion von Lebensmitteln werden auch die Verbraucher in die Pflicht genommen. Die zentrale Frage, mit der sich das Papier zusammenfassen lässt, lautet: Wie kann die Landwirtschaft nachhaltiger werden und zugleich den Bauern ihren Lebensunterhalt sichern?

Kunden, die mehr Geld für besseres Fleisch ausgeben, sind klar in der Minderheit

Hermann Heukamp

Wie erwähnt sollen neben den Erzeugern von Nahrungsmitteln auch die Konsumenten ihr Handeln ändern. Die Zukunftskommission (ZKL) empfiehlt, sich an den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu orientieren. Diese sieht vor, dass der Konsum von tierischen Produkten reduziert werden soll und zudem ein hoher Anteil an Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen soll.

Zudem sollen in der Tierproduktion höhere Standards eingeführt werden. Dies sei sowohl aus ethischen als auch aus ökologischen Gründen notwendig. Inwieweit besser gehaltene Tiere für einen Preisaufschlag für den Verbraucher sorgen würden, bliebt unklar.

Hermann Heukamp betreibt zusammen mit seinem Bruder Anton Heukamp einen Schweinemastbetrieb in Giersleben im Salzlandkreis.
Hermann Heukamp betreibt zusammen mit seinem Bruder Anton Heukamp einen Schweinemastbetrieb in Giersleben im Salzlandkreis.
Archivfoto: Falk Rockmann

Schweinebauer Heukamp ist skeptisch, dass die Menschen mehr Geld für Fleisch ausgeben werden. „Kunden, die bereit sind, deutlich mehr für ihr Fleisch zu zahlen, sind leider klar in der Minderheit. Von allen Verbrauchern vielleicht zehn, maximal 20 Prozent. Für den überwiegenden Teil der Verbraucher ist der Preis nach wie vor das Hauptkriterium bei der Produktwahl“, sagt der Diplom-Agraringenieur.

Um das Problem zu beheben, fordert er ein ähnliches Modell wie bei Eiern. Dort wurde im Handel das sogenannte Auslisten eingesetzt. Der Begriff beschreibt das Vorgehen, dass Supermärkte bestimmte Lebensmittel aus dem Sortiment nehmen, wie das zum Beispiel bei Eiern aus Käfighaltung geschehen ist.

Armutszeugnis, dass der Handel die Regeln für den Verbraucher macht

Carsten Niemann

Einen etwas anderen Standpunkt zu der Thematik vertritt Carsten Niemann. Der Landwirt betreibt seit 30 Jahren einen Bio-Bauernhof in Ritzleben bei Salzwedel. „Es ist ein Armutszeugnis, dass der Handel Umweltpolitik macht, indem er dem Verbraucher vorschreibt, was er kaufen soll – zum Beispiel die Discounterinitiative zu Fleisch der Stufen 2+3. Solche Maßnahmen müssen von der Politik kommen“, fordert Niemann.

Er wünscht sich in der Landwirtschaft ein Vorgehen, vergleichbar mit der Energiewende. „Dort hat man gesellschaftliche Ziele umgesetzt – Ausstieg aus der Atomenergie – indem die Verbraucher mithilfe des EEG-Gesetzes dazu ’gezwungen’ wurden, mehr Geld für regenerativen Strom zu zahlen.“ Während Schweinebauer Heukamp betont, dass eine Haltung mit weniger Tieren nicht wirtschaftlich sei, sieht Niemann das Ganze anders.

Nutztiere hält er auf seinem Hof keine, er betreibt seit 30 Jahren einen Bio-Bauernhof, mit dem Schwerpunkt auf der Kartoffel-Produktion. „Ökologische Landwirtschaft war und ist rentabel. Die letzten Jahre haben wir gemerkt, dass bei den Kunden die Bereitschaft gestiegen ist, für Bio-Produkte mehr Geld auszugeben“, sagt Niemann.

Landwirtschaft braucht Tiere: „Kreislaufwirtschaft ist elementar“

Kritiker werfen der Bio-Landwirtschaft vor, dass sie im Gegensatz zu konventioneller Landwirtschaft mehr Fläche verbrauchen würde. Der Landwirt aus Ritzleben erkennt zwar an, dass die ökologische Landwirtschaft effizienter werden müsse, fordert bei der Betrachtung aber einen größeren Blick ein.

„Wenn man die Gesamt-Bilanz der landwirtschaftlichen Produktion betrachtet, ist die ökologische Landwirtschaft das zurzeit nachhaltigste System für ein Leben im Einklang mit der Natur“, erklärt Niemann. Auf seinen Haferfeldern wachsen zwischen dem Getreide auch andere Pflanzen, die die Biodiversität erhöhen und zugleich Insekten als Futterquelle dienen.

In einem Punkt sind sich die Landwirte aber einig. Auch wenn die Zukunftskommission eine Reduzierung von Fleischproduktion- und Konsum fordert, ist eine komplette Umstellung der Landwirtschaft auf pflanzliche Produkte nicht sinnvoll. „Kern der Ökolandwirtschaft ist die Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört die Grünlandnutzung. Dies können nur Tiere wie Kühe, Schafe, Ziegen und Rinder. Sie verwerten das Gras, geben Lebensmittel und Nährstoffe, die den Ackerbau versorgen“, so Niemann.

Nachdem die Kommission ihren Bericht bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgestellt hat, bleibt nun abzuwarten, wie es in der Sache weitergeht. Die neue Bundesregierung wird die Frage beantworten müssen, wie sie mit den Empfehlungen aus dem Bericht umgeht und wie die ökologischen und ökonomischen Forderungen in die Tat umgesetzt werden.