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Neues Heizgesetz in Sachsen-Anhalt Lohnt sich eine neue Gasheizung? Was Energieberater und Gemeinden sagen

Das alte Heizgesetz wird gekippt. Was sollen Hausbesitzer unternehmen?

Von Jens Schmidt 25.02.2026, 19:30
Die Gasheizung hat eine neue Chance. Allerdings muss ab 2029 der Grüngasanteil wachsen.
Die Gasheizung hat eine neue Chance. Allerdings muss ab 2029 der Grüngasanteil wachsen. Foto: IMAGO/Christian Ohde

Magdeburg - Union und SPD haben sich auf Eckpunkte eines neuen Gebäude-Energiegesetzes geeinigt. Der größte Unterschied zum alten Heizgesetz der Ampel: Die Installation neuer Gas- und Ölheizungen ist wieder möglich. Drohen mit dem Grüngas neue Kostenfallen?

Die Pflicht, 65 Prozent erneuerbare Energien einzusetzen – was quasi auf Wärmepumpen hinauslief – entfällt. „Das ist grundsätzlich eine gute Entscheidung der Politik – und mehr, als wir erwartet hatten“, sagt René Herbert, Gebäudeenergieberater und Chef des Landesverbandes in Sachsen-Anhalt. Herbert lobt vor allem die Technologieoffenheit. Künftig entscheiden Hausbesitzer zusammen mit Energieberatern und Heizungsfachleuten über die beste Technik.

Sachsen-Anhalts Gebäude-Energieberater René Herbert sagt, wo Gas besser sein kann als Wärmepumpe

„Denn viele ältere Bestandsgebäude – vor allem im ländlichen Bereich – erreichen längst nicht die Anforderungen, um mit Erneuerbaren kosteneffizient heizen zu können“, sagt Herbert. Wärmepumpen seien nur dann gut, wenn die Vorlauftemperatur des Heizwassers niedrig ist. „25 bis 40 Grad sind optimal, 55 Grad sind schon grenzwertig – in vielen älteren Gebäuden benötigt man relativ hohe Temperaturen, um es warm zu bekommen“, berichtet Herbert. Das erhöht die Stromkosten und kann die auf 20 Jahre angesetzte Lebensdauer der Wärmepumpen verkürzen.

Um ältere Häuser fit für Erneuerbare zu machen, müssten diese oft erst energetisch auf Vordermann gebracht werden. Das überfordert vor allem Ältere finanziell. Für sie sei eine moderne Gas-Brennwertheizung auch eine gute Möglichkeit, Heizkosten und CO2 zu sparen, sagt Herbert. Anders sehe es bei Jüngeren aus, die eine Bestandsimmobilie erwerben oder erben. „Ihnen würde ich raten, eine energetische Sanierung zu erwägen und auf Erneuerbare zu setzen.“ Der Berater erwartet, dass sich wieder mehr Besitzer entschließen, ihre Heizung zu erneuern. Das Geschäft war nach 2023 erlahmt.

Bürgermeister Andreas Dittmann sagt: Das neue Heizgesetz gibt mehr Spielraum un Zeit

In Sachsen-Anhalts Wohnungen dominiert mit 53 Prozent die Gasheizung. Danach folgen Fernwärme (Abwärme aus Müllofen oder Gas) sowie Öl. Erst zwei Prozent der 1,2 Millionen Wohnungen werden mit Erneuerbaren wie Wärmepumpen geheizt. Bei Neubauten sieht es anderes aus, da liegt die Quote der Erneuerbaren bei etwa 70 Prozent.

Auch die Kommunen sind erleichtert über die geplante Novelle. Andreas Dittmann (SPD), Präsident des Städte- und Gemeindebundes in Sachsen-Anhalt und Bürgermeister von Zerbst sagt: „Der neue Rahmen gibt uns allen mehr Spielraum und Zeit. Der Umbau zu klimafreundlichen Heizungen muss finanzierbar und technisch lösbar sein. Wir müssen die Menschen mitnehmen. Das war mit dem alten Gesetz gründlich schiefgelaufen.“ Dittmann sagt, dass die Gemeinden nun eine realistische Wärmeplanung erstellen können.

Wärmepumpen in Deutschland teuer - liegt es an der Förderung?

Ein Problem sei auch, dass Wärmepumpen in Deutschland sehr teuer sind, sagte Dittmann. „Vielleicht liegt das auch an der hohen Förderung – dies kann preistreibend wirken.“

Ein neuer Gasbrenner kommt derzeit etwa 12.000 Euro. Für Wärmepumpe und Installation verlangen Firmen für ein Haus etwa 30.000 Euro, sagt Energieberater Herbert. Beim Heizungswechsel (nicht beim Neubau) fördert der Bund das mit 15.000 Euro und mehr.

Was kostet Grüngas?

Die Bundesregierung plant ab 2029 eine Grün-Gas-Treppe mit einem wachsenden Anteil von klimafreundlichen Stoffen. Bereits jetzt bieten Versorger Gas mit zehn Prozent Bio an. Zum Beispiel die SWM Magdeburg. Eine Kilowattstunde fossiles Gas kostet 10,23 Cent – beim Biomix sind es 10,89 Cent. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlt für die Bio-Variante inklusive Grundgebühr 132 Euro mehr im Jahr.

Grüne sehen Frontalangriff auf die Wärmewende

Sachsen-Anhalts Parteien reagieren unterschiedlich. Sebastian Striegel von den Grünen sagte: „Diese Gesetzesänderung ist ein Frontalangriff auf die Wärmewende und ein Kniefall vor der fossilen Lobby.“ Die AfD warnte vor der „neuen Preisfalle Grüngas“. Die CDU hält die Novelle für vernünftig.

Thomas Pietsch, Chef der SWM Magdeburg, sagte: „Mit dem Anpassungsentwurf ist auch ein vorübergehendes Festhalten an Gasheizungen möglich. Damit wird aus der Umstellung ein wenig der Zeitdruck genommen und der notwendigen Transformation und Dekarbonisierung wird ein realistischer Raum gegeben. Grüngasquote, CO2-Kosten und Netzkostensteigerungen durch weiteren schrittweisen Gasausstieg führen jedoch schleichend zur Verteuerung der gasbasierten Wärmeerzeugung.“