Experte sieht Tierbestand langfristig nicht in Gefahr / Bauern brachten landesweit 10000 Rinder und 1000 Schweine in Sicherheit

Rehe können der Flut entkommen, Mäuse und Kaninchen nicht

Magdeburg/Berlin l Landwirte und Bundeswehrsoldaten haben in Sachsen-Anhalt gemeinsam tausende Tiere vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Etwa 10000 Rinder, davon 1500 Milchkühe, und mehr als 1000 Schweine seien vor allem nördlich von Magdeburg und im Landkreis Stendal in andere Ställe gebracht worden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands, Fritz Schumann, der Nachrichtenagentur dpa.

"Die Tiere sind nicht abgesoffen, sie leben jetzt auf höheren Inseln", sagte er. Rinder und Schweine würden über das Wasser mit Futter versorgt. Auch Dieselkraftstoff für die Anlagen werde so in die Ställe gebracht. "Ganz wichtig ist, dass die Notstromaggregate für das Betreiben der Melkmaschinen halten, sonst wird es ganz schlimm für die Kühe, die zweimal am Tag gemolken werden müssen", sagte Schumacher. Würden die Tiere nicht gemolken, wären sie verloren. Deshalb könnte eine Kuhherde auch nicht einfach auf eine Wiese getrieben werden, sie müsse dort untergebracht werden, wo Melktechnik in der Nähe ist. Die Kühe mit der Hand zu melken, sei schlicht nicht zu schaffen.

"Viele Kleintiere sind in ihren unterirdischen Bauten ertrunken."

Roland Gramling, WWF

Auch für Wildtiere stellt das Hochwasser eine große Gefahr dar. "Fast ohne jede Chance sind Kleintiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen", sagte Roland Gramling von der Umweltschutzorganisation WWF. Viele seien in ihren unterirdischen Bauten ertrunken. Gleiches gelte für Bodenbrüter, die auf der Erde ihre Nester haben. Grundsätzlich seien es die Jungtiere, die den Wassermassen weitgehend hilflos ausgeliefert sind. Hirsche, Rehe oder Wildschweine hätten dagegen gute Chancen, dem Wasser zu entkommen, wenn es langsam steigt, sagte Gramling.

Ernsthafte Sorgen um die Tierbestände in Sachsen-Anhalt macht sich der WWF-Experte jedoch nicht. "Große Populationseinbrüche wird es nicht geben. Hochwasser sind natürliche Phänomene. Für Tiere ist das ein einmaliges Ereignis und auch ein Selektionsprozess", so Roland Gramling.

Für die Überlebenden sei nach dem Hochwasser ein Überangebot an Raum und Futter da. Der Konkurrenzdruck auf die überlebenden Tiere nehme deshalb ab.