Magdeburg l Das war neu: Zwei gekrönte Häupter klopfen ans Tor der Staatskanzlei und niemand macht auf. Aber, dass sie vom Ministerpräsidenten Reiner Haseloff empfangen werden, damit hatten Andreas I. und Sandra I. auch gar nicht gerechnet. „Wir wollten einfach ein Zeichen setzen, dass der Karneval im Land nicht an Corona gestorben ist“, sagt Sandra Kaluschke.

Die 36-Jährige und ihr 43 Jahre alter Ehemann mit Stammsitz beim Felgeleber Carneval Club im Salzlandkreis durften aufgrund der Pandemie noch ein Jahr als Prinzenpaar dranhängen und sitzen somit auch während der aktuellen Session auf dem Narren-Thron. Doch an Auftritte unter Beschuss von Konfettikanonen und zwischen Tanzmariechen ist erneut nicht zu denken. „Natürlich ist alles viel ruhiger“, sagt die Arzthelferin. „Wir verschicken online Grußbotschaften an Vereine oder Jubilare. Aber es gab auch ein inoffizielles Treffen mit Sachsen-Anhalts Karnevalspräsidenten Dirk Vater in Halle oder mit anderen Prinzenpaaren. Natürlich unter strikter Wahrung der Hygiene-Regeln.“

Sandra I. versteht, dass der Karneval nicht ausscheren kann. „Es wäre doch nicht zu vermitteln, dass keiner zum Frisör darf, aber in vollen Sälen Büttenreden gehalten werden.“ Wohin das führe, habe ja im vergangenen Jahr im Rheinland eine Veranstaltung gezeigt, nach der es viele Corona-Fälle gab.

Aber ganz ohne Büttenrede geht es auch in der aktuellen Session nicht. „Mein Mann hat Ende vergangenen Jahres eine Büttenrede geschrieben. Die haben wir im Netz veröffentlicht.“

Die Prinzessin wünscht sich, dass die Vereine auch noch die nächste Zeit überstehen „und Mitte des Jahres wieder mit der Arbeit beginnen können, dass kein Verein aufgibt. Denn Karneval ist ja nicht nur ein bisschen Spaß zwischen dem 11. 11. und Aschermittwoch, er ist ja auch Kinder- und Jugendarbeit und ganzjährige Freizeitgestaltung.“

Die Rose der Rosen

Statt bis zu 90 Veranstaltungen im Jahr, war Sachsen-Anhalts Rosenkönigin Tina Schlegel 2020 nur 13-mal unterwegs. „Viele Termine sind ausgefallen, zum Beispiel die Grüne Woche, der Rosenball in Sangerhausen in Mansfeld-Südharz und die Nacht der 1000 Lichter im Rosarium.“

Die „Rose der Rosen“ war vor der Pandemie gern gesehener Gast auf Messen und Veranstaltungen in ganz Sachsen-Anhalt. Doch auch für die 24-Jährige muss inzwischen gezwungenermaßen ruhiger treten.

„Das ist eine völlig neue Erfahrung“, sagt sie. „Ich wollte schon als Zehnjährige eines der ,Rosenkinder‘ werden, die jedes Jahr in Sangerhausen gekürt werden, aber da hat man mir gesagt: Mein Kind, du bist dafür zu alt. Na gut, habe ich geantwortet, dann werde ich eben Königin, wenn ich alt genug bin.“

2018 wurde Tina I. Prinzessin, ein Jahr, das jede künftige Königin durchlaufen muss. Dann durfte sie sich die Krone aufsetzen. Allerdings nicht, bevor sie einen Wissenstest und eine Präsentation erfolgreich hinter sich gebracht hatte. „Ich musste die fünf schönsten Sehenswürdigkeiten Sangerhausens vorstellen und eine kleine Reiseführung ausarbeiten.“

Durch Corona darf sie sogar ein Jahr länger als ihre Vorgängerinnen als Aushängeschild für die Königin aller Blumen regieren. Wohl bis Juni, Juli 2021.

Die Mitarbeiterin einer Akutpsychiatrie ist allerdings nicht ganz unglücklich darüber, dass ihr zweites Regierungsjahr moderater ausfällt. „Auf der einen Seite bin ich echt traurig, dass ich meine Region so wenig repräsentieren kann, auf der anderen habe ich dadurch mehr Zeit für mein Studium als Berufsschullehrerin.“

Rote-Bollen-Liebe

Es gibt in Sachsen-Anhalt mehrere Zwiebelköniginnen, so in Zerbst und Hettstedt – aber nur eine Bollenkönigin und die kommt aus Calbe im Salzlandkreis.

Doch auch Josephine Würffel, die inzwischen in Halle lebt, kennt bessere Zeiten. War sie doch bereit zwischen 2013 und 2015 mit einer Krone auf dem Haar unterwegs, um für ihre „Bollenstadt“ und die Region zu werben.

„Das hat immer viel Spaß gemacht“, sagt sie. „Jedes Wochenende in ganz Deutschland unterwegs und etwas über Sachsen-Anhalt und die scharfen Lauchpflanzen zu erzählen. Leider liegt mein letzter Auftritt schon ein Jahr zurück. Das war bei der Grünen Woche in Berlin.“ Lediglich im Oktober des vergangenen Jahres habe es noch einen Kurzauftritt in Calbe anlässlich der Eröffnung der restaurierten Findlingsgruppe am Goethestein gegeben.

Besonders die Sache mit den „Bollen“ sorge immer wieder für viel Verwunderung und zeuge davon, wie wenig diese umgangssprachliche Bezeichnung für Zwiebeln außerhalb der Region bekannt ist.

„Oft werde ich gefragt, was Zwiebeln aus Calbe denn mit ,Pollen‘ zu tun haben oder mit Löchern in Strümpfen“, schmunzelt die 24-Jährige.

Die Krönung einer neuen Königin im Corona-September 2020 anlässlich des Bollenfestes in Calbe war ausgefallen. Deshalb darf die prinzenlose pädagogische Mitarbeiterin der Sportschule noch weiter das Zwiebelzepter schwingen.

Wie es sich für eine Bollen-Königin ziemt, gehören für sie Zwiebeln einfach beim Kochen dazu. „Ich mag am liebsten die roten, die sind nicht so scharf.“

Mit Weinadel im Netz

„Nur gut, dass es das Internet gib“, stöhnt Annemarie Triebe, Sachsen-Anhalts aktuelle Weinkönigin. „Ohne Facebook und Instagram könnte ich noch viel schwerer für die Saale-Unstrut-Region und den Wein werben.“ So könne sie wenigstens mit dem „Weinadel“ – gemeint sind die 13 Weinprinzessinnen des Landes – in Kontakt bleiben.

„Man muss sich etwas Neues einfallen lassen. So waren wir zu den Jungwein-Wochen im April/Mai bei mehr als 50 Winzern der Region, haben kleine Clips gedreht und die Betriebe im Internet vorgestellt.“

Die sogenannte Abkürzung der Weinkönigin hätte eigentlich schon Anfang September beim Winzerfest in Freyburg vor Tausenden von Gästen stattfinden sollen, so die 24-Jährige, die im Wein- und Sektgut Triebe arbeitet. Aber aufgrund von Corona fiel der Jahreshöhepunkt aus. Die Königin auf Abruf wartet nun darauf, ihr Zepter an eine Nachfolgerin weiterzureichen. „Demnächst wird ausgeschrieben“, sagt die gelernte Winzerin und Weinbautechnikerin, der die Liebe zur Rebe schon in die Wiege gelegt wurde. „Das ist eine wichtige Voraussetzung, um authentisch rüberzukommen.“

Annemarie hatte zwar auch einen kleinen Umweg über einen Berliner Caterer gemacht, aber bald gemerkt, dass die Saale-Unstrut-Weinberge für sie mehr als ein Stück Landschaft sind.

Fragt man sie nach ihrem Lieblingswein, muss sie nicht lange überlegen: „Weißburgunder, trocken ausgebaut, aus unserem Weingut“ – ihr „Königinnenwein“, den jede Weinregentin bei ihrer Krönung vorstellen muss.

Der Weg zur Miss Germany

„Es ist bitter, sagt Miss Sachsen-Anhalt Elisa Ventur. Und sie meint damit, dass sie seitdem sie den Wettbewerb der Miss Germany Corporation am 16. Dezember vergangenen Jahres für sich entscheiden konnte, keine öffentlichen Auftritte hatte, wie in coronafreien Zeiten ihre Vorgängerinnen. „Was bleibt, sind Videos, mit denen ich mich vorstelle und kleine Aufgaben, wie das designen eines T-Shirts.“

Trotz der Veranstaltungsflaute fiebert die 21-Jährige aus Eickendorf im Salzlandkreis auf die Tage zwischen 12. und 28. Februar hin. Dann findet der Ausscheid zur Miss Germany im Europapark Rust (Baden-Württemberg) statt, bei dem sie unser Bundesland vertritt. Doch auch in diesen Höhepunkt fällt ein Wermutstropfen. „Ich habe mir die Videos der letzten Jahre angesehen. Viele Zuschauer, und Angehörige der Bewerberinnen waren dabei – das fällt 2021 alles weg.“

Ihre Siegchance will die angehende Polizeibeamtin nicht einschätzen. „Ich habe die anderen Frauen kennengelernt. Auch sie haben prägende Geschichten zu erzählen und sind Vorbilder. Jede hat die Krone verdient.“

Ihren Aufenthalt in Rust muss die Miss allerdings am 24. Februar unterbrechen. „Ich habe an der Fachhochschule Polizei Aschersleben eine Prüfung. Dabei geht es unter anderem ums Versammlungsrecht.“